Uni-Digitalisierung: Von der Improvisation zur Strategie

25 Februar, 2021

PwC-Studie „Die Digitalisierung an den Universitäten steuern“/ Lehre, Forschung und Verwaltung trotz Corona-Dynamik nur teilweise digitalisiert / Neue Kooperationen könnten IT-Ressourcenmangel mildern / Dr. Florian Kaufmann, Director und Leiter des PwC­Hochschulteams: „Die Digitalisierung braucht ein strategisches, koordiniertes Vorgehen mit klarem Zeithorizont.“

Düsseldorf, 25. Februar 2021

Die großen deutschen Universitäten mit mehr als 25.000 Studierenden gehen die Digitalisierung sehr unterschiedlich an. 17 von 31 haben IT-LeiterInnen eingesetzt, deren Befugnisse sich stark unterscheiden. Andere bilden Ausschüsse aus Mitgliedern der Leitungen. Vor allem fehlt den Leitungen bisher ein leistungsbereichs- (Verwaltung, Forschung, Lehre, Transfer) oder gar hochschulübergreifender Plan, um den digitalen Wandel aus dem Krisenmodus in eine zielgerichtete Umsetzung zu überführen. Dies sind einiger der Kernergebnisse der Studie „Die Digitalisierung an den Universitäten steuern. Die Sicht der Rektorate/Präsidien der 31 größten deutschen Universitäten zur Governance der Digitalisierung“, die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) erstellt hat.

Die Untersuchung vergleicht Governance-Modelle, anhand derer die Hochschulen ihre Digitalisierung organisieren. Das vorliegende Zwischenergebnis basiert auf einem repräsentativen Vergleich der Organigramme zur Zuständigkeit für IT- und Digitalisierungsstrategien sowie auf rund 20 vertiefenden Interviews mit Mitgliedern der Hochschulleitungen. Eine Folgestudie soll schließlich Best-Practice-Lösungen für einen möglichst effektiven und effizienten digitalen Wandel finden.

Rasche Fortschritte in digitaler Lehre

„Die Corona-Krise hat eine erhebliche Dynamik in die Digitalisierung der Hochschulen gebracht – vor allem in der Lehre. Forschung und Verwaltung hingegen stehen meist noch ganz am Anfang.“

Peter Detemple,Partner und Leiter Public Management Consulting bei PwC Deutschland

Etwas mehr als die Hälfte der Hochschulen (17 von 31) hat eine Person zur oder zum Digitalisierungsbeauftragten benannt. Allerdings variieren deren Zuständigkeiten und Befugnisse mitunter stark. Andere Einrichtungen bilden Ausschüsse, die sich aus Mitgliedern der Leitungen oder Stabsstellen zusammensetzen.

In der Lehre nutzen praktisch alle Hochschulen (94,4 Prozent) Vorlesungsaufzeichnungen und soziale Medien zumindest in geringem Maße. Auch das mobile Lernen, etwa mit Videokonferenzen, ist stark verbreitet (93,5 Prozent). Diese digitalen Lehr-Lern-Formate waren insgesamt jedoch selten didaktisch optimiert. In der Forschung sehen die PwC-Experten keinen großen Digitalisierungsschub durch Corona. Viele der Hochschulen mussten zum Beispiel zunächst eine grundlegende IT-Infrastruktur für die sichere Arbeit im Homeoffice schaffen.

Auch in den Hochschulverwaltungen beginnt die Digitalisierung erst. Am weitesten vorangeschritten ist sie in Studierendenangelegenheiten: Prüfungs- und Notenbescheide erhalten Studierende an rund zwei Drittel der untersuchten Hochschulen (66,3 Prozent) digital, die Bewerbungsverfahren für Studienplätze laufen an immerhin 55,8 Prozent der Universitäten komplett digital und die Immatrikulation an 41,9 Prozent der Hochschulen. In allen anderen untersuchten Bereichen hat maximal ein Fünftel der Hochschulen die Digitalisierung konsequent umgesetzt.

Hochschulen verfolgen unterschiedliche Steuerungsphilosophien

Mit Blick auf die CIO-Funktion gehen die Hochschulen bislang unterschiedlich vor: Universitäten wie die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule und die Freie Universität Berlin zum Beispiel verfügen über eine überdurchschnittlich große Zentralverwaltung traditionellen Zuschnitts. Dagegen setzt etwa die Technische Universität München das Ressortprinzip differenziert um. Insgesamt lassen sich zwei Steuerungsphilosophien für die Digitalisierung beobachten: Das eine Konzept, etwa der Hochschulen Aachen, Karlsruhe und Leipzig, versucht, die Nutzerinteressen ausgewogen in CIO-Gremien zu integrieren. Demgegenüber schaffen andere Universitäten wie die Technische Universität München personale CIO-Stellen, um Entscheidungs- und Richtlinienkompetenzen auch organisatorisch umzusetzen.

Einzelvorhaben in Gesamtstrategie zusammenführen

Der Vergleich der bundesweit unterschiedlichen Modelle wirft die Frage auf, inwiefern es sinnvoll ist, für die CIO-Funktion auch in den Hochschulleitungen eindeutige Leitungsverantwortliche zu benennen und darunter ein „CIO-Dezernat“ zu schaffen, das strategische Verantwortung mit operativen Ressourcen verknüpft.

„In der Praxis kommt es nicht so sehr darauf an, ob es eine personale CIO-Funktion gibt oder nicht. Ausschlaggebend für gelingende Veränderungen ist eine überzeugende Führungs- und Teamarbeit.“

Dr. Florian Kaufmann,Director bei PwC Deutschland, Leiter des PwC­-Hochschulteams und Co-Autor der Studie

Für eine umfassende Digitalisierung benötigen die Hochschulen der Studie zufolge eine Strategie, die alle Einzelvorhaben zeitlich und inhaltlich zusammenführt, so Dr. Florian Kaufmann weiter. Die besondere Herausforderung liege darin, dass die großen Universitäten aus riesigen Konglomeraten mit unterschiedlichsten Teilbetrieben und Verwaltungskulturen bestehen. Und Dr. Verena Holl, Managerin bei PwC Deutschland und stellvertretende Leiterin des PwC-Hochschulteams, sagt: „Die benötigten IT-Ressourcen sind selbst hochschulintern noch weit verteilt und selten. Künftige Herausforderungen wie den Umgang mit künstlicher Intelligenz und Big Data Analytics können die Universitäten daher nur hochschulübergreifend meistern. Sie sollten daher in IT-Fragen systematischer zusammenarbeiten.“

Mit Blick auf den Digitalisierungsschub durch COVID-19 stellten die PwC-Experten fest, dass es sich bei den Reaktionen auf die Kontaktbeschränkungen nicht um neue Konzepte, sondern stärker um Improvisation handelt; etwa bei der Frage, welche (schon vor Corona vorhandenen) Tools wie eingesetzt werden. Dr. Florian Kaufmann von PwC sagt: „Die Probleme und Chancen, die COVID-19 bei der Hochschul-Digitalisierung zutage gefördert hat, sind Steuerungsherausforderungen. Jetzt sollte es darum gehen, sie anzunehmen, strategisch anzugehen und mit klarem Zeithorizont in die Praxis umzusetzen.“

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Martin Krause

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