Marketing in eigener Sache

15 Dezember, 2017

„Frauen in Führungspositionen“ lautete der Titel beim 5. Treffen des PwC-Netzwerks women&healthcare am 30. November 2017. Warum dieses Thema gerade in der Gesundheitswirtschaft so aktuell ist, erläutern die PwC-Expertinnen Sevilay Huesman-Koecke und Corinna Friedl.

Im Gespräch mit Sevilay Huesman-Koecke, Expertin bei PwC im Bereich Gesundheitswesen und Pharma und Corinna Friedl, Expertin bei PwC im Bereich Gesundheitswesen.

In Führungspositionen sind Frauen in nahezu allen Branchen unterrepräsentiert. Oder bildet der Gesundheitsbereich da eine Ausnahme?

Corinna Friedl: Leider nein. Im Gegenteil: In der Gesundheitswirtschaft ist die Schieflage besonders prekär. In vielen Bereichen stellen die Frauen dort die überwiegende Zahl der Beschäftigten – im Pflegesektor beispielsweise. Doch im Topmanagement sind Frauen trotzdem nur zu 15 Prozent vertreten.

Wo sehen Sie Ansatzpunkte, um das zu ändern?

Sevilay Huesman-Koecke: Im Gesundheitswesen wird leider nur selten ein gezieltes Führungskräfte-Coaching als Teil der Personalentwicklung angeboten. Oft erfolgt das nur auf eigene Rechnung oder auf freiwilliger Basis in der Freizeit. Doch ein professionelles Coaching ist ein gutes Instrument, um sich über eigene Strategien klar zu werden, wenn es darum geht, sich in einem Unternehmen zu behaupten: Was tun bei Entscheidungsschwierigkeiten, wie gehe ich mit Konflikten am Arbeitsplatz um, wie lassen sich geistige Blockaden lösen? Führungskräfte-Coaching war bei unserem women&healthcare-Treffen deswegen auch eines der drei Workshop-Themen.

Welche Rolle können Netzwerk-Treffen spielen?

Friedl: Die berufliche Vernetzung von Frauen ist ungemein wichtig. Dazu gehören natürlich auch branchenspezifische Plattformen wie women&healthcare. Doch mit punktuellen Netzwerk-Treffen ist es nicht getan. Die Digitalisierung bietet ganz viele Möglichkeiten, gezielt mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen und sich unkompliziert auszutauschen. Das kann sich zu einem gegenseitigen Coaching über Unternehmensgrenzen hinweg entwickeln. Der Vorteil: Wenn man so ein persönliches Netzwerk aufgebaut hat, genügt im Alltag eine kurze Nachricht, um sich ein Feedback oder eine Einschätzung zwischendurch zu holen. Das ist gerade auch für Berufseinsteigerinnen hilfreich. Im Workshop „Personal Branding im Netz“ haben wir diese Möglichkeiten vorgestellt.

Huesman-Koecke: Auf die Bedeutung von Netzwerken generell hat auch unsere Schirmherrin Annette Widmann-Mauz, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit und Vorsitzende der Frauen Union in der CDU, an dem Tag aufmerksam gemacht. Wir sollten Netzwerke und Seilschaften, sei es in der Politik oder der Wirtschaft, nicht allein den Männern überlassen, sondern mit eigenen Verbindungen an diese anknüpfen.

Women and Healthcare

Tendieren Frauen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen?

Friedl: Im Beruf ist es enorm wichtig, eigene Stärken und Schwächen realistisch einzuschätzen und sie benennen zu können. Jede Frau muss ihre Marke entwickeln, den eigenen Markenkern kennen. Das wurde beim Impulsvortrag der Kommunikationsexpertin Caroline Krüll deutlich. Haltung, Gestik und Stimme müssen das unterstreichen. Speziell nonverbale Kommunikation spielt bei der Wirkung nach außen eine ungemein wichtige Rolle.

Huesman-Koecke: Ich fand den Selbsttest dabei sehr eindrücklich: Jede Teilnehmerin sollte sich fragen, mit welchen drei Begriffen sie ihre Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten beschreiben würde. Ich empfehle jedem, sich die Zeit zu nehmen, diese Frage für sich selbst zu beantworten.

Sind Frauen infolge des Fachkräftemangels nicht gefragter denn je?

Huesman-Koecke: Es war in der Geschichte schon immer so, dass sich eine Gesellschaft in Phasen von Arbeitskräftemangel auf ihre stillen Reserven besinnt. Und dazu zählen Frauen eben noch immer. In der Schweiz wird bereits versucht, ausgebildete und beruflich erfahrene Frauen nach der Familienphase gezielt in den Beruf zurückzuholen. Eine passende Stelle zu finden, dürfte für qualifizierte Bewerberinnen in Zukunft leichter werden. Doch damit ist nicht gesagt, dass es anschließend auch mit der Karriere klappt.

Friedl: Bei der Podiumsdiskussion zeigte sich, dass es immer wieder die alten Stolpersteine sind, die Frauen an der Karriere hindern: zum Beispiel den Familienalltag mit den Anforderungen im Management zu vereinbaren. Oder sich von anerzogenen Geschlechterbildern frei zu machen. Das sind Punkte, zu denen Frauen individuell eine Haltung entwickeln und Lösungen finden müssen.

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