Private Equity setzt auf Nachhaltigkeit

18 Juni, 2012

Private Equity-Häuser legen beim Kauf von Unternehmen verstärkt Wert auf Nachhaltigkeit. Sie achten immer mehr darauf, wie gut ihre Zielunternehmen das Umweltrecht umsetzen und ob sie soziale Standards einhalten. Hintergrund: Risiken sollen vermieden und der Wert des Unternehmens gesteigert werden. Außerdem soll der Zugang zu Kapital gesichert werden. PwC-Experten erklären, was hinter diesem Ansatz steckt.

"Im Private Equity-Geschäft haben neben der finanziellen Performance Umweltanforderungen und Sozialfaktoren an Bedeutung gewonnen", sagt Dieter W. Horst, Nachhaltigkeitsexperte bei PwC. Private Equity-Häuser profitieren vielfältig: Portfoliogesellschaften, die in Sachen Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnehmen, senken Finanz- und Reputationsrisiken und steigern längerfristig ihren Wert. Denn immer mehr Finanzinvestoren berücksichtigen auch die Nachhaltigkeits-Performance eines Unternehmens bei dessen Bewertung.

Darüber hinaus stellen Private Equity-Gesellschaften ein zunehmendes Interesse ihrer Kapitalgeber an Nachhaltigkeitsthemen fest. Das systematische Erkennen und Steuern von Chancen und Risiken im Nachhaltigkeitsbereich hilft deshalb, sich von den Mitbewerbern abzuheben und den Zugang zu Kapital zu sichern. Dies sind auch die Ergebnisse einer internationalen Studie, die PwC im März 2012 veröffentlicht hat. (Siehe Kasten "Weitere Informationen")

"Die Private Equity-Häuser haben ganz klar die Bedeutung des wichtigen Themas Nachhaltigkeit in ihrem Geschäft und ihren Portfolio-Gesellschaften erkannt. Da dieses aber nicht zu ihrer Kernkompetenz gehört, suchen die Private Equity-Verantwortlichen derzeit aktiv externe Unterstützung, um das Thema voranzutreiben", sagt Steve Roberts, Leiter des Bereichs Private Equity bei PwC.

Gesamte Wertschöpfungskette unter der Lupe

Doch auf welche Faktoren kommt es bei der Beurteilung von Nachhaltigkeit an?

"Das Spektrum ist breit und wird umrissen durch die Schlagwörter Environmental, Social und Governance (ESG). Es reicht von ökologischen Fragen, ob ein Unternehmen Umweltschutzvorschriften und Genehmigungen rechtskonform umsetzt oder seinen Ressourcen-Verbrauch noch senken kann, bis hin zum Potenzial für neue Produkte. Auch soziale Standards und andere rechtliche Vorgaben spielen eine Rolle. Dazu zählen etwa der Umgang mit Mitarbeitern und Zulieferern und der Ausschluss von Korruption"

Dr. Danielle Schmidt Nachhaltigkeitsexpertin bei PwC

Eine gute Nachhaltigkeitsleistung hat Einfluss auf das Unternehmensergebnis: "Bei energieintensiven Portfolio-Unternehmen lassen sich Kosten senken durch die Steigerung der ökologischen Effizienz. Und bei einem Textilunternehmen steigt die Reputation der Marke beträchtlich, wenn die Lieferkette Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit sicher ausschließt. Das erhöht die Loyalität der Kunden. Sie sind bereit, für solche Produkte mehr Geld auszugeben", erläutert Schmidt. Der Check auf Nachhaltigkeit sollte sich daher nicht immer nur auf das einzelne Unternehmen beschränken: Maßgeblich kann auch die gesamte Wertschöpfungskette der Produkte sein, wozu auch eine Analyse der Lieferanten zählt. Als nächster logischer Schritt sind diese Vorteile aus Unternehmenssicht in Geldeinheiten zu bewerten. Unter Verwendung einer belastbaren Bewertungsmethodik ist es möglich, den Wertbeitrag aus einer integrierten Nachhaltigkeitsstrategie und entsprechender Nachhaltigkeitsaktivitäten zu maximieren.

Neue Geschäftsideen lassen sich frühzeitig finden

Ein Nachhaltigkeits-Check ergänzt sinnvoll die herkömmliche Due Diligence, wie sie beim Kauf eines Unternehmens üblich ist. Es können beispielsweise international anerkannte Standards und Richtlinien wie die ISO-Norm 26000 oder die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen einbezogen und die Einhaltung der Grundsätze für Verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen (UN PRI) sichergestellt werden. Auch kann etwa der CO2-Fußabdruck eines Produkts ermittelt werden. Durch den breiteren Blick wird oftmals erst das vorhandene Potenzial für neue Geschäftsideen identifiziert - Stichwort Grüne Technologien. Dadurch können auch neue Absatzmärkte erschlossen und Kundengruppen gewonnen werden.

Dabei ist dieser Check keine einmalige Sache: "Eine Betrachtung von Nachhaltigkeitsaspekten über den gesamten Prozess einer Investition macht Sinn. Das fängt weit vor dem Kauf an und reicht bis zum Verkauf des Unternehmens", erklärt Horst.

Wertsteigerung durch Optimierung und Reporting

Für eine hohe Wertentwicklung dürften Private Equity-Häuser regelmäßig ein Interesse daran haben, Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Nachhaltigkeits-Performance aber erheblichem Nachhaltigkeits- und Effizienzsteigerungspotenzial zu erwerben, um dieses Potenzial dann auszuschöpfen. Durch diese Optimierung wird das Private Equity-Unternehmen selbst zum Akteur in Richtung einer nachhaltiger wirtschaftenden Zivilgesellschaft.

Die gezielte und kontinuierliche Berichterstattung über Nachhaltigkeitsaktivitäten an Stakeholder und die Öffentlichkeit kann schließlich das Image und den Wert sowohl des Portfoliounternehmens als auch des Private Equity-Hauses weiter verbessern. Dies würde sich auf die Reputation der Private Equity-Branche insgesamt positiv auswirken, die aufgrund teilweise negativer Presseberichterstattung über Leveraged Buy-Outs in der Vergangenheit angeschlagen ist.

Trend ist nicht mehr umkehrbar

"Wir entwickeln eine Nachhaltigkeitsstrategie und die notwendigen Richtlinien und Prozesse für Auswahl und Monitoring der Portfoliogesellschaften und begleiten den Investitionsprozess", erläutert Horst. Auch die Portfoliounternehmen profitieren von diesem Know-how. Sie machen ihre Produkte und Dienstleistungen durch ihre nachhaltige Ausrichtung zukunftsfähig – und sie erlangen Rechtssicherheit in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung sowie den oben erwähnten Reputationsgewinn. Die Private Equity-Obergesellschaft kann dann als Knowledge-Pool verstanden werden, über den bislang in Sachen Nachhaltigkeit weniger erfolgreiche Portfoliogesellschaften Erfahrungen von bereits gut positionierten Portfoliogesellschaften nutzen. So können sie gegebenenfalls auch Ressourcen für eigene Nachhaltigkeitsexperten sparen. Ferner kann das Private Equity-Unternehmen als externer Manager häufig Änderungen und Neuerungen besser durchsetzen als das interne Management.

Es gibt Pioniere in der Private Equity-Branche, die in diesem Bereich bereits beachtliche Ergebnisse erzielt haben. "Der Zug ist nicht mehr aufzuhalten," ist Horst überzeugt: "In Zukunft wird es Standard, die Nachhaltigkeit eines Unternehmens bei einer Investition zu berücksichtigen.

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