Creating value through working capital

PwC-Analyse zum Working Capital Management (WCM) im Einzelhandel

Rob Kortmann

Rob Kortman
Leiter Working Capital Management & Solutions bei PwC Europe
Tel.: +49 170 987 9253
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So setzt der Handel Cash für die digitale Transformation frei

Der Handel wächst seit Jahren stabil: Die Erlöse der 50 führenden Handelsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind seit 2014 um 19 Prozent gestiegen. Die Unternehmen der Branche binden jedoch immer mehr Kapital – liquide Mittel, die ihnen fehlen, um ihre Organisation für die digitale Transformation fit zu machen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Cash for Transformation“, für die PwC das Working Capital Management der 50 führenden Einzelhändler in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert hat.

„Traditionell stationäre Händler stehen ebenso wie Online-Player vor der Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle an den digitalen Wandel und die hohen Erwartungen der Kunden anzupassen. Um ihr Business zu transformieren, benötigen sie aber Liquidität. Folglich müssen sie ihre operativen Prozesse optimieren und das gebundene Kapital minimieren, damit Mittel für die Transformation frei werden.“

Rob Kortman, Leiter Working Capital Management & Solutions bei PwC Europe

Die Studie im Überblick:

Die Entwicklung im Fünf-Jahres-Trend

Beim Netto-Umlaufvermögen zeigt der Fünf-Jahres-Trend eine Verschlechterung um einen Tag. Die 50 untersuchten Unternehmen haben in diesem Zeitraum zusätzlich 2,3 Milliarden Euro an Kapital gebunden. 22 der 50 Händler haben ihr Umlaufvermögen seit 2014 verschlechtert. 2018 könnte jedoch eine Trendwende einläuten: Im Vergleich zum Vorjahr ist es dem Einzelhandel gelungen, das Umlaufvermögen um einen halben Tag zu drücken.

DIO, DPO und DSO – die Kennzahlen im Überblick 

Hauptgrund für die positive Entwicklung im Jahr 2018 sind Optimierungen im Bereich Warenbestand: Die Performance der untersuchten Unternehmen bei der Bestandsreichweite (Days Inventories On-hand, DIO) hat sich 2018 um einen halben Tag verbessert - mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre jedoch um 1,6 Tage verschlechtert. Bei den Lieferantenverbindlichkeiten (Days Payables Outstanding, DPO) ist dagegen wenig Bewegung zu erkennen (plus 0,1 Tage im Vergleich zum Vorjahr). In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Performance der Unternehmen in diesem Bereich um 1,3 Tage verbessert. Die Forderungsreichweite (Days Sales Outstanding, DSO) ist 2018 ebenfalls nahezu konstant geblieben. Im Vergleich zu 2014 hat sie sich jedoch um 0,7 Tage verschlechtert.

Blick in die Subsektoren

Die Working Capital Performance im Einzelhandel schwankt stark – je nach Unternehmen und Subsektor. Im Median liegt die Kapitalbindungsdauer im Handel bei 43 Tagen. In vier der sieben analysierten Subsektoren lässt sich im Vergleich zum Vorjahr eine negative Entwicklung bei der Performance im Bereich Working Capital Management feststellen. 

Im Bereich Accessoires und Luxusgüter hat sich das Netto-Umlaufvermögen im Fiskaljahr 2018 beispielsweise auf 87 Tage verschlechtert. Der Grund ist das schwache Abschneiden im Bereich Bestandsmanagement. Der Sportartikelsektor gehört dagegen zu den Gewinnern: Dort sind die kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten von 74 auf 83 Tage gestiegen und die Bestandsreichweite von 126 auf 120 Tage gesunken.

Fokus Onlinehandel

Der Onlinehandel als wichtigster Wachstumstreiber der Branche konnte sein Working Capital Management verbessern: Das Nettoumlaufvermögen hat sich in diesem Sektor seit 2014 um 5,6 Prozent verbessert. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt ebenfalls eine leichte Steigerung (plus 0,5 Prozent). Die Lieferantenverbindlichkeiten im Onlinehandel sind von 76 auf 78 Tage gestiegen; die Forderungsreichweite ist um einen Tag auf 32 Tage gesunken. Die Bestandsreichweite bleibt konstant bei 70 Tagen – die Erwartung der Kunden, jederzeit aus einem breiten Angebot an Waren auswählen zu können, führt nach wie vor zu relativ hohen Lagerbeständen. 

Die größten Herausforderungen für das Working Capital Management

Der Handel durchläuft derzeit eine grundlegende Transformation. Haupttreiber im Markt sind Veränderungen im Konsumentenverhalten und technische Innovationen. Unternehmen der Branche stehen vor einer Vielzahl an Herausforderungen und müssen adäquat reagieren, um ihr Net Working Capital zu optimieren:

  • Veränderungen beim Kundenverhalten: Verbraucher erwarten eine große Auswahl an Produkten - und dass diese jederzeit zur Verfügung stehen.
  • E-Commerce: Ein immer größerer Umsatzanteil wird über E-Commerce generiert.
  • Kauf auf Rechnung: Die Forderungsreichweite steigt, weil viele Kunden auf Rechnung kaufen.
  • Retouren: Kunden erhalten häufig ein großzügiges Rückgaberecht bei Online-Bestellungen.
  • Nachhaltigkeit: Im Sinne der Nachhaltigkeit müssen sich Unternehmen mit dem Thema Sourcing auseinandersetzen: global beschaffen oder lieber lokal?

„Eine der größten Herausforderungen für die Branche sind die hohen Ansprüche der Kunden: Sie erwarten eine große Auswahl an Produkten – und fordern, dass diese stets auf Lager und schnell lieferbar sind. Kauf auf Rechnung und kostenlose Retouren sind im Onlinehandel mittlerweile selbstverständlich.“

Dr. Christian Wulff, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland

„Die Mehrheit der Handelsunternehmen könnte signifikante Mengen an Cash freisetzen, wenn sie ihr Working Capital Management verbessert. Insbesondere im Bereich der Lagerhaltung steckt Potenzial: Hier sind die Unternehmen gefordert, den Bestell- und Lagerhaltungsprozess weiter zu verbessern.“

Dr. Christian Wulff,Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland

Die Methodik

Diese Studie gibt einen Überblick über die 50 führenden deutschen, österreichischen und schweizerischen Handelsunternehmen nach der Capital IQ-Sektorisierung. Die Grundlage für alle Berechnungen sind öffentlich zugängliche Daten. Die Aufteilung der Teilsektoren basiert auf der Capital IQ Primary Industry Klassifizierung. Daten sind für 100 Prozent der Stichprobe verfügbar.

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Dr. Christian Wulff

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Partner, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter, PwC Germany

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