Immobilien-Investoren: Eine Branche im Wandel

02 Mai, 2016

Prozesse, Strukturen, Technologie und Auslagerung – Die Fondsbranche ist im Wandel und wird getrieben von Regulierungsfolgen und  Internationalisierung. Die Benchmarking Studie, an der sich 23 führende europäischen Investmentgesellschaften und Versicherer mit Assets in Höhe von 230 Milliarden Euro beteiligt haben, gibt einen interessanten Überblick zum Setup europäischer Asset Manager, die fest an das Wachstum der Asset Klasse Immobilien im globalen Markt glauben und von diesem Potential profitieren wollen. Sie stellen die Weichen neu und arbeiten an besserer Vernetzung, neuen Plattformen und mehr Effizienz und Automatisierung in der Administration.

Lokale Marktführer mit globalen Ambitionen

Trotz attraktiver Wachstumschancen in Schwellenländern außerhalb Europas konzentrieren sich europäische Immobilien-Investoren vor allem auf ihre Heimatmärkte. Wie die Studie „European Real Estate Asset Manager Benchmarking Survey 2016“ zeigt, stammen 86 Prozent der Kunden und 91 Prozent des verwalteten Vermögens aus europäischen Ländern. Die Allianzen für den internationalen Markt sind im Aufbau, aber wer die Wachstumschancen nutzen will, muss die Internationalisierung entschlossen vorantreiben.

Unterschiedliche Strukturen von groß bis klein – aber immer auf der Suche Effizienz

Die Studie zeigt deutliche Unterschiede in der Struktur und Aufstellung der Asset Manager: Die Relation zwischen der Zahl der Angestellten und dem verwalteten Vermögen weicht in der Branche stark voneinander ab. Das lässt sich nur zum Teil durch unterschiedliche Geschäftsmodelle erklären, hier wirken die Regulierungsanstrengungen des KAGB noch nach. Historisch gewachsene und bereits nach Investmentgesetz regulierte Manager sind anders aufgestellt als diejenigen, die neue Lizenzen nach Kapitalanlagegesetzbuch erhalten haben. Die Branche formatiert sich neu, ein Teil steht noch am Anfang, wenn es darum geht, Prozesse zu automatisieren und zu standardisieren, der andere setzt aktiv auf Allianzen und Partnerschaften um Lösungen im Front-, Middle- und Back-Office zu realisieren. So zeigt die Studie deutlich, dass Standardsoftware und Automatisierung hauptsächlich im Back-Office eingesetzt wird. Front- und Middle-Office zeigen deutlichen Nachholbedarf, viele Anwendungen sind individuell und eher Excel-basiert. Gestiegene Kundenerwartungen im Zeitalter der Digitalisierung werden auch hier zu einer Transformation führen um den Vertrieb und Customer Relations ebenso zu modernisieren, wie Risikomanagement und Reporting.

EU – Passport noch nicht angekommen – oft mehr als eine regulierte Plattform in Betrieb

Die Teilnehmer der Studie haben oft mehr als eine Plattform im Einsatz. Während 56% der Befragten mit einer Plattform agieren, gaben 44% der Teilnehmer an, mehr als eine regulierte Plattform zu betreiben.  Die Auswertungen zeigen darüber hinaus, dass dieser Anteil der Asset Manager rd. 55% der Asset verwaltet. Als Plattformen ganz vorne genannt wurden Luxembourg, Deutschland und Frankreich mit den Aufsichtsbehörden CSSF, BaFin und AMF. Die Studie hat auch ergeben, dass bei 50% der Teilnehmer der letzte Review der Aufsichtsbehörde schon mehr als 2 Jahre zurück lag. Der hohen Anzahl neuer AIFMs muss wohl hier auch Tribut gezollt werden.

Auslagerung von Services steht erst am Anfang

Die Auslagerung der Fondsadministration ist ein aktueller Trend, aber die Studie zeigt hier insbesondere in Deutschland eine verhaltene Umsetzung, da insbesondere große Asset Manager die erwarteten Skaleneffekte selbst heben wollen. In Frankreich ist die Auslagerung deutlich weiter vorangeschritten und auch in Luxembourg werden die Externe Services stärken angenommen.  Die Nachfrage der neuen Marktteilnehmer nach professionellen administrativen Services in Deutschland steigt aber kontinuierlich, da viele andere Aufgaben mit höherer Priorität zu bewältigen sind.

Im Gespräch mit Susanne Eickermann-Riepe, PwC Industry Leader Real Estate Germany

Frau Eickermann-Riepe, der „European Real Estate Asset Manager Benchmarking Survey 2016“ zeigt, dass die Kunden führender europäischer Immobilien-Investoren weit überwiegend aus der Heimat stammen. Verschenken die Unternehmen dadurch Wachstumspotenzial?

Susanne Eickermann-Riepe: Wer die großen Chancen in den Schwellenländern Asiens und in anderen aufstrebenden Märkten nutzen will, sollte die Internationalisierung entschlossener vorantreiben – und zwar nicht nur, um neue Kunden zu gewinnen, sondern auch, um seine Portfolien zu diversifizieren. Unsere Studie zeigt jedoch, dass die Unternehmen fast 90 Prozent ihrer Mitarbeiter in Europa beschäftigen. Ohne eine starke Präsenz vor Ort ist es aber schwierig, erfolgreich in Immobilien zu investieren – zumal die Unternehmen häufig zentralisierte Geschäftsmodelle pflegen, bei denen Mitarbeiter an Außenstandorten nur überschaubare  Entscheidungsbefugnisse haben.

In Sachen Digitalisierung stehen viele große Immobilien-Investoren noch ganz am Anfang. Was ist in diesem Zusammenhang aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Eickermann-Riepe: Neben Effizienzsteigerungen durch moderne Tools und Softwareprogramme gilt es im Zeitalter der Digitalisierung vor allem, auf veränderte Kundenbedürfnisse zu reagieren. Deshalb sind nicht nur im „Back Office“, sondern auch im „Front Office“ zunehmend digitale Kompetenzen gefragt, etwa um Investmentprozesse, Reporting und Kundenbetreuung zu vereinfachen und zu verbessern.

Ein weiterer Treiber für Veränderungen ist die wachsende Nachfrage nach energieeffizienten Immobilien. Hat die Branche darauf reagiert?

Eickermann-Riepe: Eindeutig: Ja. Rund 40 Prozent der Teilnehmer unserer Studie haben inzwischen die „Principles for Responsible Investment“ unterzeichnet. Das heißt vor allem, dass sie bei der Auswahl von Immobilien auch ökologische und soziale Auswirkungen berücksichtigen und eine gute Governance pflegen. Angesichts der Tatsache, dass Verantwortliche die Nachhaltigkeit als Top-Priorität und als entscheidenden Treiber für die Wertentwicklung einstufen, ist dieser Anteil allerdings noch überraschend niedrig. Auch hier wäre aus unserer Sicht ein entschlosseneres Vorgehen ratsam, vor allem bei der Implementierung in das Tagesgeschäft.

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Susanne Eickermann-Riepe

German Real Estate Leader, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585-5909

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