Reederstudie 2016: Maritime Wirtschaft auf Digitalisierungskurs

Die Digitalisierung wird Geschäftsmodelle und -prozesse der deutschen Reeder in den kommenden Jahren stark verändern. Über die Hälfte der für die PwC-Reederstudie 2016 befragten Führungskräfte sind der Ansicht, dass Reedereien in der Lieferkette künftig mehr Aufgaben übernehmen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dazu sind hohe Investitionen erforderlich, die vor dem Hintergrund eines anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes finanziert werden müssen.

Digitalisierung setzt Geschäftsmodelle unter Druck

Die neuen digitalen Möglichkeiten werden das Leistungsspektrum der Unternehmen im maritimen Sektor dramatisch verändern. Die Hälfte der Befragten (51 Prozent) geht davon aus, dass deutsche Reedereien in Zukunft mehr Aufgaben innerhalb der Transportketten übernehmen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gut sechs von zehn der befragten Reeder erwarten, dass Technologieunternehmen wie Google und Amazon den digitalen Umbau der Branche mit technischen Dienstleistungen unterstützen werden.

Wachstumserwartungen auf neuem Tiefstand

Nur ein gutes Drittel (35 Prozent) der Befragten rechnet für die kommenden zwölf Monate mit steigenden Erlösen, vor einem Jahr waren noch 55 Prozent der Reeder optimistisch gestimmt. Von steigenden Charterraten gehen derzeit nur noch 27 Prozent der Reeder aus gegenüber 56 Prozent im Jahr 2015.

Die wirtschaftliche Ausgangslage schlägt sich auch in den Investitionsplänen der befragten Unternehmen nieder. Im Vorjahresvergleich wollen etwas weniger Befragte neue Schiffe anschaffen (70 Prozent gegenüber 74 Prozent im Jahr 2015), aber mehr Reeder einen Teil ihrer Flotte verkaufen (59 Prozent gegenüber 45 Prozent im Jahr 2015).

Beteiligungen ersetzen Bankkredite

Um die erforderlichen Investitionen in die Digitalisierung und Flottenmodernisierung finanzieren zu können, setzen die Reeder immer stärker auf Direktinvestitionen statt Bankkredite. So erwarten mittlerweile fast neun von zehn Reedern, dass Banken künftig weniger zur Finanzierung beitragen werden, während 72 Prozent auf ein stärkeres Engagement institutioneller Investoren bauen.