Future Health 2018 – Telemedizin auf dem Vormarsch

Bevölkerungsumfrage zur Digitalisierung und Technologisierung im Gesundheitswesen.

Sprechstunde im Wohnzimmer: digitale Lösungen als Ergänzung der medizinischen Versorgung

Patienten in Deutschland können sich das Gespräch mit dem Arzt per Video-Sprechstunde, Online-Chat oder Telefon gut vorstellen. Sie sehen solche telemedizinischen Lösungen als Ergänzung der Versorgung – auf den persönlichen Kontakt mit dem Arzt möchten sie nicht ganz verzichten.

PwC hat in einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage 1.000 Bundesbürger befragt, wie sie den Stand der Digitalisierung unseres Gesundheitssystems einschätzen, wie sie zur Telemedizin stehen und welche Online-Angebote sie selbst nutzen. Die PwC-Studie „Future Health 2018“ zeigt, dass Versicherte neuen Technologien aufgeschlossen gegenüberstehen und sich davon Verbesserungen erhoffen, insbesondere in den Bereichen Diagnose und Kommunikation. 

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Future Health 2018 – die wichtigsten Fakten

1. Telemedizin: Zwiespältige Gefühle gegenüber Doktor Roboter

Der Deutsche Ärztetag hat im Mai 2018 eine Grundsatzentscheidung gefällt und das
Fernbehandlungsverbot gelockert. Ärzte dürfen jetzt in Einzelfällen Video- oder Online-Sprechstunden durchführen, auch wenn sie zuvor keinen persönlichen Erstkontakt mit dem Patienten hatten. Ein Teil der Bevölkerung, nämlich 43 Prozent, begrüßt eine Lockerung des Fernbehandlungsverbotes, während sich 74 Prozent mehr Beratungsangebote im Internet wünschen.

Die Studienteilnehmer sehen durchaus das Potenzial beim Einsatz von Robotern oder Computern im Gespräch mit ihrem Arzt – etwa die Entlastung der Praxen und die Zeitersparnis. Sie fürchten aber gleichzeitig, dass durch neue Technologien die Gefahr technischer Fehler oder von Fehldiagnosen steigt. Auch das Thema Datensicherheit beunruhigt die Versicherten.

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2. Der menschliche Faktor: Der Arzt bleibt ein wichtiger Ansprechpartner

Für viele Patienten ist es aber auch in Zeiten der Digitalisierung wichtig, den persönlichen Kontakt zu ihrem Arzt zu pflegen. So halten es 42 Prozent trotz der Lockerung des Fernbehandlungsverbots für zentral, dass es vor einer Fernbehandlung via Telefon oder Computer wenigstens einen persönlichen Austausch zwischen Arzt und Patient gab.

Gerade im Falle schwerer Erkrankungen wollen die befragten Bürger keinesfalls auf den direkten Draht zu ihrem Arzt verzichten, wie 94 Prozent bestätigen. 86 Prozent sind davon überzeugt, dass der Arzt sich ein persönliches Bild machen und sich nicht allein auf Schilderungen seines Patienten verlassen sollte. Frauen legen besonders großen Wert auf eine persönliche Beziehung zum Arzt.

Auf den Einsatz moderner Kommunikationsmittel verzichten wollen die Bürger jedoch nicht, das geben 72 Prozent der Befragten an. Dass Patientengespräche in zehn Jahren nur noch über digitale Kanäle geführt werden, glaubt allerdings lediglich eine Minderheit (45 Prozent).

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3. Gesundheitsinformation: Beratung unter Laien gewinnt an Bedeutung

Auch wenn der Arzt ein wichtiger Ansprechpartner in puncto Gesundheit ist: die Information durch Online-Medien spielt eine immer größere Rolle. Insbesondere die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen sucht bei leichten Erkrankungen bevorzugt nach Gesundheitsinformationen im Internet, wie 40 Prozent bestätigen. Insgesamt – über alle Altersgruppen hinweg – liegt der Anteil der Online-Recherche bei 26 Prozent. Am häufigsten suchen Patienten in Deutschland Rat bei Gesundheitsportalen (24 Prozent: „sehr häufig“, 48 Prozent: „manchmal“) und den Internetseiten von Gesundheitsmagazinen (16 bzw. 52 Prozent).

Auch die Beratung unter Laien durch Online-Foren gewinnt an Bedeutung und wird an dritter Stelle genannt (19 bzw. 36 Prozent). Weniger wichtig sind den Bürgern Internetseiten von Krankenkassen oder Organisationen aus dem Gesundheitsbereich.

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„Ich recherchiere bei leichten Erkrankungen im Internet.“

4. Neue Technologien: Verlässlichere Diagnosen und bessere Vernetzung

Wie ist es um den Einsatz neuer Technologien im deutschen Gesundheitswesen bestellt? Vergleichsweise gut, finden die Studienteilnehmer: Sechs von zehn Deutschen schätzen das deutsche Gesundheitswesen in puncto neue Technologien als „sehr gut“ oder „eher gut“ ein. 50 Prozent der Befragten glauben aber auch, dass es durch den verstärkten Einsatz neuer Technologien noch Verbesserungspotenziale im deutschen Gesundheitssystem gibt: zum einen auf medizinischer Ebene, durch verlässlichere Diagnosen.

Zum anderen auf organisatorischer Ebene, wie 48 Prozent angeben. Damit ist insbesondere die Kommunikation zwischen Ärzten, Apotheken, Krankenhäusern und Krankenkassen gemeint. In diesem Punkt erwarten die Versicherten einen besseren Service und eine noch stärkere Vernetzung der Sektoren.

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In diesen Bereichen wünschen sich Bürger mehr neue Technologien:

„Wir müssen schleunigst den Ausbau der Telemedizin voranbringen, um den Anschluss an andere europäische Länder nicht zu verlieren. Das entlastet unser Gesundheitssystem und bringt den Versicherten viele Vorteile wie kurze Wege und einen schnelleren Austausch mit dem Arzt.“

Michael Burkhart,Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma bei PwC Deutschland

Nutzungshäufigkeit von Wearables

Auch wenn Wearables wie Smartwatches oder Fitnessarmbänder bei der Technologisierung des Gesundheitswesens derzeit nur eine untergeordnete Rolle spielen, haben sie sich doch ihren Platz im Alltag der Versicherten erobert: Mehr als jeder Zweite trägt sie bereits (15 Prozent) oder hat das künftig vor (43 Prozent).

 

Verwendungszwecke von Wearables

Wer einen der tragbaren Computer am Körper nutzt, zeichnet damit seine Bewegung, zum Beispiel seine Schritte (85 Prozent) oder seine Vitalkörperfunktionen, beispielsweise Puls und Herzfrequenz, auf (77 Prozent). Eine weniger wichtige Rolle spielt derzeit noch der medizinische Einsatz der Geräte, etwa zur Messung von Blutdruck oder Blutzucker (44 Prozent).

Gründe für die Nichtnutzung

Es gibt auch Gründe, die gegen den Einsatz von Wearables sprechen – neben dem generellen mangelnden Interesse (59 Prozent) vor allem die Angst vor Überwachung (33 Prozent) und Datenmissbrauch (30 Prozent).

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Michael Burkhart
Leiter Gesundheitswirtschaft und Managing Partner Region Mitte, PwC Germany
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Sevilay Huesman-Koecke
Head of Business Development Gesundheitswirtschaft, PwC Germany
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