So können Technologiekonzerne im Mobile-Payment-Markt punkten

22 Januar, 2019

Eine Einschätzung von Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC

Schon jeder vierte Deutsche hat bereits sein Smartphone oder Tablet gezückt, um Einkäufe mobil zu bezahlen. Dafür nutzen die Verbraucher vor allem die mobilen Bezahlverfahren der Banken und klassischen Zahlungsanbieter wie PayPal. 

Wie stehen die Chancen für Technologiekonzerne, in den wachsenden Mobile-Payment-Markt einzusteigen und am Erfolg teilzuhaben? Wie können die Tech-Anbieter gegenüber Banken punkten? 

Eine PwC-Studie zeigt, dass die Bezahlung per Smartphone auch in Deutschland immer beliebter wird. Welchen Anbietern vertrauen die Verbraucher dabei?

Werner Ballhaus: Die Hausbank genießt bei den deutschen Verbrauchern aktuell noch einen großen Vertrauensvorschuss. Das gilt vor allem bei den älteren Zielgruppen. Zahlreiche große Technologiekonzerne bieten zwar bereits alternative Zahlungsmethoden an oder steigen derzeit in den deutschen Mobile-Payment-Markt ein. Aber nur eine Minderheit der Deutschen ist bislang bereit, die Zahlungsdienstleistungen dieser Anbieter zu nutzen. 

Woran liegt das?

Ballhaus: Erschüttert durch zahlreiche Datenskandale haben viele Menschen einfach große Bedenken, ob ihre Daten bei Facebook, Google & Co. sicher sind. Sie schenken den großen Tech-Anbietern deutlich weniger Vertrauen als ihrer Bank, wenn es um sensible Dienstleistungen wie das Bezahlen geht. Gut die Hälfte der Deutschen würden eine alternative Zahlungsdienstleistung vom etablierten Zahlungsanbieter PayPal oder von ihrer Bank bzw. Sparkasse in Anspruch nehmen. Für die großen Tech-Firmen liegen diese Vertrauenswerte deutlich niedriger. 

Einen Bezahldienst von Amazon würde nur knapp ein Viertel der Deutschen nutzen; ein entsprechendes Angebot von Google nur 11 Prozent. Bei Apple und Facebook liegen diese Werte sogar noch tiefer (7 bzw. 4 Prozent).

Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund die Chancen für Tech-Unternehmen, am immer größer werdenden Erfolg von Mobile-Payment teilzuhaben?

Ballhaus: Gar nicht schlecht. Denn die Befragung zeigt auch, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen die großen Technologiekonzerne wie Paypal, Amazon, Google, Apple und Facebook kennt – und deren Produkte durchaus schätzt. Die Namen sind also allgemein bekannt, die Angebote werden als innovativ wahrgenommen. Und Verbraucher finden es gut, dass sich die Produkte der großen Tech-Anbieter unkompliziert einsetzen lassen. Knapp jeder Zweite würde es folglich begrüßen, wenn Tech-Unternehmen auch Zahlungsmethoden anbieten und damit einen unkomplizierten und schnellen Zahlungsverkehr ermöglichen.

Was raten Sie Tech-Anbietern, die über einen Einstieg in den Mobile-Payment-Markt nachdenken?

Ballhaus: Der kritische Erfolgsfaktor für mobile Bezahlverfahren ist die Sicherheit. Verbraucher werden Angebote nur dann nutzen, wenn sie darauf vertrauen können, dass diese absolut sicher sind. Dazu gehört beispielsweise auch die Möglichkeit, die hinterlegten Bezahldienste beim Verlust des Handys schnell sperren zu können. Diese Voraussetzungen sind das absolute Pflichtprogramm, bevor es zur Kür geht, bei der die Tech-Konzerne ihre Stärken voll entfalten können. 

Mit welchen Stärken können Tech-Unternehmen aus Ihrer Sicht punkten?

Ballhaus: Gerade bei jungen Verbrauchern spielen neben der Sicherheit auch weitere Faktoren eine Rolle, etwa die Nutzerfreundlichkeit. Viele empfinden die Zahlungsmittel der Banken als zu langsam und kompliziert – und schätzen die nutzerfreundlichen Apps der Technologieunternehmen. Besonders die Jungen wünschen sich beim mobilen Bezahlen auch Zusatzleistungen wie Coupons, Rabatte und Gutscheine. Das sind Bereiche, in denen die Technologiekonzerne ihre Erfahrungen und Stärken wie Innovationskraft und Nutzerzentrierung voll ausspielen können.

Der PwC-Experte zum Thema

Werner Ballhaus ist Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) bei PwC Deutschland. Seit mehr als 20 Jahren unterstützt er TMT-Unternehmen gemeinsam mit seinem Team bei der Transformation ihrer Geschäftsmodelle. Darüber hinaus wenden sich seine Kunden bei Fusionen und Übernahmen sowie bei anderen transaktionsorientierten Geschäften an ihn.

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Werner Ballhaus

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