Reporting der Unternehmen muss die Innensicht nach außen kehren

16 September, 2010

Vermehrt müssen Unternehmen in ihrer externen Berichterstattung gegenüber dem Kapitalmarkt Informationen offenlegen, die bisher vor allem zur internen Steuerung erhoben und genutzt wurden: "Peu à peu verpflichten die Regulierer Unternehmen, interne Beurteilungsgrundlagen in der Regelpublizität offenzulegen", sagt Nicolette Behncke, Reporting-Expertin von PwC, und prophezeit: "Abschlüsse werden sich in ungekanntem Ausmaß wandeln." Denn die externe Berichterstattung soll noch besser als Entscheidungsgrundlage für Investoren, Analysten und Kreditgeber funktionieren.

"Außenstehende sollen aus der Unternehmensberichterstattung entnehmen können, was in den Köpfen des Managements vorgeht", fasst PwC-Expertin Nicolette Behncke die Intention von Regulierern und Gesetzgeber zusammen. Schließlich ist die externe Berichterstattung eine wesentliche Grundlage für die Einschätzung des Leistungsvermögens eines Unternehmens - und damit für fundierte Investitions- oder Kreditvergabeentscheidungen.

Vorteile eines integrierten Reporting

Die Integration der internen und externen Reportingprozesse ist...

  • effizient, weil Informationen einmalig erhoben und für die verschiedenen Zwecke inhaltlich kategorisiert werden
  • wertrelevant, weil nur die Informationen ermittelt werden, die für die interne Steuerung, Überwachung sowie die externe Einschätzung der Unternehmensleistung relevant sind
  • rechtssicher, weil gewährleistet ist, dass die Informationen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen
  • flexibel, weil der Prozess so gestaltet ist, dass das Unternehmen eigenständig auf Änderungen (interner oder externer Art) schnell reagieren kann

Interne Sichtweisen halten Einzug ins externe Reporting

Der Trend im Corporate Reporting geht mittlerweile deutlich zum so genannten Management Approach: Unternehmen berichten die Informationen extern, die die interne Sicht der Unternehmensleitung widerspiegeln. Es findet eine Verknüpfung der externen Informationen mit internen Steuerungselementen statt.

Als Grundprinzip ist der Management Approach schon seit 2005 im DRS (Deutscher Rechnungslegungs Standard) 15 zur Lageberichterstattung verankert. Die Lageberichterstattung soll, so der Standard, die "Sicht der Unternehmensleitung" vermitteln. Seit der Neufassung des DRS 15, die das Bundesjustizministerium (BMJ) am 18. Februar 2010 bekannt gemacht hat, sind außerdem nichtfinanzielle Leistungsindikatoren verpflichtender Bestandteil des Konzernlageberichts, wenn die Unternehmensleitung diese als Grundlage für ihre Entscheidungen beurteilt und nutzt, weil sie für die Geschäftstätigkeit und Einschätzung des Geschäftsverlaufs oder der Lage von Bedeutung sind.

IFRS-Bilanzierer müssen bereits seit Januar 2009 in ihrer Segmentberichterstattung bei der Auswahl der Geschäftssegmente sowie dem Ausweis der darzustellenden Finanzinformationen auf die Sicht der Unternehmensleitung zurückgreifen.

Dem Trend, internes und externes Reporting anzunähern, folgen auch FASB und IASB in ihrem gemeinsamen "Financial Statement Presentation Project": Wenn die Regelungen so kommen wie es das Diskussionspapier aus dem Oktober 2008 erwarten lässt, dann sind künftig Bilanz, Gesamtergebnisrechnung und Kapitalflussrechnung einheitlich und übergreifend in die Kategorien "business" (wertgenerierend) und "financing" zu gliedern. Dabei wird die Kategorie "business" nochmals in die Bereiche "operating" und "investing" unterteilt.

Vermögenswerte und Schulden sollen den Kategorien weitestgehend nach dem Management Approach zugeordnet werden. Die neue Strukturierung der Rechnungslegungsinformationen wird erhebliche Auswirkungen haben auf Ergebnisgrößen und Bilanzstruktur und damit auch auf Covenants und Steuerungsgrößen. Der finale Standard wird für 2011 erwartet.

Internes und externes Reporting gehen Hand in Hand

"Unternehmen werden künftig dauerhaft die interne mit der externen Berichterstattung verzahnen müssen, um den Änderungen in den Standards und den Anforderungen von Stakeholdern und Kapitalgebern stärker als bislang gerecht zu werden", ist Reporting-Expertin Behncke überzeugt: "Nur wer offen sagt, was sein Unternehmen leistet und in Zukunft zu leisten vermag, wirkt glaubwürdig und kann das Vertrauen der Kapital- und Kreditgeber gewinnen", fasst Behncke die Erfahrungen der PwC-Experten zusammen - auch wenn die Tendenz zum Fair-Value-Reporting es den Unternehmen schwerer macht, interne und externe Berichterstattung zu synchronisieren.

Außerdem gelinge es wenigen Unternehmen, so Behncke, quantitative und qualitative, verpflichtende und freiwillige Informationen in ihrem Reporting optimal auszutarieren und so die unterschiedlichen Zielgruppen des Corporate Reporting mit entscheidungsnützlichen Informationen zu versorgen. Ein integriertes Corporate Reporting, das parallel zum Wertschöpfungsprozess im Unternehmen läuft, kann die Berichterstattung jedoch deutlich vereinfachen: Vom Management Reporting über das Aufsichtsratsreporting bis hin zur Kommunikation mit dem Kapitalmarkt erlaubt es den Unternehmen, den gesamten Prozess der Informationserhebung, -analyse und -verteilung effizient, wertrelevant, rechtssicher und flexibel zu gestalten.

Im Gespräch mit Nicolette Behncke, PwC-Expertin für Corporate Reporting

Frage: Was spricht aus Ihrer Sicht dafür, dass Unternehmen im Corporate Reporting dem Management Approach folgen und ihre interne Sicht der Dinge nach außen deutlich machen?

Nicolette Behncke: Der Management Approach nutzt in erster Linie Analysten, Investoren und Kreditgebern. Sie können Entscheidungen des Managements und die Entwicklung des Unternehmens besser analysieren und nachvollziehen. Gut informierte Investoren und Analysten sehen so möglicherweise über kurzfristige Negativbotschaften hinweg. Außerdem ermöglicht die Berichterstattung über die Innensicht, die Leistung des Managements besser zu beurteilen.

Frage: Bedeutet es nicht zusätzlichen Aufwand für die Unternehmen, den Management Approach in ihrer externen Berichterstattung berücksichtigen zu müssen?

Behncke: Änderungen sind in der Regel mit einem gewissen Aufwand verbunden. Es kommt aber darauf an, was ein Unternehmen daraus macht und welcher Nutzen diesem Aufwand gegenübersteht. Mit den gestiegenen Erwartungen der Finanzöffentlichkeit, die auf größere Transparenz drängt, müssen die Unternehmen ohnehin umgehen. Denn zahlreiche Wettbewerbe und Rankings bewerten inzwischen die Qualität der Finanzberichterstattung. Viele Unternehmen sind damit schon jetzt transparenter als sie möchten, denn mangelnde oder fehlende Berichtselemente lassen Rückschlüsse auf Strukturen und Prozesse im Unternehmen zu. Außenstehende bilden sich dann ein eigenes Urteil darüber, ob beispielsweise eine bestimmte Kennzahl wie EVA oder ROCE nur berichtet wird, oder ob tatsächlich danach gesteuert wird.

Frage: Was sind denn die Vorteile eines integrierten Reporting?

Behncke: Abhängig von Unternehmensstruktur und -größe kann die Verknüpfung von interner und externer Berichterstattung durchaus Synergien bieten. Denn sie erspart Unternehmen die doppelte Aufbereitung der Daten und aufwändige Überleitungsrechnungen. Auch die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt wird glaubwürdiger und effizienter. Wichtig ist, dass jedes Unternehmen seine individuelle Lösung im Spannungsfeld zwischen langfristig ausgerichteter interner Steuerung und externem Trend zum Fair-Value-Reporting findet.

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Nicolette Behncke

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