Angespannte Wohnungssituation verschärft Fachkräftemangel im Rhein-Main-Gebiet

03 Juli, 2019

Bezahlbare Wohnungen sind nach Ansicht der meisten Bürgerinnen und Bürger reine Glückssache / Mietkosten spielen für 55 Prozent der Befragten die größte Rolle bei jobbedingtem Umzug / 70 Prozent glauben, dass die Wohnungssituation Arbeitgeber vor Probleme bei der Mitarbeitersuche stellt / Befragte sehen Arbeitgeber in der Pflicht, die Wohn- und Pendelsituation zu verbessern

Frankfurt, 3. Juli 2019

Die Mietpreise in den deutschen Ballungszentren sind hoch und steigen weiter an. Das gilt auch für das Rhein-Main-Gebiet und hat bereits jetzt Auswirkungen auf Berufstätige und den Arbeitsmarkt, wie eine Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 400 berufstätigen Bürgerinnen und Bürgern zwischen 18 und 65 Jahren in der Region zeigt.

Die gute Nachricht vorweg: Insgesamt fühlen sich die Menschen in der Rhein-Main-Region sehr wohl und sind mit vielen Faktoren wie den Einkaufsmöglichkeiten (84 Prozent), der Verkehrsinfrastruktur (76 Prozent) und dem Arbeitsmarkt zufrieden (67 Prozent. Da wundert es nicht, dass 37 Prozent aus beruflichen Gründen in die Region gezogen sind. Gedämpft wird die Stimmung allerdings, wenn es um den Wohnungsmarkt geht: Sechs von zehn Befragten sind mit den Immobilien- und Miet-Preisen sowie dem Angebot an freien Wohnungen unzufrieden. Das gilt vor allem für die mittleren Jahrgänge, die zwischen 35 und 49 Jahre alt sind.

„Das ist alarmierend, denn die Mietpreise – auch das hat unsere Umfrage gezeigt - sind der wichtigste Faktor bei der Entscheidung für oder gegen einen Jobwechsel. Da der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften im Rhein-Main-Gebiet ungebrochen hoch ist, ist die Region sowohl auf den Zuzug angewiesen, als auch darauf, gute Mitarbeiter zu halten.“

Michael Burkhart, Standortleiter Frankfurt und Managing Partner Region Mitte

Pessimistisch bei der Entwicklung des Wohnungsmarktes 

Mit einer Entspannung rechnen die Befragten nicht, insbesondere in den Städten: 88 Prozent befürchten, dass sich nur noch Gutverdiener bei einem weiteren Anstieg der Mieten ein Leben dort leisten können. Ebenso viele erwarten, dass die Mietpreise in den nächsten Jahren weiter steigen. Zugleich gibt das Gros der Befragten an, dass die Mieten in den letzten Jahren deutlicher gestiegen seien als die Gehälter. Und die sind bei einigen Berufsgruppen, die dringend gesucht werden, ohnehin nicht allzu hoch.

„Pflegekräfte und Handwerker werden sich perspektivisch Wohnungen in den Großstädten und Ballungsräumen nicht mehr leisten können. In den Außenbezirken und Vororten sind die Mieten zwar günstiger, aber die Anfahrtszeiten werden von vielen als zu lang empfunden. Das fördert die Bereitschaft für einen Jobwechsel.“

Michael Burkhart, Standortleiter Frankfurt und Managing Partner Region Mitte

Großstädte für Geringverdiener kaum noch finanzierbar

Wie dramatisch die Lage eingeschätzt wird, zeigt sich daran, dass es neun von zehn Einwohnern für reine Glückssache halten, eine bezahlbare Wohnung in einer der Großstädte der Region zu finden.

„Das sollte der öffentlichen Hand nicht nur zu denken geben, sondern sie zum Handeln motivieren. ‘Mehr Bauen‘ lautet die Devise, vor allem bei bezahlbarem Wohnraum. Aber ad hoc funktioniert das nicht, Genehmigungs- und Bauphasen sind dafür noch zu lang. Städte müssen aktiver eingreifen, wenn es um Zukunftsthemen wie Wohnen oder Mobilität in den Ballungszentren geht.“

Susanne Eickermann-Riepe, Bereichsleiterin Real Estate bei PwC Deutschland

Die Auswirkungen hoher Mietpreise in den Großstädten zeigen sich heute schon an den Pendelbewegungen: 16 Prozent nutzen das Mietpreisgefälle zwischen Stadt und Land und pendeln zum Arbeiten in die Großstadt, was aber mit Zeitaufwand und Kosten, auch für die Umwelt, verbunden ist.

Jobwechsel wegen hoher Miete 

Im Extremfall wird der Job wegen einer zu hohen Miete sogar gewechselt: Jeder Zwölfte hat das schon einmal getan. Bei der Entscheidung für eine neue Anstellung wären für 55 Prozent bezahlbare Mieten der ausschlaggebende Faktor, gefolgt von der Länge des Anfahrtsweges (45 Prozent) und den Kosten für Wohneigentum (41 Prozent). Jeder Zweite würde im Fall einer kräftigen Mieterhöhung über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken und kann sich zudem vorstellen, auch einen Job in einer anderen Stadt anzunehmen - bei den Jüngeren (18 bis 34 Jahre) sind das jeweils sogar rund zwei Drittel der Befragten.

„Dass die junge Generation die Arbeitsplatzwahl auch von der Wohnsituation abhängig macht, ist für Unternehmen in teuren Ballungsräumen wie Frankfurt durchaus riskant, denn insbesondere wenn es um die Digitalisierung geht, werden junge Fachkräfte ganz besonders gesucht.“

Micharl Burkhart, Standortleiter Frankfurt und Managing Partner Region Mitte

Frankfurt ist kein Einzelfall

Damit ergeht es vor allem Frankfurt wie vielen anderen Großstädten in Deutschland, aber auch in Europa. „Urbanisierung ist das Zauberwort und beschert den Großstädten wie Frankfurt einen Boom“, kommentiert das Susanne Eickermann-Riepe, die bei PwC Deutschland den Bereich Real Estate leitet und verweist auf Ergebnisse der aktuellen PwC-Studie „Emerging Trends in Real Estate Europe“: „Investoren sehen großes Potential durch den ungebrochenen Zuzug und neue Wohnformen von Co-Living Spaces bis Serviced Appartements. Im Ranking der Investoren steht Berlin vor Frankfurt, gefolgt von München und Hamburg, aber auch sie halten die deutschen Städte mittlerweile für überteuert.“

Unternehmen müssen auf angespannte Wohnungssituation reagieren

Sieben von zehn Einwohnern des Rhein-Main-Gebietes glauben, dass die angespannte Wohnungssituation eine große Herausforderung für Arbeitgeber ist, wenn es darum geht, Fachkräfte zu finden oder zu halten. Obwohl die Schuld für zu hohe Mieten primär bei der öffentlichen Hand (57 Prozent) und der Politik (56 Prozent) gesehen wird, glauben die Befragten, dass auch Arbeitgeber Möglichkeiten haben, um den Problemen entgegenzuwirken. So könnten Unternehmen ihren Beschäftigten Betriebswohnungen stellen (84 Prozent), Mieten bezuschussen (83 Prozent), Fahrtkosten zwischen Wohn- und Arbeitsort übernehmen (81 Prozent) oder Mieterhöhungen durch entsprechende Gehaltserhöhung ausgleichen (69 Prozent).

„In erster Linie ist natürlich die Politik gefordert, in der Rhein-Main-Region ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Aber angesichts der angespannten Situation auf dem Arbeitnehmermarkt kann ich Unternehmen nur empfehlen, auch selbst aktiv zu werden. Eine angespannte Wohnungssituation kann durch viele Maßnahmen abgefedert werden – das muss nicht immer die Betriebswohnung sein, das kann zum Beispiel auch die Schaffung von Homeoffice-Möglichkeiten für Pendler sein.“

Michael Burkhart, Standortleiter Frankfurt und Managing Partner Region Mitte

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