Start-ups in Hamburg: Fachkräftemangel bremst Wachstum

28 September, 2018

Hamburger Start-ups rechnen für 2018 mit einem Umsatzplus von neun Prozent / Die größte Herausforderung ist die Mitarbeitersuche – sechs von zehn Gründern haben Schwierigkeiten / Zufriedenheit mit Gründerstandort Hamburg grundsätzlich hoch / Venture Capital setzt sich immer stärker durch / Etablierte Unternehmen als Geschäftspartner am meisten geschätzt

Hamburg, 28. September 2018

Die Hamburger Gründerszene ist auf Wachstumskurs: Für das Jahr 2018 rechnen Start-ups aus der Region mit einem Umsatzplus in Höhe von neun Prozent und liegen damit sogar knapp über dem Bundesdurchschnitt von acht Prozent. Zusammen mit Berlin und Frankfurt zählt die Hansestadt damit zu den Metropolen in Deutschland mit den höchsten Wachstumserwartungen. Auch in puncto Personal rechnen Start-ups in Hamburg und Umgebung mit einem Plus: Im Schnitt wollen sie ihre Belegschaft in diesem Jahr um sieben Prozent aufstocken. Dabei dürften sie allerdings vom Arbeitsmarkt ausgebremst werden, den auch die Hamburger Gründer spüren – sechs von zehn berichten von Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter zu finden. Das zeigt die Studie „Start-up-Unternehmen in Deutschland 2018“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, für die insgesamt 1.000 Start-ups, darunter 62 aus dem Raum Hamburg, befragt wurden.

Rekrutierung neuer Mitarbeiter scheitert häufig an Gehaltsforderungen

Tatsächlich stellt die Personalplanung und -rekrutierung derzeit die größte Herausforderung für Hamburger Gründer dar – noch vor steuerlichen Themen, der Akquise von Fördermitteln oder rechtlichen Fragestellungen. Auffällig häufig werden die Gehaltsvorstellungen der Bewerber zu einer Einstellungshürde: Während bundesweit rund ein Drittel (35 Prozent) der Gehaltsverhandlungen scheitert, haben in Hamburg mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Start-ups mit diesem Problem zu kämpfen. Erschwerend kommt die geringe Verfügbarkeit von Fachkräften hinzu, wie 38 Prozent der Gründer bestätigen. Besonders hoch ist der Bedarf derzeit an Vertriebsspezialisten, IT-Sicherheitsexperten und Entwicklern – Profile, nach denen auch etablierte Unternehmen Ausschau halten. Genau das wird für viele Start-ups zum Problem: Rund ein Drittel (35 Prozent) geben an, dass potenzielle Mitarbeiter sich eher für bekannte Unternehmen entscheiden.

„Die Wirtschaft in Hamburg ist sehr vielfältig und besitzt eine hohe Anziehungskraft, gerade für junge Leute.“

Thorsten Dzulko, Leiter des PwC-Standorts in Hamburg

„Start-ups können sich bei der Rekrutierung aber nicht mehr allein auf den Standort und Stärken wie flache Hierarchien und persönlichen Gestaltungsspielraum verlassen. Um sich gegen etabliert Arbeitgeber durchzusetzen, müssen sie mittlerweile auch zunehmend konkurrenzfähige Gehälter zahlen“, erläutert Dzulko.

Viele Hamburger Gründer setzen auf Venture Capital

Den Zugang zu finanziellen Mitteln in Hamburg bewerten 39 Prozent der Jungunternehmen als „sehr gut“ und 45 Prozent als „eher gut“. Entsprechend fällt der Anteil der Unternehmen, die allein auf Eigenmittel setzen, mit acht Prozent gering aus. Die Mehrheit, 66 Prozent, wählt eine Mischfinanzierung, während 26 Prozent ihr Unternehmen allein aus Fremdmitteln finanzieren. 60 Prozent greifen auf einen klassischen Kredit zurück. Überdurchschnittlich viele Hamburger Gründer nutzen zudem Venture Capital von Unternehmen – mit 21 Prozent sind sie damit bundesweit an der Spitze, noch vor Stuttgart (20 Prozent) und Berlin (18 Prozent). „Corporate Venture Capital hat in der Hamburger Gründerszene deutlich an Bedeutung gewonnen“, sagt Niklas Wilke, Ansprechpartner der PwC-Start-up-Initiative Next Level im Raum Hamburg. „Das ist eine sehr positive Entwicklung. Denn zum einen zeigt es, dass die Start-ups in der Region mit ihren Ideen sehr gut im Wettbewerb um Kapital mithalten können. Es zeigt aber auch, dass etablierte Unternehmen zunehmend am Austausch mit jungen Unternehmen interessiert sind.“

Etablierte Unternehmen als Kooperationspartner am begehrtesten

Das scheinen Hamburgs Gründer ähnlich zu sehen – denn auch jenseits des Geldes setzen sie auf Kooperationen: Am liebsten arbeiten sie mit etablierten Unternehmen zusammen, wie 52 Prozent der Befragten bestätigen, weit vor Start-ups aus dem eigenen (16 Prozent) oder einem anderen Geschäftsbereich (15 Prozent). Von Kooperationen erhoffen sich die Jungunternehmen vor allem, fehlendes Know-how ergänzen zu können oder sich neue Vertriebskanäle und Kundengruppen zu erschließen.

„Durch Kooperationen gewinnen beide Seiten enorm. Etablierte Unternehmen kommen mit einer agilen Kultur und neuen Technologien in Kontakt. Start-ups profitieren von gewachsenen Strukturen und dem Zugang zu neuen Märkten und Kundengruppen.“

Niklas Wilke, Ansprechpartner der PwC-Start-up-Initiative Next Level im Raum Hamburg

Hohe Zufriedenheit mit dem Gründerstandort Hamburg

Grundsätzlich ist die Zufriedenheit mit dem Hamburger Standort unter Start-ups sehr hoch: 98 Prozent bewerten das lokale Ökosystem mit gut oder sehr gut. Neben der allgemeinen Gründerszene schätzen sie vor allem die Nähe zu Universitäten sowie die logistische Infrastruktur und Anbindung. „Der Hamburger Senat hat entschieden, die Rahmenbedingungen für Existenzgründer zu verbessern. Unsere Studie zeigt, dass diese Initiative durchaus Früchte trägt“, so Thorsten Dzulko. „Doch Politik und Wirtschaft dürfen jetzt keinesfalls in ihren Anstrengungen nachlassen. Denn Gründer sind in der Regel sehr mobil und wechseln notfalls auch den Standort, wenn ihnen anderswo bessere Rahmenbedingungen geboten werden.“ Am meisten zu schaffen machen den Hamburger Existenzgründern derzeit die hohen Lebenshaltungskosten, bürokratische Hürden sowie die Verfügbarkeit attraktiver Immobilien. Ein Standortwechsel kommt für die meisten Gründer derzeit jedoch nicht infrage: Lediglich zwei Prozent der Hamburger Start-ups erwägen einen Umzug.

Über PwC:

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