Wenn der Geschäftspartner zum Compliance-Risiko wird

16 September, 2010

Lässt sich ein Mitarbeiter bestechen, ist der Fall klar: Ein Wirtschaftsdelikt, das gravierende Folgen haben kann. Dass Unternehmen aber auch für das rechtswidrige Verhalten ihrer Geschäftspartner haften, sieht das Gesetz genauso vor. Eine PwC-Studie zeigt, dass viele deutsche Firmen ihre Geschäftspartner nicht in ihre Programme zur Prävention von Wirtschaftskriminalität einbeziehen. Ein Versäumnis, das hohe Risiken birgt. Erst der Aufbau eines ganzheitlichen Geschäftspartner Compliance Managements verschafft Transparenz und minimiert das Risiko.

Unternehmen und auch einzelne Mitarbeiter können für Korruptionshandlungen und andere Wirtschaftsdelikte ihrer Geschäftspartner verantwortlich gemacht werden. So sehen es die gesetzlichen Bestimmungen, vom Handelsgesetzbuch über das Aktien- und Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz bis hin zum Sarbanes-Oxley-Act vor: Das anwendbare Recht macht Unternehmen auch für das rechtswidrige Verhalten ihrer Geschäfts- und Vertragspartner haftbar.

Ein fiktives Beispiel aus der Baubranche verdeutlicht das Problem: Die Vertriebsabteilung eines Bauunternehmens engagiert einen externen Berater, der bei einer öffentlichen Ausschreibung unterstützen soll. Der Berater erhält eine Kommission, die von der Höhe des Auftrags abhängt. Dieser finanzielle Anreiz verleitet ihn dazu, einem Beamten der ausschreibenden Behörde geldwerte Vorteile anzubieten. Der Beamte nimmt das Geld und nutzt seinen Einfluss für die erwünschte Auftragsvergabe. Das Beispiel zeigt: Auch wenn die Baufirma hier selbst nicht rechtswidrig gehandelt hat, fällt das Verhalten des Geschäftspartners auf sie zurück und es drohen finanzielle und strafrechtliche Folgen sowie ein empfindlicher Reputationsverlust.

Geschäftspartner bleiben bei Compliance-Programmen häufig außen vor

Auf dieses Haftungsrisiko sind viele Unternehmen schlecht vorbereitet. Die Studie "Compliance und Unternehmenskultur", für die PwC über 500 Unternehmen befragt hat, offenbart die Defizite deutscher Firmen in puncto Compliance.

Die Umfrage zeigt, dass sich Compliance-Programme bei der großen Mehrzahl der Unternehmen hauptsächlich an Führungskräfte und Mitarbeiter richten. Nur knapp jedes zweite Unternehmen bezieht seine Lieferanten und Subunternehmer in das Regelwerk ein. Andere Parteien, sogenannte Third Parties, werden sogar nur in etwa 40 Prozent der Compliance-Programme berücksichtigt. Dabei sind Externe bei etwa der Hälfte der Wirtschaftsdelikte zumindest beteiligt.


Sorglosigkeit im Umgang mit Geschäftspartnern ist gefährlich

„Die Gefahren, die von Geschäftspartnern wie Lieferanten, Großhändlern, Beratern oder Handelsvertretern ausgehen können, sind groß: Rechtswidriges Verhalten der Partner kann zu finanziellen Verlusten durch Geldstrafen, Bußgelder und Schadensersatzzahlungen führen“, warnt Robert Paffen, Director und Compliance-Experte bei PwC. Noch schwerer wiege der drohende Ausschluss von öffentlichen Aufträgen oder der Abbruch von Geschäftsbeziehungen. Letztlich setzen Unternehmen ihr Image und ihre Reputation aufs Spiel, so Paffen, wenn sie ihre Partner nicht sorgfältig auswählen und managen.

Firmen sollten deshalb die Risiken, die von Geschäftspartnern ausgehen können, nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern vielmehr einen ganzheitliches Programm zum Geschäftspartner Compliance Management (Business Partner Compliance Management) aufsetzen.

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Dr. Robert Paffen

Risk Consulting Leader PwC Europe

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Daniel Mielke

Senior Manager Risk Consulting

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