„Digitalisierung – wir erleben eine Transformation der zwei Geschwindigkeiten“

25 Juli, 2017

Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber für Veränderungen in der maritimen Wirtschaft. Wie die aktuelle PwC Reederstudie zeigt, variiert die Geschwindigkeit der digitalen Transformation jedoch stark innerhalb der Branche. PwC Experte Claus Brandt spricht über die digitale Entwicklung im maritimen Sektor.

Herr Brandt, die große Mehrheit der Reeder sieht die Digitalisierung als wesentlichen Treiber für Veränderungen in der Branche – dennoch spielen digitale Geschäftsmodelle in den strategischen Planungen vieler Unternehmen noch eine Nebenrolle. Wie erklären Sie sich das?

Claus Brandt: Unsere Studie zeigt, dass die deutschen Reeder unterschiedliche Digitalisierungskurse fahren. Die Branche teilt sich in zwei ziemlich gleich große Gruppen: Auf der einen Seite stehen die Reeder, die sich bereits in den vergangenen Jahren mit der Digitalisierung auseinander gesetzt haben und sich auch gut vorbereitet sehen. Das sind vor allem die Großen der Branche. Kleinere Unternehmen sind weniger gut bis gar nicht gerüstet. Gerade diese Unternehmen scheinen die Bedeutung der Digitalisierung häufig zu unterschätzen und gehen davon aus, dass eigentlich alles so bleiben wird, wie es ist. Wir erleben eine Transformation der zwei Geschwindigkeiten.

Welche Veränderungen kommen denn konkret auf die maritime Wirtschaft zu, und wie sollten sich Reeder auf die neue Großwetterlage einstellen?

Brandt: Die Digitalisierung lässt die Reeder näher an den Endkunden rücken. Beispielsweise wird eine Firma, die Waren von Köln nach Schanghai liefern will, schon bald auf Online-Portalen die Transportkosten vergleichen und passende Logistikdienstleistungen buchen können. Bemerkenswert dabei ist, dass vier von fünf der Befragten in unserer Studie die Containerbestellung per Mausklick zwar für eine sehr reale Zukunftsvision halten – aber nur eine Minderheit sich vorstellen kann, ein derartiges Online-Portal selbst aufzubauen. An Punkten wie diesen wird deutlich, dass viele in der Branche die Chancen der Digitalisierung sehen, aber noch nicht für sich nutzen.

Könnte das nicht auch daran liegen, dass vielen Reedern in der anhaltend schwierigen Wirtschaftslage die notwendigen Mittel für Investitionen in die Digitalisierung fehlen?

Brandt: Natürlich spielt Geld eine Rolle und es steht außer Frage, dass die unsichere Situation der letzten Jahre bei vielen Schifffahrtsunternehmen zu einem Investitionsrückstand im digitalen Bereich geführt hat. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass sich auch kleinere Reeder die notwendigen Investitionen leisten können, wenn sie mit anderen Unternehmen kooperieren und Plattformen bilden.

Die maritime Wirtschaft hat ein Krisenjahrzehnt hinter sich. Wann zieht das Konjunkturtief endlich ab?

Brandt: Nach schwierigen Jahren sehen die befragten Reeder einen Silberstreif am Horizont. Immerhin sieben von zehn Befragten erwarten mittelfristig eine weltweit steigende Transportnachfrage. Für die kommenden zwölf Monate rechnet eine Mehrheit mit wachsenden Erlösen. Auf der anderen Seite ist diese Prognose natürlich mit einer Reihe von Unsicherheiten behaftet. An erster Stelle stehen politische Risiken: Sollten sich die USA tatsächlich vom Freihandel abwenden, könnte dies eine Kettenreaktion auslösen, die gravierende Folgen für den globalen Warentransport hätte. Aber auch ein verlangsamtes Wachstum in China könnte Wachstumshoffnungen schnell dämpfen.

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