Online-Kredite sind für viele deutsche Banken noch immer Neuland

12 Oktober, 2017

Zwei Drittel des Kreditgeschäfts kommen noch immer aus der Filiale, zeigt eine PwC-Studie / Auf die eigenen digitalen Kanäle entfallen dagegen – je nach Kreditart – nur maximal zehn Prozent / Bei vielen Banken befinden sich digitale Strategien erst in der Planung, manche verzichten sogar ganz darauf / PwC-Experte Tomas Rederer: „Wenn die Branche in diesem Tempo weitermacht, wird sie den Anschluss an die Online-Konkurrenz verlieren“

Düsseldorf, 12. Oktober 2017

Trotz der wachsenden Konkurrenz im Internet konzentrieren sich deutsche Banken im Kreditbereich noch immer fast ausschließlich auf die traditionellen Vertriebskanäle. Das zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, für die 43 überwiegend mittelgroße und kleine Banken in Deutschland befragt worden sind. So generiert die Branche bei Konsumentenkrediten weiterhin zwei Drittel (64 Prozent) ihres Neugeschäfts über die Filiale. Dagegen macht die eigene Onlinepräsenz bloß 5 Prozent aus, der Vertrieb über Vergleichsportale und mobile Geräte sogar nur je 1 Prozent. Ähnlich ist das Bild in der Baufinanzierung, wo 67 Prozent des Neugeschäfts über die Filiale und 24 Prozent über Vermittler kommen – aber nur insgesamt 12 Prozent über Internet, Tablet und Smartphone. Bei Firmenkrediten liegt der Anteil des digitalen Vertriebs sogar bei nur rund einem Prozent.

Von wegen online: Jede neunte Bank hat gar keine Digitalstrategie

„Solange der Großteil des Kreditgeschäfts auf die analogen Kanäle entfällt, ist die Fokussierung auf die entsprechenden Vertriebsbereiche durchaus nachvollziehbar. Allerdings nimmt die Bedeutung von Online und Mobile nicht erst seit gestern zu – auf die Folgen sind viele Banken noch völlig unzureichend vorbereitet“, sagt Tomas Rederer, Partner im Bereich Financial Services bei PwC Deutschland. So räumen zum Beispiel 11 Prozent der befragten Institute ein, im Privatkundengeschäft über keinerlei Digitalisierungsstrategie zu verfügen. Bei weiteren 33 Prozent existieren bislang lediglich Pläne in diese Richtung – und 50 Prozent geben an, sie hätten zwar eine entsprechende Strategie, allerdings sei diese erst teilweise umgesetzt.

„Wenn die traditionellen Filialbanken in diesem Tempo weitermachen, drohen sie den Anschluss an Großbanken, Onlinebanken, FinTechs, Vergleichsportale und andere digitale Wettbewerber zu verlieren.“

Tomas Rederer, Partner im Bereich Financial Services bei PwC Deutschland

Fehlendes Problembewusstsein im Firmenkundengeschäft

Die PwC-Studie fördert dabei große Unterschiede im Problembewusstsein zwischen Privat- und Firmenkundengeschäft zutage. So meinen immerhin 82 Prozent der befragten Banken, für sie sei die Digitalisierung im Retailbereich explizit auch ein Vertriebsthema – und eben nicht nur ein Mittel, um interne Prozesse zu optimieren. Dagegen beschäftigen sich bei Unternehmenskrediten weniger als die Hälfte der befragten Institute mit einer digitalen Vertriebsstrategie. „Auch dieses Umfrageresultat zeugt von einer gewissen Kurzsichtigkeit“, sagt PwC-Partner Rederer. „Es stimmt zwar, dass im Firmenkundengeschäft die Konkurrenz durch Online-Anbieter kleiner ist als bei Konsumentenkrediten. Allerdings beschreibt das nur den Status-Quo – in Zukunft werden auch hier mehr alternative Anbieter in den Markt drängen.“

Über die Studie

Für die Studie „Effizienz der Kreditprozesse in deutschen Kreditinstituten 2017“ wurden 43 deutsche Kreditinstitute aus allen Sektoren (Universalbanken, Sparkassen, Volksbanken und Spezialbanken) durch PwC befragt. Die Teilnehmer sind im Wesentlichen kleinere und mittlere Institute.

Über PwC:

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