Perspektivwechsel durch Pandemie: Deutsche geben ihrem Gesundheitssystem Bestnoten

10 Februar, 2021

Die Zufriedenheit mit dem deutschen Gesundheitswesen ist während der COVID-19-Pandemie um 20 Prozent gestiegen / Im Kampf gegen das Virus hat Gesundheit Vorrang vor wirtschaftlichen Erwägungen, sagen zwei Drittel der Bürger / Das Image von Krankenhäusern ebenso wie von Pharmakonzernen hat sich spürbar verbessert / Die Deutschen wünschen sich mehr Investitionen in Prävention

Düsseldorf, 10. Februar 2021

Die Stärke des deutschen Gesundheitssystems zeigt sich in der Krise. Nach knapp einem Jahr COVID-19-Pandemie haben die Bürger dessen Leistungsfähigkeit neu zu schätzen gelernt: 72 Prozent zählen es zu den drei besten der Welt. Vor einem Jahr bewerteten die Deutschen ihr Gesundheitswesen noch deutlicher skeptischer – für lediglich 52 Prozent gehörte es zu den Top-3-Systemen weltweit. Von diesem neuen Vertrauen profitieren insbesondere Krankenhäuser und Pharmakonzerne, deren Image sich während der Corona-Krise wesentlich verbessert hat. Das sind zentrale Ergebnisse des „Healthcare-Barometers 2021“, einer repräsentativen Befragung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bürgerinnen und Bürgern, die bereits zum siebten Mal veröffentlicht wird und damit einen Trendvergleich ermöglicht.

„Der sprunghafte Anstieg um 20 Prozent belegt, wie sehr die Bürger wertschätzen, dass Deutschland – im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern – bislang vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen ist.“

Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland

„Die COVID-19-Pandemie schärft den Blick auf die Stärken und Schwächen unseres Gesundheitssystems. Gerade in der Intensivmedizin ist Deutschland gut aufgestellt und erleidet bisher keine Engpässe wie zahlreiche andere Länder. Gleichzeitig werden aber auch Schwachstellen offenkundig, etwa die Folgen des enormen Fachkräftemangels in der Pflege.“

Gesundheit geht vor Wirtschaft, sagen zwei Drittel der Deutschen

Eine gute Gesundheitsversorgung ist für die Bürgerinnen und Bürger ein hoher Wert. Im Kampf gegen das Corona-Virus finden daher zwei Drittel, dass der Gesundheitsschutz Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben sollte. Dieser Wert steigt mit dem Alter: Während der Aussage 70 Prozent der über 55-Jährigen zustimmen, sind es unter den 18- bis 34-Jährigen nur 59 Prozent. „Unsere Studie zeigt eindeutig, dass Gesundheit für die meisten Deutschen oberste Priorität hat, auch wenn die Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung natürlich da und berechtigt ist“, so Michael Burkhart.

Entsprechend folgt die Mehrheit der Bürger auch der Strategie der Bundesregierung, nach der Menschen aus systemrelevanten Berufen wie medizinisches Personal und Ältere, bei denen häufiger schwere Krankheitsverläufe auftreten, vorrangig geimpft werden. Das bestätigen jeweils rund 60 Prozent der Befragten. Für Schüler und Studenten oder besonders kaufkräftige Gruppen, die die lokale Wirtschaft ankurbeln könnten, setzt sich hingegen jeweils nur eine Minderheit ein (sieben bzw. acht Prozent).

Die Skepsis ist groß, dass sich das Leben schnell wieder normalisiert

An eine Rückkehr zum normalen Alltag bis Mitte 2021 glauben lediglich vier Prozent, 26 Prozent rechnen mit einer Normalisierung zum Jahresende 2021 und 17 Prozent gehen davon aus, dass das Virus Deutschland noch bis Ende 2022 im Griff hat.

Drei Viertel der Bürger schätzen die Leistung von Krankenhäusern

Einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten Krankenhäuser. Das erkennen die Bürger an – das Image von Kliniken hat sich im Krisenjahr deutlich verbessert. Während in der Vorjahresbefragung ebenso wie in den früheren Studien etwa jeder zweite Deutsche die Versorgung in deutschen Kliniken als gut oder sehr gut bewertet, sind es aktuell nahezu drei Viertel der Befragten. „Bei der positiven Bewertung von Krankenhäusern spielt sicher auch eine Rolle, dass die mediale Berichterstattung während der Pandemie den Bürgern erstmalig einen Einblick in die Krankenhauslandschaft anderer Länder und damit einen Vergleich ermöglicht“, so Michael Burkhart.

Das Image von Pharmakonzernen hat sich deutlich verbessert

Einen ähnlichen Imagegewinn können auch Pharmakonzerne verzeichnen, deren Leistung und Innovationskraft die Studienteilnehmer neu zu schätzen gelernt haben: Der Wert derer, die Pharmaunternehmen als innovative Unternehmen mit wichtigem Beitrag zur Krankheitsbekämpfung betrachten, hat sich im Vergleich zur Vorjahresbefragung nahezu verdoppelt – von 19 auf 35 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die die Konzerne kritisch als rein auf Gewinnmaximierung ausgerichtet beurteilen, von 68 auf 52 Prozent gesunken. „In diesem Punkt zahlt sich aus, dass Deutschland international eine führende Rolle in der Impfstoffentwicklung spielt“, kommentiert Michael Burkhart. „Wir beobachten zwar in unseren Vergleichsstudien aus den Vorjahren eine kontinuierliche Image-Verbesserung, aber solche Sprünge hat es in den vergangenen sieben Jahren nicht gegeben.“

Die Bürger wünschen sich mehr Prävention statt Heilung

Mit ihrer Krankenversicherung – der gesetzlichen Krankenkasse wie der privaten Krankenversicherung – sind die Bürger unverändert auf hohem Niveau einverstanden: Ebenso wie im Vorjahr bezeichnen sich 88 Prozent der Befragten als zufrieden oder sehr zufrieden. Dieser Wert ist in allen Vergleichsstudien seit 2014 sehr stabil. Die Versicherten finden auch, dass die Kassen alle relevanten Leistungen bezahlen, wie 88 Prozent bestätigen. In einem Punkt herrscht allerdings Unzufriedenheit: Die Deutschen wünschen sich, dass der Staat mehr in die Prävention zum Schutz von Leben und Gesundheit investiert statt in die Heilung. Aus ihrer Sicht sollten 55 Prozent eines zusätzlichen Budgets in die Vorbeugung von Krankheiten und nur 45 Prozent in die Heilung fließen. „Das steht in deutlichem Missverhältnis zur aktuellen Situation, in der das meiste Geld für die Behandlung von Krankheiten ausgegeben wird. Die Deutschen haben erkannt, dass wir in der Bekämpfung von chronischen Krankheiten mit dem Fokus auf Therapie statt Vorsorge nicht mehr weiterkommen“, bilanziert Michael Burkhart. „Ich vermute, dass sich dieser Trend in den Befragungen der kommenden Jahre noch deutlicher abzeichnen wird.“

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