EU-Taxonomie: Erste Einblicke in Anhangangaben für das Berichtsjahr 2021

PwC-Analyse: Unternehmen erfüllen regulatorisches Mindestmaß

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Analyse der erstmaligen Umsetzung der EU-Taxonomie-Anhangangaben

Die Taxonomie-Verordnung verpflichtet derzeit große börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden, ihre mit ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten verbundenen Tätigkeiten in die nichtfinanzielle Erklärung aufzunehmen. Diese Berichtspflicht für „grüne“ Umsätze, Investitionsausgaben und operative Aufwendungen besteht bereits seit dem 1. Januar 2022 für das vergangene Geschäftsjahr 2021. Dies hat PwC zum Anlass genommen, um den aktuellen Stand der Taxonomie-fähigen Anhangangaben bei Unternehmen in Deutschland zu untersuchen.

„Wir haben in allen analysierten Berichten Taxonomie-Angaben gefunden, allerdings sind diese teilweise noch sehr rudimentär. Insbesondere im Hinblick auf die zusätzlichen Anforderungen an die Berichterstattung für das aktuelle Berichtsjahr ist der Aufwand nicht zu unterschätzen.“

Nadja Picard, PwC Global Reporting Leader

Die Studie im Überblick

Taxonomie-Angaben überwiegend im Lagebericht

Bereits jetzt integriert die Mehrheit der Unternehmen ihre EU-Taxonomie-Angaben im Lagebericht, dabei ist die Berichterstattung erst zum Anwendungszeitpunkt der CSRD im Lagebericht verpflichtend. 22 Prozent der Unternehmen integrieren sie im Geschäftsbericht, 16 Prozent im Nachhaltigkeitsbericht.

Knapp ein Drittel der Unternehmen hat auf ihre ESG Strategie und auf deren zukünftiges Investitionspotenzial verwiesen. Darunter fallen insbesondere Unternehmen aus den Branchen Technology, Energy-Utilities und Automotive.

Erleichterungsvorschrift mehrheitlich genutzt

Fast alle untersuchten Unternehmen (92 Prozent) nutzen die Erleichterungsvorschrift und machen lediglich Angaben über die Taxonomiefähigkeit von Umsatz, Investitions- und Betriebsausgaben. Lediglich vier Unternehmen haben laut eigenen Angaben einen taxonomiekonformen Bericht veröffentlicht. Drei weitere Unternehmen haben einen taxonomiefähigen Bericht veröffentlicht und diesen bereits freiwillig um einzelne taxonomiekonforme Inhalte ergänzt.

Taxonomiefähiger Umsatz wird berichtet

Eine Mehrheit von 62 Prozent berichtet über einen taxonomiefähigen Umsatz, den durchschnittlichen höchsten taxonomiefähigen Umsatz weisen die Branchen Automotive mit 79 Prozent und Real Estate mit 55 Prozent auf, den geringsten Umsatz weisen die Branchen Pharma und Retail mit je null Prozent auf.

Umsatz wird selten auf Aktivitäten aufgeteilt

Angaben hinsichtlich der Umsatzaufgliederung zu den einzelnen identifizierten Wirtschaftsaktivitäten sind erst im zweiten Berichtsjahr verpflichtend.

Von den 31 Unternehmen, die taxonomiefähige Umsatzerlöse ausgewiesen haben, haben zehn Unternehmen ihre Umsätze in ihre identifizierten Wirtschaftsaktivitäten aufgegliedert.

Taxonomiefähige Investitionsausgaben (CapEx) häufig für Gebäude

80 Prozent der Unternehmen haben taxonomiefähige Investitionsausgaben ausgewiesen – die höchsten durchschnittlichen Investitionsausgaben liegen mit einer Höhe von 87 Prozent in der Automotive Branche. Am meisten wurde unter anderem in Gebäude, den Fuhrpark sowie in Renovierungen investiert.

Wenig Informationen zur Verwendung des Investitionsplans

Nur zwei Unternehmen haben Angaben zur Verwendung eines Investitionsplans im Sinne der EU-Taxonomie-Verordnung gemacht – weitere Konkretisierungen hierzu wurden allerdings nicht gefunden.

Taxonomiefähige Betriebsausgaben (OpEx) häufig für F&E und kurzfristiges Leasing

Die Mehrheit von 68 Prozent berichtet über taxonomiefähige Betriebsausgaben – die meisten wurden dabei für Forschung und Entwicklung sowie für kurzfristiges Leasing (jeweils 30 Prozent) getätigt. Auch hier sind wieder die Branchen Automotive und Real Estate mit 100 Prozent beziehungsweise 94 Prozent führend, was den durchschnittlichen Anteil an Betriebsausgaben angeht. Pharma und Retail bilden mit 18 Prozent und null Prozent erneut die Schlusslichter.

Bei der Definition des OpEx-Nenners ist auffällig, dass nur 36 Prozent der Unternehmen die „all other direct expenses“ einbeziehen. Insbesondere die Branchen Technology, Industrial Manufacturing, Energy-Utilities und Pharma haben die „all other direct expenses“ einbezogen.

Rund 700 Wörter pro EU-Taxonomie Bericht

Im Durchschnitt wurden knapp 700 Wörter genutzt, um über die Taxonomiefähigkeit zu berichten, bezogen auf die Unternehmen, die einen taxonomiefähigen Umsatz ausweisen. Hierbei lagen die Branchen Industrial Manufacturing und Automotive mit durchschnittlich 1.200 beziehungsweise 1.100 Wörtern weit über dem Gesamtdurchschnitt.

„Unsere Analyse zeigt, dass in der Praxis zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten zur Auslegung der geforderten EU-Taxonomie-Angaben existieren – sogar innerhalb der Branchen. Wir erwarten eine Harmonisierung im nächsten Berichtsjahr.“

Nadine Gehrke,Managerin bei PwC Deutschland

Die Methodik

Analysiert wurden die ersten 50 veröffentlichten Berichte des Geschäftsjahres 2021 von Dax, MDax und SDax Unternehmen, die in den Anwendungsbereich der EU-Taxonomie fallen. Somit gibt die Studie nur einen partiellen ersten Einblick auf die Taxonomie-Konformität der Anhangangaben.

Eine Ausweitung der Studie in Bezug auf die Anzahl der Unternehmen sowie auf die untersuchten Angaben zu ökologisch nachhaltigen Aktivitäten der Taxonomie-Verordnung wird in naher Zukunft durchgeführt werden.

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