Bedingungen für die Anwendung der Tonnage-Steuer

11 Oktober, 2010

Deutsche Frachtschiffe haben die Möglichkeit, statt der üblichen Gewinnermittlung das Tonnage-Steuersystem zu nutzen. Ihr Gewinn richtet sich dann nach ihrem Frachtvolumen (Tonnage), für das ein fixer Gewinn angenommen wird. Dieser liegt in der Regel unter dem herkömmlich errechneten Gewinn. Verluste sind im Gegenzug nicht möglich.

Seit 1999 können Handelsschiffe im internationalen Seeverkehr nach dem so genannten Tonnage-System versteuert werden. Anstelle des tatsächlichen Gewinns wird ein pauschaler Gewinn angenommen, der sich nach der Höhe der Tonnage (Nettoraumzahl) richtet. Dieser nach der Größe des Schiffes ermittelte Gewinn ist dann der Einkommensteuer unterworfen. Er fällt aber in der Regel wesentlich geringer aus als der Gewinn nach herkömmlicher Ermittlung. Diese Art der Gewinnermittlung ist aber weiterhin möglich.

Drei Voraussetzungen für die Tonnage-Besteuerung

1. Internationale Handelsschifffahrt

  • Bei dem Frachter muss es sich um ein Handelsschiff handeln, das in internationalen Gewässern operiert. Das ist dann der Fall, wenn das Schiff in einem deutschen Schiffsregister eingetragen ist und mindestens die Hälfte der Betriebszeit in internationalen Gewässern verbringt oder internationale Häfen anfährt. Auch Charterfahrten können eine Grundlage für die Tonnagebesteuerung sein.
  • Gecharterte Schiffe, die nicht in Deutschland registriert sind, können unter bestimmten Umständen ebenfalls für die Tonnage-Besteuerung in Frage kommen: Wenn mindestens ein anderes Schiff des gleichen Besitzers in Deutschland gemeldet ist und dessen Netto-Tonnage nicht weniger als ein Drittel der Gesamt-Tonnage aller Schiffe des gleichen Besitzers ausmacht. Eine deutsche Beflaggung ist nicht notwendig.

2. Die Geschäftsführung der Reederei muss ihren Sitz in Deutschland haben

  • Die Geschäftsführung der Reederei muss vollständig in Deutschland ansässig sein. Die Schiffsgesellschaft muss aus Deutschland heraus die wesentlichen kaufmännischen und technischen Entscheidungen treffen, also Vertragsabschlüsse, Besatzungssuche von Kapitän und Offizieren, Befrachtung, technische Wartung, Versorgung, Versicherungen und Buchführung. Es können bestimmte Aktivitäten an Subunternehmen abgegeben werden. Diese jedoch müssen nachweisen können, dass sie ihre Dienste in Deutschland abwickeln.
  • Aus Steuersicht kann die komplette Crew aus dem Ausland angeheuert werden und ausländischer Nationalität sein.
  • Die Delegation von Managementaktivitäten auf Auslandsgesellschaften ist sehr problematisch. In jedem Falle sollten jedoch die Grundsatzentscheidungen nach wie vor in Deutschland gefällt werden.

3. Zehnjährige Bindung nach Beantragung der Besteuerung nach Tonnage-System

  • Eine Besteuerung nach Tonnage-System ist optional. Wird sie gewählt, ist diese Entscheidung für zehn Jahre bindend. Nach neuem Recht vom 1. Januar 2006 muss die Wahl für die Pauschalbesteuerung im Jahr des Schiffsbaues beziehungsweise des Schiffskaufes fallen. Die alte Möglichkeit, zunächst einige Jahre im Rahmen der herkömmlichen Gewinnermittlung Verluste zu generieren und dann in die Pauschalierung zu wechseln, entfällt.

Steuerliche Vorteile des Tonnage-Steuersystems

  • Die pauschale Besteuerung geht in der Regel von einem niedrigeren Gewinn aus als der, den große Frachter in der Regel einfahren.
  • Je nach Schiffsgröße gelten die Regelsätze:
    • 92 Cent bis 1.000 Nettotonnen
    • 69 Cent von 1.000 bis 10.000 Nettotonnen
    • 46 Cent von 10.000 bis 25.000 Nettotonnen
    • 23 Cent über 25.000 Nettotonnen
  • Neben den niedrigen Sätzen hat der Eigner auch den Vorteil der Kalkulationssicherheit. Er kann weit im Voraus planen und seinen zu versteuernden Gewinn auf sehr einfache Art errechnen.

Vorteile für international tätige Reedereien:

  • Das Tonnage-Steuersystem ist auch für Organschaften/Steuergruppen anwendbar. Die Voraussetzungen müssen von demjenigen Rechtsträger (zum Beispiel Tochtergesellschaft in Deutschland) erfüllt werden, der das Tonnage-Steuersystem nutzen möchte. Nach deutschem Steuerrecht können Gewinne und Verluste innerhalb des Konzerns zwischen Töchtern und Muttergesellschaft verrechnet werden.
  • Sollte das Management an einen in Deutschland ansässigen Dritten delegiert werden, so ist dessen Managementgebühr steuerfrei, solange das Schiff der Tonnage-Besteuerung unterliegt und der Manager Anteilseigner (keine Mindestbeteiligungsquote) des Schiffes ist. Es wird steuersystematisch davon ausgegangen, dass die Managementgebühr bereits im angenommenen Gewinn verrechnet ist. Daher kann es für ausländische Charterer interessant sein, deutsche Gesellschaften zu gründen oder sich an entsprechenden deutschen Unternehmen zu beteiligen.

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Marcus Blömer

Marcus Blömer

Partner Tax, Rechtsanwalt

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