Neun von zehn Berlinern bezeichnen Wohnungssuche als „reine Glückssache“

13 Juli, 2020

PwC-Umfrage zu den Auswirkungen hoher Mieten: 75 Prozent befürchten, dass der angespannte Wohnungsmarkt den Fachkräftemangel verschärft / 91 Prozent der Berufstätigen leben trotzdem gern in der Hauptstadt / 93 Prozent der Berliner sehen den Wohnungsneubau als wichtigste Maßnahme zur Entlastung des Wohnungsmarktes / Mehrheit sieht Verantwortung für Wohnungsnot bei der Politik

Berlin, 13.07.2020

Die angespannte Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus und könnte den Fachkräftemangel weiter verschärfen: So sagen 75 Prozent der Berlinerinnen und Berliner, dass Arbeitgeber durch die Wohnungsnot Probleme haben, Fachkräfte zu finden oder zu halten. Das ist das Ergebnis einer PwC Deutschland Umfrage zu den Auswirkungen hoher Mieten unter 400 Berufstätigen aus Berlin und dem Umland. Die Bürgerinnen und Bürger bemängeln nicht nur, dass Wohnraum knapp ist, wie 73 Prozent bestätigen. Eine bezahlbare Wohnung zu finden bezeichnen 90 Prozent als „reine Glückssache“.

„In diesen Ergebnissen spiegelt sich die Tatsache wider, dass in Berlin immer noch zu wenig gebaut wird. Ungenutzte Flächen sind in der Hauptstadt keine Seltenheit. Die wichtigste Maßnahme zur Entlastung des Wohnungsmarktes liegt daher in der der Fokussierung auf Neubauten und der schnelleren und unbürokratischeren Genehmigung von Bauvorhaben.“

Dr. Frederik Mielke,Leiter des Audit Real Estate Bereiches bei PwC Berlin

Das sieht offensichtlich auch die ganz überwiegende Mehrheit der Berliner und Brandenburger ähnlich. Als bedeutendste Maßnahme zur Entlastung des Wohnungsmarktes nennen 93% der Berliner und Brandenburger Wohnungsbauprogramme für Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen.

Die Politik hat zu spät auf den Wohnungsmangel reagiert

Die Verantwortung für die Wohnraumknappheit sehen die Bürger vor allem bei der Politik, die zu spät auf das Problem reagiert habe, wie 67 Prozent angeben. Auch kümmere sich die öffentliche Hand zu wenig um den sozialen Wohnungsbau (62 Prozent) – und das Augenmerk der Investoren liege zu stark auf dem Luxussegment (56 Prozent).

Berliner fürchten, dass die Mieten weiter steigen werden

Der Optimismus der Berliner ist in diesem Punkt gebremst: So gehen 80 Prozent der Befragten davon aus, dass die Mieten in den kommenden fünf Jahren weiter steigen werden – trotz Mietendeckel, mit dem das Berliner Abgeordnetenhaus einen weiteren Preisanstieg stoppen will. Auch der Wohnraum wird weiterhin knapp sein, fürchten die Umfrageteilnehmer – 40 Prozent glauben, dass das Angebot gleichbleiben, 31 Prozent, dass es sinken wird. Jeder Dritte hat daher zumindest schon einmal in Betracht gezogen, die Region zu verlassen und sich einen neuen Job zu suchen.

Der Berliner schätzt Kultur und Einkaufsmöglichkeiten seiner Stadt

Trotz der angespannten Wohnungslage mögen die Berliner ihre Stadt: 91 Prozent der Berufstätigen fühlen sich hier wohl. Ausschlaggebend sind dabei vor allem die guten Einkaufsmöglichkeiten (91 Prozent), das kulturelle Angebot (81 Prozent) und der öffentliche Nahverkehr (78 Prozent). Die Zahl derer, die ihrer Stadt treu bleiben, ist daher vergleichsweise hoch: 64 Prozent der Berufstätigen geben an, dass sie im Großraum Berlin stark verwurzelt sind. In den steigenden Mieten spiegelt sich allerdings auch die deutschlandweite und internationale Anziehungskraft von Berlin für Investoren und Arbeitskräfte wider. Bereits 35 Prozent der Berliner sind wegen des Jobs in die Hauptstadt gekommen.

„Damit liegt Berlin zwar prozentual hinter München, hier sind es 48 Prozent, betrachtet man jedoch die absolute Größe von Berlin, wird die enorme Anziehung für Arbeitskräfte deutlich.“

Dr. Frederik Mielke,Real-Estate-Experte und Betreuer zahlreicher Wohnungsgesellschaften

Homeoffice könnte sich verstärken und Pendeln erleichtern

Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum, der Berlin und viele andere Großstädte in Deutschland seit vielen Jahren kaum noch nachkommen, könnte sich durch die Corona-Krise aber durchaus verändern: „Aufgrund der gestiegenen Mieten sind bereits viele Menschen von der Stadt ins Umland abgewandert und zu Pendlern geworden. Diese Entwicklung könnte sich künftig deutlich beschleunigen, weil sich in der aktuellen Situation zeigt, dass das Homeoffice eine gute Alternative für viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist. Demgegenüber steht die ungebrochene Faszination und der anhaltende Trend zum Leben in der Großstadt,“ kommentiert David Rouven Möcker, der den Bereich Real Estate Consulting am Standort Berlin führt.

„Es wird spannend, welche nachhaltigen Änderungen sich für den Immobilienmarkt in Folge der Corona Krise ergeben.“

David Rouven Möcker,Leiter Bereich Real Estate Consulting bei PwC Berlin

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Dennis Pagel

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