Audit of the future

23 September, 2019

Die Zukunft der Wirtschaftsprüfung infolge der Digitalisierung

Die Digitalisierung macht's möglich: Unternehmen aller Branchen erheben immer mehr Daten, um heute und in Zukunft ihre Wettbewerbschancen zu erhöhen und Risiken zu minimieren. Zu den besonders relevanten und schützenswerten Daten gehören die der Finanzfunktion. Zugleich wird der Interessentenkreis für prüfungsrelevante Informationen breiter. Die Veränderungen sind derart gravierend, dass die zu prüfenden Unternehmen und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ein neues Verständnis brauchen:

  • für datenbasierte, technologische Möglichkeiten,
  • für Datenqualität und Datensicherheit,
  • für Regulierung und Vertrauen
  • sowie für den Beruf Wirtschaftsprüfer.

Trotz aller digitalen Technologien bleibt das Ziel der Wirtschaftsprüfung bestehen: allen Stakeholdern die größtmögliche Sicherheit für wertstiftende Entscheidungen bieten, indem Wirtschaftsprüfer Fehlerquellen früh erkennen und somit Fehlentscheidungen von Managern vorbeugen. In diesem Sinne müssen Wirtschaftsprüfer in Zukunft digitale Daten als Fehler-, aber auch als Vermögensquelle für ihre Mandanten in den Prüfungsfokus rücken. Zumal Investoren eine Datenqualität erwarten, die sie bislang noch kaum bekommen. Denn in der Praxis werden meist Daten analysiert, die nicht Teil der Abschlussprüfung oder zeitlich nicht synchronisiert sind.

Im Sinne individueller Interessen und zukunftsorientiert prüfen

Daher steigt zurzeit eher die Entscheidungsunsicherheit statt die Entscheidungssicherheit. Dieses Dilemma können Prüfer lösen, indem sie Mandanten in Zukunft mehr im Sinne individueller Stakeholder-Interessen und mehr vorausschauend analysieren. Das ist eine Chance für Wirtschaftsprüfer, denn die bislang übliche, lediglich allgemeine und vergangenheitsbezogene Finanzdatenprüfung genügt infolge der Digitalisierung nicht mehr.

Hinzu kommt, dass der Vermögensbegriff sich radikal ändert. Hauptgrund dafür ist der Wandel von industriell geprägten zu digitalen Geschäftsmodellen im Zuge der digitalen Transformation. Firmeneigene

  • Datenbeschaffungsmöglichkeiten,
  • Datenwertschöpfungspotenziale und
  • datenbasierte Geschäftsmodelle

lösen physische Assets wie Maschinen, Produkte und Firmengebäude nach und nach als wichtigste Vermögenswerte ab. Folglich verlieren die derzeitigen Bilanzen und deren Abschlussprüfung an Aussagewert. Allgemein akzeptierte Messmethoden für nicht-materielles (Daten-) Vermögen gibt es noch nicht. Doch die Digitalisierung wird auch hier die Entwicklung vorantreiben. 

Real-Time-Audit mit neuen Tätigkeitsschwerpunkten für Wirtschaftsprüfer

Dies würde sich ändern, wenn Wirtschafts- und Abschlussprüfungen zu bestimmten Zeitpunkten stattfänden – etwa bei Zukäufen, Abspaltungen, Börsengängen und Kapitalmaßnahmen – und auf individuelle Stakeholder-Bedürfnisse ausgerichtet wären. Dieses Szenario impliziert eine ständig mitlaufende Prüfung (Real-Time-Audit), deren Stand punktuell abgefragt wird. Neue Tätigkeitschwerpunkte von Prüfern würden dann

  • die Analyse von nicht-finanziellen Informationen,
  • komplexe Beurteilungen der Finanzfunktion für das Geschäftsmodell unter Berücksichtigung von Prognosen,
  • das Design automatischer Prüfungen und
  • das Training von Künstlicher Intelligenz.

Im Jahr 2025 wird der Wert der Wirtschaftsprüfung nicht mehr wie bisher von der Formel „Menge x Preis“ bestimmt, sondern von Technologieinvestments, Personalkosten und vor allem vom Risikoprofil der zu prüfenden Unternehmen. Ein neues Rahmenwerk für die Wirtschaftsprüfung ist deshalb nötig, dass das Vertrauen der Stakeholder verdient.

Und es braucht neugierige Menschen in der Wirtschaftsprüfung, die die Digitalisierung aller Branchen aktiv annehmen, ihre fachliche Entwicklung als Wirtschaftsprüfer mit Big Data und neuen Technologien verknüpfen und in Zukunft mit IT-Systemen genauso gern umgehen wie mit Zahlen. Denn ihr Know-how als Wirtschaftsprüfer wird auch in Zukunft weiter gebraucht.

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Prof. Dr. Rüdiger Loitz

Prof. Dr. Rüdiger Loitz

Assurance Technology & Innovation, PwC Germany

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