Auswirkungen der neuen Leasingbilanzierung auf die Kaufpreisermittlung im Rahmen von Transaktionen

08 September, 2016

Im Januar 2016 hat das ISAB den neuen Leasingstandard IFRS 16 veröffentlicht, der ab dem 1. Januar 2019 anzuwenden ist. Künftig haben Leasingnehmer nahezu alle Leasingverhältnisse in der Bilanz auszuweisen. Die Unterscheidung zwischen Operating und Finance Lease entfällt. Mit Beginn des Leasingverhältnisses sind auf der Aktivseite als Nutzungsrechte der jeweiligen Vermögenswerte und auf der Passivseite Leasingverbindlichkeiten aus den Zahlungsverpflichtungen zu bilanzieren. Dementsprechend werden in der Gewinn- und Verlustrechnung die Mietaufwendungen aus Operating Lease durch Abschreibungen und Zinsaufwendungen ersetzt.

Die neue Leasingbilanzierung hat deshalb Auswirkungen auf die Höhe des Verschuldungsgrads, das EBITDA sowie andere Bilanz- und Erfolgskennzahlen. Dies zeigt eine internationale Studie von PwC, in der mehr als 3.000 Unternehmen unterschiedlicher Länder und Branchen im Hinblick auf die Effekte des neuen Leasingstandards analysiert wurden. Im Median über alle Branchen erhöhen sich das EBITDA um 13% und die Finanzschulden um 22%. Insbesondere betroffen sind Einzelhandelsunternehmen, Fluggesellschaften sowie Logistikdienstleister. 

„Die neue Leasingbilanzierung bildet die Realität ab, da das Unternehmen eine unvermeidbare Zahlungsverpflichtung eingegangen ist, die bisher nicht in der Bilanz abgebildet war. Damit wird die Bilanz zutreffender abgebildet.“

Klaus Bernhard

Im Rahmen von Unternehmenstransaktionen wird der Kaufpreis regelmäßig anhand von EBIT- und EBITDA-Multiples sowie des Discounted Cash Flow-Ansatzes ermittelt. Dabei wird der Wert eines Unternehmens als Summe der Barwerte aller künftigen finanziellen Überschüsse unter Abzug der Nettofinanzverbindlichkeiten bestimmt. Zentrale Kennzahlen wie das EBITDA, die Abschreibungen sowie der Verschuldungsgrad spielen dabei eine entscheidende Rolle. Genau diese Kennzahlen sind von der neuen Leasingbilanzierung besonders betroffen. Es ist daher davon auszugehen, dass der neue IFRS 16 auch im Rahmen von Kaufpreisermittlungen bei Käufen und Verkäufen von Unternehmen eine große Rolle spielen wird.

„In Summe ist die neue Leasingbilanzierung zu begrüßen, da sie die Verschuldung von Unternehmen offener legt.“

Rolf Müller

Unsere PwC Experten zeigen auf, was für Auswirkungen sich aus der neuen Leasingbilanzierung im Rahmen von Unternehmenstransaktionen ergeben und was Unternehmen beachten sollten.

Im Gespräch mit Klaus Bernhard, Partner bei Capital Markets & Accounting Advisory Services (CMAAS) bei PwC und Rolf Müller, Partner bei Valuation & Strategy bei PwC

Welche Relevanz hat der neue Leasingstandard im Rahmen von Unternehmenstransaktionen?

Klaus Bernhard: Grundsätzlich findet lediglich eine Bilanzverlängerung, die nicht ertragswirksam ist, statt. Daher sollten sich zumindest theoretisch keine Auswirkungen auf den Kaufpreis ergeben. Dennoch ist der neue Leasingstandard sehr relevant im Rahmen von Unternehmenstransaktionen.

Zunächst ergibt sich ein Effekt in der Kaufpreisermittlung mit Multiples, bei der der Unternehmenswert als Vielfaches einer Erfolgsgröße, z.B. des EBITDAs des zu bewertenden Unternehmens geschätzt wird. Das EBITDA erhöht sich aufgrund des Wegfalls der Mietaufwendungen aus dem Operating Lease. Daraus resultiert zunächst ein erhöhter Unternehmensgesamtwert unter Annahme eines konstanten Vergleichsmultiples. Allerdings könnte es sein, dass sich im Gesamteffekt auch zukünftig nichts ändert, da sich nicht nur das EBITDA des zu bewertenden Unternehmens, sondern auch der EBITDA-Multiple der Peer Group entsprechend anpassen wird. Deshalb sollten sich Investoren für Exit-Überlegungen nach 2019 bewusst sein, dass sich das Multiple des Targets ändern könnte.

Rolf Müller: Die neue Rechnungslegung ist jedoch nicht nur bei der Multiple-Bewertung von Relevanz, sondern auch bei dem Discounted Cash Flow-Ansatz zu beachten. Hierbei fließen verschiedene durch den neuen Leasingstandard veränderte Komponenten ein, z.B. die Abschreibungen sowie eine durch die bilanzierten Verbindlichkeiten veränderte Kapitalstruktur. Der neue Leasingstandard wird daher bei zukünftigen Bewertungen eine wichtige Rolle spielen.

Was für Effekte ergeben sich für den Discounted Cash Flow-Ansatz?

Rolf Müller: Der Unternehmenswert setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, welche im Einzelfall betrachtet werden müssen. Daher sind die Auswirkungen der neuen Leasingbilanzierung nicht einfach abschätzbar. Gerade bei den Kapitalkosten ergeben sich etwa gegenläufige Effekte: Zum einen wirkt sich eine höhere Verschuldung aufgrund des höheren Fremdkapitalanteils reduzierend auf den WACC aus, zum anderen führt der höhere Fremdkapitalanteil jedoch zu einer Erhöhung des Betafaktors und damit der Eigenkapitalkosten.

Welche Konsequenzen sind aufgrund des erhöhten Fremdkapitalstands zu erwarten?

Rolf Müller: Zunächst könnte eine transparentere Schuldenquote ein schlechteres Unternehmensrating bewirken und damit die Fremdkapitalkosten erhöhen. Bei Unternehmen, die nach Anwendung der neuen Leasingbilanzierung eine höhere Schuldenquote haben, kann davon ausgegangen werden, dass der Kapitalmarkt einen höheren Risikozuschlag verlangt. In der Folge reduziert sich der Unternehmenswert.
Klaus Bernhard: Darüber hinaus könnten Covenants aufgrund der veränderten Kennzahlen unerwarteterweise gerissen werden. Daher sollte insbesondere bei Kreditvertragsverhandlungen darauf geachtet werden, dass die neue Leasingbilanzierung keinen Effekt hat und dies gegebenenfalls auch vertraglich festhalten.

Wie können sich Unternehmen auf die Umstellung vorbereiten und wie kann PwC hierbei unterstützen?

Rolf Müller: Unternehmen sollten genau analysieren wie die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung sowie wichtige Unternehmenskennzahlen nach der Umstellung aussehen. Konkret ist mittels Sensitivitätsanalysen zu analysieren wie sich die Leasingbilanzierung im Einzelnen etwa auf die Kapitalstruktur, das Rating, auf die Covenants sowie auf die Fremdkapitalzinsen der übrigen Verbindlichkeiten auswirkt. Dadurch sollte es möglich sein, den Effekt der neuen Leasingbilanzierung auf das einzelne Unternehmen besser abzuschätzen.

Klaus Bernhard: Zusätzlich ist sicherzustellen, dass die Planungsrechnungen entsprechend adjustiert werden, um eine richtige Darstellung ab 2019 zu sichern. PwC kann außerdem bei Like-for-Like-Auswertungen unterstützen, mit denen die Vergleichbarkeit des Zahlensets vor und nach der Umstellung gewährleistet wird. Was die Sicherstellung der Covenants-Vereinbarungen anbelangt, sollte das Wording der Finanzierungsverträge überprüft werden. Auch bei der Abbildung des Ist-Accounting sowie der Identifikation und Abbildung der Leasingverträge können wir unterstützen.

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