Interne Revision: Noch große Differenzen zwischen Soll und Haben

06 April, 2011

Mehr denn je agiert die Interne Revision im Auftrag der höchsten Unternehmensgremien: Sie arbeitet den Aufsichtsräten zu, die sich - spätestens seit das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz greift - davon überzeugen müssen, dass im Unternehmen alles "nach Vorschrift" läuft. Immer intensiver, meint PwC-Revisionsexpertin Kathrin Kersten, sind operative Prozesse zu überprüfen und die alltäglichen Abläufe zu durchleuchten. Entsprechend aufgestellt ist die Interne Revision aber längst nicht überall: "Es gibt noch große Differenzen zwischen dem Soll und dem, was die Unternehmen haben", sagt Kersten.

Die Interne Revision soll die Aufsichtsräte bei ihren Überwachungsaufgaben unterstützen. Werden die Mitarbeiter der neuen Rolle gerecht?

Kathrin Kersten: In der Tat wurde die Interne Revision durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, das BilMoG, ganz erheblich aufgewertet. Revisoren können nun mit viel breiterer Brust auftreten. Denn sie gewinnen durch die steigenden Anforderungen an die Unternehmensüberwachung durch den Aufsichtsrat für diesen erheblich an Bedeutung. Ich habe allerdings immer wieder den Eindruck, dass dieser Paradigmenwechsel noch nicht überall angekommen ist.

Wie erklären Sie sich die Zurückhaltung, die Sie ja offenbar bei vielen Mitarbeitern der Internen Revision noch antreffen?

Kersten: Die Umstellungen und Veränderungen, die zur Umsetzung des BilMoG notwendig waren, wurden in vielen Unternehmen aus dem Rechnungswesen heraus betrieben. Als wir unter den DAX100-Unternehmen nach der Umsetzung der BilMoG-Vorgaben gefragt haben, nannten nur wenige die Interne Revision als entscheidende Stelle. Den Regelbetrieb der Kontrollen, die durch das BilMoG eingeführt wurden, sah hingegen die große Mehrheit bei der Internen Revision. Ich vermute, viele Revisoren müssen sich an ihre neue Rolle erst noch gewöhnen. Schließlich muss der Regelbetrieb nach BilMoG erst seit Anfang 2010 unbedingt und in allen Punkten etabliert sein.

Wie wird die Arbeit der Internen Revision aussehen, wenn der Bewusstseinswandel erst einmal überall vollzogen ist?

Kersten: Wir gehen davon aus, dass die Revisoren viel stärker als bisher die operativen und die Compliance-Prozesse prüfen. Sie werden zum Beispiel viel intensiver als bisher zu kontrollieren haben, ob und wie ein Unternehmen sicherstellt, dass alle für die Sicherheit notwendigen Kontrollen auch regelmäßig durchgeführt werden. Und sie werden zu überprüfen haben, ob zum Beispiel das Risikomanagement-System so aufgestellt ist, dass es den externen und internen Vorgaben entspricht.

Das klingt nach einer Menge mehr Verantwortung und mehr Arbeit für die Interne Revision?

Kersten: Allerdings. Aber so hoch die Anforderungen, so niedrig ist leider die Aufmerksamkeit für das Thema. Rund die Hälfte der Verantwortlichen aus den DAX100-Unternehmen, die wir zur BilMoG-Umsetzung befragt haben, geht davon aus, dass das BilMoG keine Veränderungen in den zukünftigen Tätigkeitsschwerpunkten der Internen Revision bewirkt. Da scheint die Rolle der Internen Revision im Nachweisprozess in vielen Unternehmen noch nicht zu Ende diskutiert zu sein.

Das heißt: Trotz der hohen Anforderungen des Gesetzgebers fehlt der Internen Revision die notwendige Rückendeckung?

Kersten: Erkennbar wird das an der Personaldecke: Nur ein Zehntel der DAX100-Unternehmen, die wir befragt haben, planten zum Zeitpunkt der Befragung, das Personal ihrer Internen Revision aufzustocken. Angesichts steigender Aufgaben sind Engpässe damit fast vorprogrammiert.

Sieht der Gesetzgeber keine Konsequenzen vor, wenn Unternehmen die Vorgaben des BilMoG kaum beachten und die Interne Revision nicht wie vorgesehen in Szene setzen?

Kersten: Aufsichtsräte sind verpflichtet, ihr Unternehmen zu überwachen. Wenn es tatsächlich zu einer Krise kommt und der Aufsichtsrat hat nichts bemerkt, dann könnte auch eine Staatsanwaltschaft einmal fragen, ob die Aufsichtsräte ihren Pflichten tatsächlich gut genug nachgekommen sind. Aber auch ganz ohne Krise: Eine gute Interne Revision macht sich bezahlt, denn sie kann wertvolle Hinweise darauf liefern, wo es im Unternehmen nicht rund läuft und damit zur Krisenprävention beitragen.

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