Knapp die Hälfte der Bremer Startups ist mit dem Startup-Ökosystem zufrieden

29 Juni, 2020

Gründungsbedingungen in der Hansestadt haben noch Verbesserungspotenzial / Bremen punktet mit der Hochschullandschaft und der Verfügbarkeit bezahlbarer Büroräume / Entrepreneure wünschen sich besseren Zugang zu Kapital und Investitionen

Bremen, 29.06.2020

Die Stimmung bei den deutschen Startups war optimistisch – vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie: Rund sechs von zehn Startup-Gründerinnen und Gründern zeigen sich mit den Bedingungen an ihrem Standort zufrieden. In Bremen und Bremerhaven lag dieser Anteil jedoch deutlich niedriger: In der Freien Hansestadt bewerten nur 43 Prozent der Entrepreneure das Startup-Ökosystem an ihrem Standort als gut.

„In den vergangenen Jahren hat sich in der hiesigen Startup-Landschaft eine Menge getant. Bremen hat zweifellos aufgeholt und wir sind auf einem guten Weg – auch wenn die Befragung zeigt, dass wir gegenüber den Gründungshochburgen in anderen Teilen der Republik noch Nachholbedarf haben. Ich hoffe sehr, dass diese Schere in der Corona-Krise nicht wieder weiter aufgeht, sondern die Startups in Bremen ein klares wirtschaftspolitisches Signal erhalten, dass sie langfristig und konstant mit Unterstützung rechnen können.“

Thomas Ull, Standortleiter bei PwC Bremen

Denn auch in Sachen Wirtschaftspolitik zeigt die Befragung Luft nach oben: Nur 40 Prozent der Gründerinnen und Gründer empfinden die wirtschaftspolitischen Initiativen in Bremen als gut, bundesweit sind es mit 52 Prozent deutlich mehr. Auf der Positivliste hingegen finden sich in Bremen seine gute Hochschullandschaft und die Verfügbarkeit bezahlbarer Büroimmobilien.

Diese Ergebnisse entstammen dem 7. Deutschen Startup-Monitor, den der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen erstellt haben und für den vor Beginn der Corona-Krise rund 2.000 Startups bundesweit befragt, darunter 75 Unternehmen aus Bremen und Bremerhaven.

Finanzierung schon vor Corona die größte Hürde

Kritisch sehen die Startup-Entscheider im Einzelnen auch das Thema Kooperationen und die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal. Besonders moniert wird allerdings der Zugang zu Kapital und Investitionen. Und gerade die Finanzen dürfte das aktuelle Krisengeschehen kräftig durcheinanderwirbeln, dabei war die Finanzierung schon vor Corona die größte Hürde, die Startup-Unternehmer in der Region laut Befragung nehmen müssen: Nur jeder fünfte Entscheider in Bremen und Bremerhaven (bundesweit jeder Dritte) bezeichnet den Zugang zu Kapital und Investitionen als gut. 45 Prozent haben nach eigenen Angaben Mühe, sich Zugang zu Investoren und ihrem Netzwerk zu verschaffen.

Ein Blick auf die genutzten Finanzierungsquellen zeigt, dass Startups in Bremen bei der Finanzierung noch sehr stark auf traditionelle Wege setzen: 83 Prozent stecken in erster Linie eigenes Geld in die Finanzierung ihres Business, 29 Prozent erhalten Zuschüsse von der Familie oder von Freunden. Nur 26 Prozent nehmen staatliche Fördermittel in Anspruch (bundesweit tun dies 39 Prozent).

Neue Ansätze wie Corporate Venture Capital gefragt

Deutlich seltener als im bundesweiten Durchschnitt finanzieren sich die Bremer Startups über alternative Ansätze wie Business Angels oder Venture Capital. Nur jeweils 9 Prozent erhalten über diesen Weg eine Finanzspritze. Bundesweit nutzen immerhin 23 bzw. 15 Prozent diese innovativen Finanzierungsquellen. Und auch beim Bankdarlehen sind Bremer Startups äußerst zurückhaltend: Nur vier von zehn Startups (39 Prozent) haben externes Kapital aufgenommen (bundesweit 55 Prozent).

„Das Finanzierungs-Problem wird sich nun vermutlich verschärfen. Dennoch bin ich überzeugt, dass es für Startups mit innovativen Lösungen und Angeboten auch in Krisenzeiten Mittel und Wege geben wird, an Geld zu kommen. Eine aussichtsreiche Variante ist beispielsweise die Finanzierung über Corporate Venture Capital, wo für die Investoren nicht die Rendite im Mittelpunkt steht, sondern der Zugang zu technologischem Know-how und den viel begehrten Fachkräften. Da es in Bremen und Umland viele mittelständisch geprägte Unternehmen gibt, sehe ich hier große Chancen.“

Christoph Haß, Leiter PwC-Startup-Initiative NextLevel für die Region Nord

Zumal es seit 2018 mit der Starthaus-Initiative der Bremer Wirtschaftsförderung eine zentrale Anlaufstelle für die Gründerszene gibt, die zu Themen wie Finanzierung oder Kooperationen berät.

Gründer schöpfen das Potenzial von Kooperationen (noch) nicht aus

Von einer Zusammenarbeit mit Partnern können die Entrepreneure nicht nur im Hinblick auf die Finanzen profitieren. „Es lohnt sich für die Startups, in den Austausch und die Zusammenarbeit mit Partnern zu investieren. So lassen sich neue Vertriebskanäle und Kundengruppen erschließen und fehlende Expertise ergänzen“, resümiert Thomas Ull. Die Gründerinnen und Gründer in Bremen und Bremerhaven gehen bislang allerdings seltener Kooperationen mit anderen Startups oder wissenschaftlichen Einrichtungen ein als Gründer in anderen Regionen. Nur 48 bzw. 42 Prozent pflegen solche Kooperationen, bundesweit sind es 57 bzw. 55 Prozent. Und das empfinden viele als Problem: Nur rund ein Viertel der Startups in Bremen und Bremerhaven (27 Prozent) ist mit den Kooperationsmöglichkeiten zufrieden. Im Zuge der Corona-Pandemie werden Kooperationen weiter an Bedeutung gewinnen – und zwar für beide Seiten.

„In der aktuellen Krise wächst auch das Interesse von etablierten Unternehmen an innovativen, digitalen Technologien, wie sie viele Startups zu bieten haben. Insofern könnte Corona als Digitalisierungsbooster wirken und den Startups, die sich durch innovative digitale Lösungen auszeichnen, Auftrieb verleihen.“

Christoph Haß, Leiter PwC-Startup-Initiative NextLevel für die Region Nord

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