Börsengang von TeamViewer setzt Akzent in schwachem 3. Quartal

27 September, 2019

PwC-Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“: Bislang nur vier IPOs / Das Debüt von TeamViewer ist der größte Börsengang in Europa in diesem Jahr / Schwache Konjunktur belastet den Kapitalmarkt.

Düsseldorf, 27. September 2019

Das dritte Quartal 2019 endet mit einem Paukenschlag auf dem deutschen Emissionsmarkt: Das Softwareunternehmen TeamViewer wagt sich aufs Parkett und spielt dabei rund 1,97 Milliarden Euro ein – der größte Börsengang eines Technologieunternehmens in Deutschland seit dem Platzen der Dotcom-Blase. Damit stellt TeamViewer auch das Erstlisting von Traton, der LKW-Sparte von VW, in den Schatten, die Ende des zweiten Quartals mit 1,35 Milliarden Euro debütierte. Abgesehen von diesen beiden Groß-Transaktionen herrscht Flaute auf dem deutschen IPO-Markt: In den ersten neun Monaten des Jahres gingen nur vier Unternehmen an die Frankfurter Börse und spielten dabei rund 3,5 Milliarden Euro ein. Das Emissionsvolumen liegt 46 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum, als bis Ende September 14 deutsche Unternehmen debütiert hatten. Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt erfasst.

Geschäftserwartungen der Unternehmen auf Tiefstand

„Das wirtschaftliche und politische Umfeld belastet den Kapitalmarkt nach wie vor: Die Sorgen um die Weltkonjunktur und den Ausgang des Brexits halten an. Die Geschäftserwartungen deutscher Unternehmen sind auf den niedrigsten Stand seit 2009 gefallen und auch die Gewinnschätzungen der Analysten gehen deutlich zurück. In diesem Umfeld wagen sich verständlicherweise nur wenige Unternehmen an den Kapitalmarkt“, kommentiert Nadja Picard, IPO-Expertin und Capital Markets Leader für PwC Europe. Da helfe es auch nicht, dass die Indizes der schwachen Konjunkturlage trotzen und sich in etwa auf Vorjahresniveau bewegen.

„Der Anlagenotstand ist enorm. Wenn eine 30-jährige Bundesanleihe mit minus 14 Basispunkten rentiert, fragen sich viele Investoren, ob über einen solch langen Zeitraum mit Aktien nicht mehr zu erwirtschaften ist. Das hält die Märkte oben – trotz aktuell einbrechender Gewinnaussichten und schwindender Hoffnung auf ein nahes Ende des Handelsstreits.“

Carsten Stäcker, Leiter Equity Advisory bei PwC Deutschland

Kapitalerhöhungen deutlich unter dem Vorjahr

Auch in puncto Kapitalerhöhungen fiel das dritte Quartal schwach aus: Nur fünf Unternehmen erhöhten zwischen Juli und September 2019 ihr Kapital. Im ersten Quartal taten dies noch 14 Unternehmen, im 2. Quartal immerhin elf. Das Volumen der Kapitalerhöhungen erreichte im dritten Quartal 645 Millionen Euro, wobei der Immobilienkonzern Aroundtown mit seiner Kapitalerhöhung für 93 Prozent des Gesamtvolumens verantwortlich war. Für die ersten neun Monate des Jahres liegt das Volumen der Kapitalerhöhungen rund 65 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.

Lichtblick bei den Fremdkapitalemissionen

Einen Lichtblick bieten die Fremdkapitalemissionen: Insbesondere für Investment-Grade-Anleihen verliefen die vergangenen drei Monate erfreulich stark. Das Emissionsvolumen lag bei 33,3 Milliarden Euro und damit 157 Prozent über dem zweiten Quartal 2019 und 72 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahresquartal. Auch der Markt für High-Yield-Anleihen zeigt sich stabil: Das Emissionsvolumen lag mit 2,4 Milliarden Euro im dritten Quartal zwar rund ein Drittel unter dem Vorquartal, aber deutlich über dem dritten Quartal 2018.

„Der sehr hohe Anteil an Staatsanleihen mit negativer Rendite treibt Bond-Investoren zunehmend in Unternehmensanleihen, die mit ihren, wenn auch sehr geringen, Kupons immerhin noch etwas Ertrag versprechen. Vor allem nach der Sommerpause haben Unternehmen die hohe Nachfrage genutzt und durch Neuemissionen ihre ausstehenden Verbindlichkeiten refinanziert sowie ihre Zinsbelastung gesenkt.“

Nadja Picard, IPO-Expertin und Capital Markets Leader für PwC Europe

Ausblick: Keine großen Börsengänge im Schlussquartal

„2018 war ein starkes Jahr für den deutschen Emissionsmarkt, daran wird 2019 nicht annähernd anknüpfen können“, so die Einschätzung von Carsten Stäcker. Er zeigt sich für das Schlussquartal eher skeptisch: „Für das letzte Quartal des Jahres sehen wir keine mit dem Vorjahr vergleichbar großen Börsengänge, auch wenn mit Congatec und Logistrial zuletzt zwei weitere Unternehmen ihre Börsenpläne publik gemacht haben.“

Die Erwartung, dass das Debüt von TeamViewer für neuen Schwung im deutschen Emissionsmarkt sorgen wird, dämpft der IPO-Experte. Denn das Unternehmen, das mit einer Fernwartungssoftware sehr erfolgreich ist, sei ein ganz besonderes Asset – ein wachstumsstarker Tech-Konzern mit hohen Margen, der sich genau in dem „Sweet Spot“ befinde, den Investoren derzeit für ihre Anlagen suchen.

„Die Hoffnungen für mehr Bewegung im deutschen IPO-Markt ruhen auf 2020. Ein belebender Faktor ist, dass einige große Konzerne für das kommende Jahr die Börsengänge ihrer Spin-Offs angekündigt haben.“

Carsten Stäcker, Leiter Equity Advisory bei PwC Deutschland

Über die Analyse:

Im „Emissionsmarkt Deutschland“ analysiert PwC vierteljährlich sämtliche Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt. Darüber hinaus werden Neuemissionen von Unternehmensanleihen deutscher Emittenten erfasst. Die Angaben der Kapitalerhöhungen basieren auf Informationen von Thomson Reuters und beinhalten Transaktionen bis einschließlich 23. September 2019.

Über PwC:

PwC betrachtet es als seine Aufgabe, gesellschaftliches Vertrauen aufzubauen und wichtige Probleme zu lösen. Mehr als 250.000 Mitarbeiter in 158 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei.

Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.

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