Mit intelligentem Prüfungsvorgehen zur richtigen Portfolio-Performance

28 November, 2012

„Die Jahresabschlussprüfung steht bei Transaktionen von Finanzinvestoren schon dem Wort nach häufig erst am Ende der Betrachtung“, stellt Dr. Ulrich Störk, Leiter des Bereichs Private Equity Assurance bei PwC immer wieder fest. Zu Unrecht, findet der Experte für die Prüfung von Private Equity (PE) finanzierten Portfolio Gesellschaften. Denn die Equity Story, mit der PE-Häuser bei ihrem Exit überzeugen wollen, sollte vom ersten Tag an gemeinsam mit dem Abschlussprüfer vorbereitet sein.

Über diese und andere Besonderheiten beim Audit im Private-Equity-Bereich spricht Störk im Interview.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, heißt es bei Fußballern. Sie behaupten, die Regel gilt auch für die Private-Equity-Branche?

Störk: Finanzinvestoren würden wohl sagen: Nach dem Deal ist vor dem Deal – denn der gewinnbringende Exit, der Ausstieg aus einem Engagement bei einem Portfolio-Unternehmen nach einer gewissen Haltezeit gehört bei Finanzinvestoren zum Geschäftsmodell. Gut beraten ist, wer dieses Szenario frühzeitig gemeinsam mit dem Abschlussprüfer ausarbeitet und es dann in einem integrierten Prüfungsvorgehen über den gesamten Investitionszyklus entwickelt.

Warum plädieren Sie – bei Haltezeiten von vier bis sechs, mitunter sogar bis zu zehn Jahren – für eine so frühe Planung des Exits gemeinsam mit dem Abschlussprüfer?

Störk: Dafür sprechen zunächst einmal ganz praktische Gründe: In der Due Diligence des Finanzinvestors werden in der Regel auch eine Vielzahl prüfungsrelevanter Themen untersucht. Die intelligente Überleitung dieses Wissens in das Prüfungsteam ist ein wichtiger Baustein für eine effiziente Prüfungsdurchführung. Schon aus diesem Grund ist es oftmals sinnvoll, prüfungs- und bilanzierungserfahrene Kollegen in das Due-Diligence-Team einzubinden. Außerdem liegt die Motivation für den Einstieg eines Finanzinvestors oftmals in der zügigen Umsetzung einer Wachstumsstrategie. Dafür muss allerdings nicht nur die Finanzierung stimmen, sondern auch die Struktur im Unternehmen. Prozessspezialisten aus dem Prüfungsteam, das auch bei der Due Diligence beteiligt war, können dem Management da aufzeigen, wie Effizienzsteigerungen langfristig zu erreichen sind. Und schließlich gilt es mit Blick auf den Exit, so früh wie möglich richtig zu steuern.

In welchen Bereichen sehen Sie Steuerungsmöglichkeiten?

Störk: Bei „Börsenkandidaten“ ist ein Punkt sicherlich das Entwickeln der Equity Story – je früher im Portfolio-Unternehmen die richtigen Kennzahlen richtig entwickelt werden und danach gesteuert wird, desto überzeugender sind beim Exit die Argumente. Nicht zu verachten sind aber auch vergleichsweise alltägliche Dinge: In den gut 16 Jahren, in denen ich mittlerweile Unternehmenstransaktionen begleite, habe ich zum Beispiel oft Sätze gehört wie: „Bei den Kreditklauseln, den Covenants, hätten wir schon vor Jahren Anpassungen vornehmen müssen, dann hätten wir jetzt damit keine Probleme.“ In vielen Fällen ist festzustellen, dass die Kennzahlen und Key-Performance-Indikatoren sich anders entwickeln als geplant und nicht hinreichend genau auf die Covenants abgestimmt sind.

Warum laufen denn manche Dingen in den Portfolio-Gesellschaften nicht komplett so ab, wie sich Finanzinvestoren das wünschen?

Störk: Private-Equity-Häuser und Portfolio-Gesellschaften verbindet eine besondere Partnerschaft: Die Investoren haben klare Vorstellungen, was sie mit ihrem Investment erreichen wollen und in der Portfolio-Gesellschaft muss man sich mitunter auf diese Vorstellungen erst einlassen. Wir haben es häufig erlebt, dass wir als Abschlussprüfer mit unserem umfassenden Einblick in die Portfolio-Gesellschaft und unserem Verständnis für die Denkweise des Investors gut vermitteln und hierdurch als dauerhafter Sparringspartner für einen produktiven Ausgleich sorgen konnten.

Ist Misstrauen gegenüber Finanzinvestoren aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?

Störk: Ganz im Gegenteil – nur wenn die Portfolio-Gesellschaft gesund wächst, kann der Finanzinvestor einen lukrativen Exit realisieren. Allerdings kann der schnelle Wachstumsprozess, den Portfolio-Gesellschaften nach dem Einstieg eines Private-Equity-Hauses angehen, deren Systeme sehr schnell strapazieren. Da bewährt es sich wiederum, mit einem Abschlussprüfer zusammenzuarbeiten, der ein risiko- und prozessorientiertes Prüfungsvorgehen praktiziert.

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