Teure Wohnungen verschärfen den Fachkräftemangel in München

07 August, 2020

Mehr als acht von zehn Berufstätigen aus dem Großraum München sind mit der Wohnungssituation unzufrieden / Für 93 Prozent ist es reine Glückssache, eine bezahlbare Wohnung zu finden / 82 Prozent gehen davon aus, dass Arbeitgeber deshalb Probleme bei der Fachkräftesuche haben

München, 07. August 2020

München bietet seinen Bewohnern eine hohe Lebensqualität sowie einen großen Arbeitsmarkt und viele Jobmöglichkeiten. Dies geht aus einer Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 400 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren aus München und dem Umland hervor. Die Studie zeigt aber auch auf, wie dramatisch die Wohnraumsituation in der bayerischen Landeshauptstadt ist und welche Auswirkungen sie auf die Fachkräftesuche haben kann.

Mehr als neun von zehn Befragten (92 Prozent) fühlen sich an ihrem Wohnort wohl. Dies liegt vor allem an der breiten Auswahl an Freizeitaktivitäten und den guten Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten. Die hohe Relevanz des Bildungs- und Arbeitsmarktes zeigt sich dabei am Anteil der Zugezogenen: Etwa jeder Zweite kam aus beruflichen Gründen, knapp jeder Fünfte wegen der Ausbildung bzw. des Studiums in die bayerische Metropole.

Systemrelevante Berufsgruppen gefährdet

Kommt man allerdings auf die Miet- und Wohnungssituation zu sprechen, trübt sich die Stimmung deutlich ein: acht von zehn Befragten sind unzufrieden und 72 Prozent empfinden ihre Miete als zu hoch.

„Wenn die Mietpreise weiterhin schneller steigen als die Einkommen, wird sich das auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Wenn die Stadt nicht reagiert, müssen Arbeitsplätze, die als systemrelevant einzustufen sind, möglicherweise unbesetzt bleiben. In der Corona-Krise sehen wir schließlich mehr denn je, dass unser Gemeinwesen ohne Pflegekräfte, Polizisten oder Reinigungskräfte nicht funktioniert. All diese Berufe gehören nicht unbedingt zu den Spitzenverdienern.“

Eckhard Späth,Standortleiter München bei PwC Deutschland

Die Arbeitnehmer (82 Prozent) sind ebenfalls davon überzeugt, dass es die angespannte Wohnraumsituation Arbeitgebern schwer macht, ihre Fachkräfte zu halten oder neue zu finden. 94 Prozent befürchten, dass ein weiterer Anstieg der Mieten dazu führt, dass Geringverdiener abwandern und sich Arbeitsplätze außerhalb der Städte suchen werden. „Mittel- bis langfristig könnte sich das Thema nach den Erfahrungen mit der COVID-19-Pandemie allerdings anders entwickeln. Es zeigt sich ja gerade, dass Homeoffice in vielen Unternehmen hervorragend funktioniert“, sagt Thorsten Schnieders, PwC Real Estate Experte am Standort München. „Das entspannt die Situation für Pendler, dadurch könnten mehr Menschen aus der Innenstadt wegziehen und möglicherweise wird das Wohnen in der Stadt dann auch günstiger.“

Jobwechsel für die Wohnung

Bisher jedoch nehmen viele Berufstätige eher gezwungenermaßen - um der schwer bezahlbaren Wohnungssituation zu entkommen - längere Anfahrtswege in Kauf. So kommt es, dass im Landkreis München etwas mehr als ein Drittel zum Arbeitsplatz pendelt. Aus den verschiedenen Landkreisen um München herum tun das sogar knapp 80 Prozent. Und das, obwohl mehr als 40 Prozent lieber näher an ihrer Arbeitsstelle wohnen würden - bezahlbarer Wohnraum vorausgesetzt. Doch was passiert, wenn sich auch im Umland keine passende Wohnung finden lässt oder der Weg zur Arbeit die durchschnittlich akzeptable Zeit von 44 Minuten überschreiten würde? Immerhin haben schon 44 Prozent darüber nachgedacht, ihren Job im Großraum München dann zu kündigen und eine Arbeitsstelle an einem anderen Ort anzunehmen. Wirklich getan haben das bisher zwar lediglich drei Prozent. Doch 88 Prozent der Befragten erwarten weiterhin steigende Mieten und bei einem beruflich bedingten Umzug spielen bezahlbare Mieten (60 Prozent) und das Angebot an freiem Wohnraum (47 Prozent) die größte Rolle.

Arbeitgeber können unterstützen

Die Verantwortung für zu wenig bezahlbare Wohnungen liegt für zwei Drittel bei der Politik, die zu spät auf das Problem reagiert hat. Zudem wurde nach Ansicht von 63 Prozent der Befragten der soziale Wohnungsbau sträflich vernachlässigt. Und 59 Prozent bemängeln, dass sich Investoren ausschließlich im Luxussegment engagieren.

Die Arbeitnehmer sehen hier auch Lösungsansätze außerhalb der Politik: Auch Arbeitgeber hätten Möglichkeiten, ihre Mitarbeiter in der prekären Wohnungssituation zu unterstützen und damit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. So wird neben dem Angebot von Betriebswohnungen (85 Prozent) und einer Beteiligung an den Mietkosten (85 Prozent) auch eine Übernahme der Fahrtkosten (76 Prozent) als geeignete Maßnahme genannt.

Mehr Homeoffice durch Corona

Auch Thorsten Schnieders empfiehlt Arbeitgebern, sich nicht allein auf die Politik zu verlassen und selbst aktiv zu werden.

„Siedlungen mit Werkswohnungen im alten Stil, wie sie beispielsweise von Siemens gebaut wurden, sind heute sicher nicht mehr zeitgemäß. Inzwischen gibt es aber auch neue attraktive Betriebswohnungsmodelle.“

Thorsten Schnieders,PwC Real Estate Experte

Und die Erfahrung der Corona-Pandemie zeige, dass in vielen Branchen flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffice-Angebote Pendler entlasten und den Unternehmen bei der Fachkräftesuche helfen können.

Über PwC:

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Corinna Freudig

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