Die Pandemie bringt kaum Entspannung auf dem Wohnungsmarkt im Rhein-Main-Gebiet

09 November, 2021

Die große Mehrheit der Berufstätigen fühlt sich in der Region wohl / Für Unzufriedenheit sorgen die hohen Mieten: Drei Viertel der 18- bis 34-Jährigen würden bei kräftiger Mieterhöhung über Jobwechsel nachdenken / Homeoffice etabliert sich – dafür braucht es neue Möbel und mehr Platz: finanzielle Unterstützung des Arbeitgebers erwünscht

Frankfurt am Main, 09. November 2021

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine attraktive Region zum Leben und Arbeiten – wenn da nicht die hohen Mieten wären. Die Situation auf dem Wohnungsmarkt droht, sich mit Blick auf den Fachkräftemangel zu einem handfesten Problem für die Arbeitgeber zu entwickeln. So würde die Mehrheit der Berufstätigen aus der Region bei einer kräftigen Mieterhöhung über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken – bei den jungen Arbeitnehmer:innen sogar knapp drei Viertel. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung unter 400 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren im Rhein-Main-Gebiet im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

92 Prozent der Berufstätigen fühlen sich im Rhein-Main-Gebiet wohl

Grundsätzlich lässt es sich im Rhein-Main-Gebiet gut leben und arbeiten: 92 Prozent der Befragten fühlen sich in der Region wohl. Sie schätzen vor allem die Einkaufsmöglichkeiten und die Verkehrsinfrastruktur. 77 Prozent – 6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr – sind sogar mit der Länge ihres Arbeitswegs zufrieden.

„Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Menschen seltener ins Büro gefahren und haben deutlich mehr aus dem Homeoffice gearbeitet, sofern ihre Tätigkeit dies zulässt. Entsprechend waren die Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel weniger überfüllt, sodass viele Berufstätige in der Region die im Durchschnitt 25-minütige Pendelzeit als weniger belastend empfunden haben.“

Michael Burkhart,Standortleiter von PwC in Frankfurt

Zufriedenheit mit Wohnungsangebot steigt leicht – auf niedrigem Niveau

Die Zufriedenheit mit Aspekten rund um das Wohnen im Rhein-Main-Gebiet ist allerdings nach wie vor niedrig, obwohl sie sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert hat: Während 2020 nur 19 Prozent der Befragten mit der Anzahl freier Wohnungen zufrieden waren, sind es in der aktuellen Umfrage immerhin 25 Prozent. Den Grund dafür sieht Michael Burkhart vor allem in einer Auswirkung der Pandemie: „Viele Studierende sind als Mieter kleiner Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet weggefallen, weil sie ihre Nebenjobs – zum Beispiel in der Gastronomie – verloren haben und wieder zu ihren Eltern ziehen mussten. Andere, Studierende und Arbeitnehmer, sind bewusst ins Umland gezogen, da sie ihre Tätigkeit auch ‚remote“ erledigen können und nicht mehr so nah am Arbeitsplatz oder der Universität wohnen müssen. Das hat den angespannten Wohnungsmarkt in der Region nicht entschärft, aber leicht entlastet“, so die Einschätzung des PwC-Experten.

Neun von zehn Befragten rechnen mit steigenden Mieten

Während sich mit Blick auf das Angebot also eine leichte Verbesserung andeutet – knapp 40 Prozent der Befragten rechnen mit einem steigenden Wohnraumangebot – ist die Kritik an den hohen Kosten für Mieten und Wohneigentum nach wie vor groß: Fast 60 Prozent der Befragten zeigen sich damit im Rhein-Main-Gebiet unzufrieden und sehen die künftige Entwicklung pessimistisch: 87 Prozent gehen davon aus, dass die Mietpreise in den kommenden fünf Jahren weiter steigen. Die Wohnraum- und Mietsituation ist aber nicht nur belastend für die Bewohner:innen, sondern hat auch Folgen für den Arbeitsmarkt: Zwar haben bislang nur wenige Menschen aus der Region ihren Job tatsächlich aufgrund zu hoher Mieten gewechselt (6 Prozent). 37 Prozent und damit deutlich mehr als im Vorjahr (30 Prozent) haben dies aber schon einmal in Betracht gezogen; bei den 18- bis 34-Jährigen ist es sogar jede:r Zweite:r.

Eine weitere Mieterhöhung könnte für viele Berufstätige das Fass zum Überlaufen bringen: Knapp 60 Prozent der Befragten geben an, dass sie bei einer kräftigen Mieterhöhung über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken würden (2020: 47 Prozent). In der Gruppe der 18- bis 34-Jährigen ist der Anteil derer, die einen Arbeitsplatzwechsel in Erwägung ziehen würden, mit 73 Prozent besonders hoch.

„Gerade die junge Generation ist flexibel, mobil – und im Zweifel schnell wieder weg. Für die Arbeitgeber sollte dieses Ergebnis alarmierend sein. Denn auf die jüngere Altersgruppe sind sie angewiesen. Um diese Talente trotz widriger Umstände in der Region zu halten, sollten sich Unternehmen etwas einfallen lassen: sich etwa an den Mietkosten beteiligen oder bei der Einrichtung des heimischen Büros finanziell unter die Arme greifen.“

Michael Burkhart,Standortleiter von PwC in Frankfurt

Befragte wünschen sich finanzielle Unterstützung fürs Homeoffice

Wie die Unterstützung konkret aussehen könnte, hängt von der Tätigkeit ab: 43 Prozent der Befragten werden auch nach der Pandemie zumindest zeitweise zu Hause arbeiten. Damit dies dauerhaft störungsfrei funktioniert, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: eine schnelle Internetverbindung, neue Möbel und mehr Platz – das sagen jeweils rund 60 Prozent der Beschäftigten, bei denen Homeoffice möglich ist. Und hier können Arbeitgeber mit großzügigen Angeboten punkten: Mehr als jede:r Zweite:r gibt an, sich nur mit finanzieller Hilfe des Arbeitgebers neue Möbel oder eine größere Wohnung leisten zu können.

Hohe Mieten vertreiben bestimmte Berufsgruppen aus den Städten

Für die Menschen, deren berufliche Tätigkeit kein Homeoffice zulässt (42 Prozent der Befragten) bleibt die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt ein großes Problem: Knapp 90 Prozent der Befragten fürchten, dass ein weiterer Anstieg der Mieten das Problem verschärfen wird und sich dringend gesuchte Fachkräfte, zum Beispiel aus der Pflege oder dem Handwerk, Arbeitsplätze außerhalb der Städte suchen werden.

„Auch hier haben es die Unternehmen in der Hand, der prekären Wohnungssituation entgegenzuwirken – etwa indem sie sich an den Miet- oder Fahrtkosten beteiligen oder Betriebswohnungen bereitstellen.“

Michael Burkhart,Standortleiter von PwC in Frankfurt

Der Umzug aufs Land als Alternative – mit Vor- und Nachteilen

Insbesondere für die Arbeitnehmer:innen, für die Homeoffice möglich ist, ergibt sich eine weitere Option, um dem angespannten Wohnungsmarkt zu entfliehen: raus aus der Stadt. Fast sechs von zehn Befragten sagen, dass sie sich einen Umzug in eine Gegend vorstellen können, in der das Wohnen nicht so teuer ist, weil sie nun seltener oder gar nicht mehr im Büro sind. Allerdings sind die Mieten im Rhein-Main-Gebiet überall hoch: Auch im Umland und den kleineren Städten der Region ist jede:r Zweite:r der Meinung, zu viel Miete zu bezahlen. Wer in die ländlichen Regionen des Rhein-Main-Gebiets zieht, muss zudem Abstriche in anderen Bereichen in Kauf nehmen: Die Zufriedenheit mit Aspekten wie Kultur- und Bildungsangeboten oder Kinderbetreuung fällt in den kleinen Städten und ländlichen Gebieten im Rhein-Main-Gebiet signifikant niedriger aus als bei den (Groß-)Stadtbewohner:innen.

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Corinna Freudig

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