Möbelbranche wächst vor allem online

01 Dezember, 2017

PwC-Analyse: Möbelbranche generiert 17 Prozent ihres Umsatzes online – Tendenz steigend / Händler dominieren den Markt über Einkaufsverbände / Produzenten unter Druck / Neue Technologien und Umweltbewusstsein der Verbraucher prägen die Branche

Düsseldorf, 1. Dezember 2017

Die Zeichen in der deutschen Möbelbranche stehen auf Wachstum: Laut einer Branchenanalyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC steigen die Umsätze in der Möbelproduktion bis 2020 stabil an – um durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr. Im Möbelhandel liegt das prognostizierte Umsatzwachstum im gleichen Zeitraum bei 1,5 Prozent jährlich. Das Onlinesegment wächst hingegen zweistellig, bis 2020 erwarten die PwC-Experten ein jährliches Umsatzplus von 14 Prozent.

„Die Möbelindustrie ist stark konjunkturabhängig und profitiert von der positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Weitere Gründe für die stabilen Aussichten sind das niedrige Zinsniveau, steigende Bruttoarbeitslöhne und das konsumfreundliche Verbraucherklima. Aber auch der Boom im Wohnungsbau wirkt sich positiv auf die Umsatzerwartungen im deutschen Möbelmarkt aus.“

Patrick Ziechmann, Partner und Experte für den Bereich Handel und Konsumgüter bei PwC in Deutschland

Importe übersteigen Exporte

Bei der Produktion von Möbeln ist Deutschland europäischer Spitzenreiter: Der Umsatz lag 2015 bei 22 Milliarden Euro und damit knapp vor Italien, das auf einen Jahresumsatz von 20,9 Milliarden Euro kommt. Gegenläufig zur gesamtdeutschen Handelsbilanz werden in Deutschland jedoch 25 Prozent mehr Möbel importiert als exportiert: Möbel aus dem Niedrigpreissegment und Mitnahme-Möbel stammen häufig aus dem Ausland, wohingegen hochwertige Möbel aus Manufakturen, Handwerksprodukte und Systemmöbel mit einem hohen Anteil an automatisierter Fertigung überwiegend in Deutschland hergestellt werden.

Händler haben starke Marktposition gegenüber Produzenten

Die deutsche Möbelbranche ist durch eine klare Trennung zwischen Produktion und Handel gekennzeichnet. Der Markt der Möbelproduzenten ist stark segmentiert und fragmentiert: Die meisten Hersteller sind auf eine Möbelgruppe spezialisiert, etwa Küchen- oder Polstermöbel. Knapp drei Viertel der Produzenten erwirtschaften dabei etwa sechs Prozent des Branchenumsatzes, während wenige große Produzenten (0,2 Prozent) rund ein Drittel des Gesamtumsatzes generieren.

Der deutsche Möbeleinzelhandel hat sich dagegen strategisch in Einkaufsverbänden organisiert und so eine starke Marktposition gegenüber den Produzenten aufgebaut. Einige wenige Händler (0,3 Prozent) erzielen dabei mehr als die Hälfte des Branchenumsatzes (54 Prozent). „Die Folge dieser Entwicklung ist, dass die zahlreichen kleinen Möbelhersteller nur über eine geringe Marktmacht verfügen und unter hohem Druck stehen. Eine Differenzierung ist für die Produzenten nur über Nischenprodukte möglich“, so die Einschätzung von Patrick Ziechmann.

Online-Anteil am Umsatz legt kräftig zu

Eine weitere Besonderheit der Möbelbranche ist der vergleichsweise niedrige Online-Anteil am Umsatz. Dieser lag 2016 bei rund 17 Prozent und damit deutlich niedriger als in vielen anderen Handelssegmenten. „Der Wunsch der Verbraucher, ein Produkt anzufassen und auszuprobieren, sowie der erschwerte Möbel-Umtausch beim Onlinekauf bremsen derzeit noch den Absatz von Möbeln im Internet“, so Patrick Ziechmann. Das wird sich jedoch mittelfristig ändern: Bis 2020 erwarten die PwC-Experten einen Anstieg des Online-Umsatzes im Möbelhandel um 14 Prozent pro Jahr.

Gerd Bovensiepen, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC in Deutschland und EMEA, sieht große Chancen für den Möbelhandel im kanalübergreifenden Einkaufserlebnis: „Mit Omnichannel-Konzepten, die auf stationäre Ausstellungsräume in Verbindung mit Online-Vertriebswegen und technologischen Neuerungen sowie unkomplizierte und verbraucherfreundliche Umtauschprozesse für Onlinekäufe setzen, können Händler die bestehenden Widerstände überwinden. Und das lohnt sich, denn der Onlinevertrieb birgt großes Wachstumspotenzial für den deutschen Möbelmarkt.“

Technische Innovationen und Umweltbewusstsein prägen die Branche

Neben der Digitalisierung prägen technische Innovationen die Branche: Erste Vorreiter bei der 3D-Druck-Anwendung produzieren etwa kleinteilige Möbelstücke wie Stühle und Dekorationsartikel. Auch moderne gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln sich in der Möbelbranche wieder: Die zunehmende Mobilität und Urbanisierung der Menschen schafft beispielsweise einen Markt für multifunktionale Möbel, die besonders flexibel einsetzbar sind. Und nicht zuletzt verlangt das steigende Umweltbewusstsein der Verbraucher nach einer nachhaltigen und fairen Möbelproduktion, energieeffizienten Wohnkonzepten und trendbewussten Möbeln aus Re- oder Upcycling-Prozessen.

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