NRW-Unternehmen erleiden überdurchschnittlich hohe Schäden durch Korruption

01 Juli, 2012

Einen Schaden von mehr als sieben Millionen Euro muss ein Unternehmen in Nordrhein-Westfalen im Durchschnitt verkraften, wenn es in ein Korruptionsdelikt verwickelt ist. Das zeigt die Auswertung der NRW-Daten der jüngsten PwC-Studie zur Wirtschaftskriminalität. Im bundesweiten Durchschnitt lag der Schaden durch Korruption mit 3,39 Millionen Euro pro betroffenem Unternehmen nicht einmal halb so hoch.

„Die gute Nachricht ist, dass die NRW-Unternehmen sogar ein wenig seltener von Korruption betroffen sind als der Bundesdurchschnitt“, kommentiert Lutz Granderath, verantwortlicher Partner am PwC-Standort in Essen, die Ergebnisse der landesspezifischen Auswertung. Auch der Trend weise für Nordrhein-Westfalen in die richtige Richtung, findet Granderath. Denn die Quote der Korruptionsdelikte bei Großunternehmen hat in NRW von 14 Prozent im Jahr 2007 auf 10 Prozent im Jahr 2011 abgenommen. Im Bundesdurchschnitt liegt sie unverändert bei 12 Prozent.

„Die schlechte Nachricht ist allerdings: Wenn ein Fall von Korruption auftritt, ist der Schaden im Schnitt in NRW deutlich höher als in anderen Teilen der Bundesrepublik“

warnt Steffen Salvenmoser, ehemaliger Staatsanwalt und PwC-Spezialist für Wirtschaftskriminalität

Zusätzlich zu den direkten Schäden durch Korruption und andere Arten von Wirtschaftskriminalität müsse man die indirekten Schäden betrachten, mahnt PwC-Fachmann Salvenmoser. Denn jeder Fall von Wirtschaftskriminalität entfaltet erhebliche Wirkung über den Einzelfall hinaus. Im Einzelnen beklagten die Unternehmen in NRW, die Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden waren, bei der PwC-Umfrage mittlere bis gravierende Schäden durch

  • Zeitaufwand für das Management der Fälle (90 Prozent)
  • Finanzielle und Zeitaufwendungen für den Rechtsstreit (69 Prozent)
  • Beeinträchtigung der Geschäftsbeziehungen (49 Prozent)
  • Reputationsverlust (38 Prozent)

Immer stärker setzen sich – im Bundesdurchschnitt und in NRW – daher Programme zur Korruptionsbekämpfung durch. Ein solches Anti-Korruptionsprogramm konnten bei der Umfrage, die PwC gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg durchgeführt hat, im Jahr 2011 immerhin 59 Prozent der deutschen Unternehmen vorweisen; in NRW lag die Quote mit 58 Prozent nur minimal niedriger. Vier Jahre zuvor hatte bundesweit gerade einmal jedes fünfte Großunternehmen ein Anti-Korruptionsprogramm.

Contact us

Lutz Granderath

Partner

Tel.: +49 201 438-1520

Follow us