M&A im Aufschwung: mehr Logistikdeals im 1. Halbjahr 2019

PwC-Analyse zu den weltweiten Transaktionen im Transport- und Logistiksektor im ersten Halbjahr 2019.

Die Talsohle der Transport- und Logistikdeals ist durchschritten

Mit 123 Mergers & Acquisitions im ersten Halbjahr 2019 erholt sich die Transport- und Logistikbranche vom schwachen zweiten Halbjahr 2018, in dem nur 100 Deals bekannt gegeben wurden.

Auch der Gesamtwert der Transaktionen hat sich im Vergleich zum 2. Halbjahr 2018 von 41,6 auf 63,4 Milliarden US-Dollar deutlich verbessert und erreicht den Durchschnittswert der letzten fünf Jahre.

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Mega-Deal von Blackstone dominiert

Einen Löwenanteil zum Volumen trägt der Mega-Deal (Volumen >1 Mrd. US-Dollar) von Blackstone bei: Der US-Investor übernimmt für 18,7 Milliarden US-Dollar ein Immobilienportfolio mit dem Schwerpunkt „Urban Warehousing“. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr zwölf Mega-Deals angekündigt. Davon lagen sechs Ziele in Nordamerika, drei in Europa, nur eines in China beziehungsweise Hong Kong – und ganze fünf im Infrastrukturbereich. Die Käufer konzentrieren sich weiterhin auf wenige hochpreisige Objekte vor allem bei Infrastruktur-, Bahn- und Hafengesellschaften. In anderen Subsektoren sinken die Preise auf das Niveau von 2010; der Umsatzmultiplikator liegt bei nur noch 1,1.

Während das Transaktionsgeschehen in China regelrecht einbricht und Europa weiterhin eine Flaute erlebt, bleiben die USA stabil und Südamerika ist überraschend aktiv bei Übernahmen und Fusionen von Unternehmen. Zu diesen Ergebnissen kommt die halbjährliche PwC-Analyse der weltweiten M&A-Aktivitäten in der Transport- und Logistikbranche.

„Das Transaktionsgeschehen im Transport- und Logistiksektor konnte sich in der ersten Jahreshälfte 2019 erholen – und das trotz zahlreicher Unsicherheiten: Der Handelskonflikt zwischen China und den USA, Spannungen in Bezug auf den Iran und die Türkei, der nahende Brexit und auch steigende Zölle konnten die Aktivitäten nicht bremsen. Die hohe Deal-Aktivität in der Transport- und Logistikbranche im Vergleich zu anderen Industrien ist zum einen dadurch bedingt, dass die Branche in Zeiten des Onlinehandels an strategischer Bedeutung gewinnt. Zum anderen wappnen sich Investoren durch Käufe von Infrastruktur-Assets mit stabilen, wenn auch moderaten Renditen für unsichere Zeiten.“

Ingo Bauer, Leiter des Bereichs Transport & Logistik bei PwC Deutschland

Hafenterminals bleiben attraktive Ziele

Drei der zwölf angekündigten Mega-Deals des ersten Halbjahres betrafen die Schifffahrt beziehungsweise Hafeninfrastruktur, denn letztere bleiben aufgrund ihrer Größe und der Stabilität der Anlageerträge auch in unsicheren Zeiten überaus attraktive Vermögenswerte für Infrastrukturfonds, Finanzinvestoren und andere institutionelle Anleger. Der australische Infrastrukturinvestor Macquarie war gleich an zwei Mega-Deals beteiligt, die repräsentativ für die Trends der Branche stehen: Er verkaufte sein Containerterminal DCT Gdansk in Polen für 1,32 Milliarden US-Dollar – und verlagerte seine Hafenaktivitäten strategisch in die USA, indem er dort den Long Beach Container Terminal (LBCT) für 1,78 Milliarden US-Dollar erwarb.

E-Commerce treibt Logistik und Trucking

Gemessen an der Anzahl der Transaktionen war der Bereich „Logistik und Trucking“ mit einem Anteil von 37 Prozent erneut Sektor-Primus. Haupttreiber bleiben die hohen Anforderungen des E-Commerce an die Logistik, die zu Konsolidierungen und grenzüberschreitenden Maßnahmen führen. Neben dem besonders teuren Blackstone-Deal sorgen auch die Übernahmegespräche des Logistik-Dienstleisters DSV für Aufsehen, der die Schweizer Panalpina für 4,66 Milliarden US-Dollar kaufen möchte. Dieser Konsolidierungs-Deal wäre einer der bedeutendsten in der Historie des europäischen Logistik-und Truckingbereichs und könnte als Katalysator für die Aktivitäten im nächsten Halbjahr wirken.

Deal-Geschehen in Europa auf Pause, Einbruch in China, USA stabil

Die fortlaufenden Unsicherheiten über den bevorstehenden Brexit tragen dazu bei, dass in Europa besonders wenige (23) Mergers & Acquisitions stattfinden. Nur zwei Deals hatten Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich im Visier, britische Investoren waren an fünf europäischen Transaktionen beteiligt. Allerdings bleibt das Deal-Volumen mit 54 Milliarden US-Dollar – vor allem getrieben durch drei Mega-Deals – relativ hoch.

Vor allem in China sind sowohl die Anzahl der Deals als auch das Volumen im ersten Halbjahr 2019 eingebrochen. Der Anteil chinesischer Fusionen und Übernahmen am internationalen Geschehen ist von 40 Prozent im zweiten Halbjahr 2018 auf nun 26 Prozent gesunken. Der staatlich verordnete Schuldenabbau und die in diesem Zusammenhang zunehmende regulatorische Kontrolle haben die Mittelbeschaffung für Private Equity und Risikokapital schwieriger gemacht, was zu Finanzierungsengpässen bei chinesischen Unternehmen führt. Die Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft könnte dazu führen, dass das Transaktionsgeschehen in China mittelfristig wieder anzieht. Entscheidend ist jedoch, wie sich der Handelskonflikt mit den USA weiterentwickelt.

Im Gegensatz zu China können sich die Vereinigten Staaten trotz Handelsstreitigkeiten und gemischter Signale aus dem eigenen Logistikmarkt sowie extrem gestiegenen Logistikkosten auf einem soliden Level von 24 Deals halten; das sind vier Deals mehr als im letzten Halbjahr.

Vorsichtiger Optimismus für das zweite Halbjahr

Betrachtet man die Wiederbelebung der Deal-Aktivitäten im ersten Halbjahr, so ist es wahrscheinlich, dass das Gesamtjahr 2019 die Talsohle von 2018 überschreiten wird. Das Rekordjahr 2017 dürfte dabei allerdings unerreicht bleiben. Für das kommende Halbjahr sind weitere Infrastrukturdeals in Südamerika zu erwarten, denn in den ersten sechs Monaten wurden bereits zehn Übernahmen angekündigt – so viele wie im gesamten Vorjahr. Attraktiv bleiben neben Infrastrukturzielen zudem Targets mit Bezug zum Onlinehandel wie Lagerhäuser oder Kurier-, Express- und Paketdienste.

„Wie lange die M&A-Aktivitäten Fahrt behalten, hängt davon ab, wie sich die politischen Rahmenbedingungen entwickeln: Wenn sich auch in der zweiten Jahreshälfte 2019 keine Lösungen für Handelskonflikte und politische Unsicherheiten abzeichnen, könnten die Käufer wieder risikoscheuer werden, was die M&A-Aktivitäten negativ beeinflussen würde.“

Ingo Bauer, Leiter des Bereichs Transport & Logistik bei PwC Deutschland

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