Warum Nachhaltigkeit heute ein strategischer Wachstumstreiber ist

Nachhaltige Transformation: Fünf strategische Werttreiber für Unternehmen

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  • 6 Minuten Lesezeit
  • 30 Jan 2026

Was bedeuten steigende Klimarisiken, volatile Energiepreise und verschärfte Nachhaltigkeitsanforderungen konkret für Ihr Geschäftsmodell? Welche Auswirkungen haben sie auf Ihre Kosten, Ihre Risikostruktur und Ihre Lieferketten? Und wie können Sie aus diesen Herausforderungen gezielt Wettbewerbsvorteile entwickeln? Das sind Fragen, mit denen sich Unternehmen zunehmend beschäftigen müssen. Knapp ein Drittel (32 %) der deutschen CEOs gibt in unserem 29. Global CEO Survey an, dass das eigene Unternehmen von Klimarisiken betroffen ist. Global sind es sogar 42 %. Dennoch haben weltweit nur knapp ein Viertel der Unternehmen Prozesse definiert, um dieses Risiko in zentrale Entscheidungen einzubeziehen. Dabei birgt dieser Schritt nicht nur große Vorteile für die Klimaresilienz, sondern auch Vorsprung bei der Anpassung an veränderte Marktbedingungen.

Unternehmen, die Nachhaltigkeitsdimensionen heute strategisch verankern, schaffen Transparenz, steigern ihre Resilienz und eröffnen neue Wachstumspotenziale. Fünf zentrale Werttreiber zeigen, wie diese Transformation gelingen kann.

Fünf Werttreiber, die Nachhaltigkeit zum Business Case machen

Nachhaltigkeit beeinflusst heute nahezu jede operative und strategische Entscheidung. Unsere aktuellen Analysen zeigen, dass aus Klimarisiken, Energieversorgungsfragen und neuen Marktanforderungen erhebliche finanzielle Effekte entstehen, die CEOs, CFOs, COOs und weitere Executives aktiv steuern müssen. 

1. Resilienz durch Klimarisiken systematisch aufbauen

Physische Klimarisiken wie Hitze, Überschwemmungen oder Stürme führen bereits heute zu Produktionsausfällen und Lieferkettenstörungen. Modellrechnungen zeigen, dass die Weltwirtschaft bis 2035 um rund sieben Prozent schrumpfen könnte, wenn Unternehmen keine Anpassungsmaßnahmen ergreifen. Frühzeitige Resilienzstrategien werden damit zum echten Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die Klimafaktoren bei ihren Entscheidungen berücksichtigen, sind aber nicht nur besser auf Klimarisiken vorbereitet, sondern können auch schneller auf Veränderungen im Markt oder in der Lieferkette reagieren. 

2. Regulierung als Effizienz- und Steuerungshebel nutzen

Mit CSRD, EU-Taxonomie und CSDDD wird Nachhaltigkeit zum festen Bestandteil der Unternehmenssteuerung. Die neuen Anforderungen schaffen nicht nur Transparenz, sondern eröffnen mittelfristig Chancen für Effizienzgewinne – etwa durch bessere Datennutzung und optimierte Prozesse. Unternehmen, die früh professionalisieren, sichern sich Vorteile bei Investoren und Stakeholdern. Reporting ist mehr als eine Pflicht. Wer über Compliance hinaus denkt, nutzt Regulierung als Steuerungsinstrument für strategische Entscheidungen und schafft echten Mehrwert – „beyond reporting“. Das langfristige Ziel: Nachhaltigkeitsdaten nutzen, um vom reinen Risikomanagement zur aktiven Wertschöpfung zu gelangen.

3. Energie strategisch managen

Energie ist einer der größten Kosten- und Risikofaktoren. Durch neue Technologien können weltweit bis zu zwei Billionen US-Dollar jährlich eingespart werden – etwa durch Energieeffizienzmaßnahmen, Eigenstromerzeugung oder intelligente Laststeuerung. Unternehmen, die Energie strategisch managen, erhöhen Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. 

4. Lieferketten transparent gestalten

Transparente, nachhaltige Lieferketten werden zur Voraussetzung für Marktzugang und Compliance. Digitale Tools und KI ermöglichen heute eine detaillierte Analyse von Emissionen, Risiken und Abhängigkeiten. Das schafft Effizienzpotenziale, reduziert Haftungsrisiken und steigert die operative Performance. 

5. Förderprogramme als Wachstumsmotor

Weltweit investieren Regierungen Billionen in die Transformation. Förderprogramme und steuerliche Anreize verbessern die Wirtschaftlichkeit nachhaltiger Projekte erheblich und beschleunigen Innovation. Unternehmen, die diese Förderkulissen aktiv nutzen, erschließen neue Wachstums- und Innovationspotenziale. Zunehmend entstehen auch eigenkapitalfinanzierte Instrumente. 

Wie Unternehmen diese Werttreiber wirksam nutzen

Analysieren Sie Ihre Klimarisiken umfassend – sowohl physische Risiken wie Extremwetterereignisse als auch Übergangsrisiken durch neue Regulierungen. Verknüpfen Sie diese Analyse mit Szenarioplanungen, um die Auswirkungen auf Umsatz, Kosten und Lieferketten zu simulieren. Integrieren Sie die Ergebnisse konsequent in Standortentscheidungen, Investitionsplanung und Business-Continuity-Management. Ergänzen Sie Ihre Strategie durch Frühwarnsysteme und dynamisches Monitoring, damit Sie Risiken kontinuierlich bewerten und schnell reagieren können. So schaffen Sie belastbare Entscheidungsgrundlagen für langfristige Resilienz.

Ein Blick in die Praxis: Ein Technologieunternehmen stellte fest, dass die potenziellen Schäden durch ein 2020 erlebtes Flutereignis bis 2025 um bis zu 50 % höher ausgefallen wären. Auf Basis dieser Analyse wurden Schutzmaßnahmen priorisiert und Lieferketten diversifiziert – mit messbarem Resilienzgewinn.

Nutzen Sie CSRD, EU-Taxonomie und Co. nicht nur zur Erfüllung von Berichtspflichten, sondern als strategischen Hebel und Chance Ihre Datenlandschaft und Prozesse zu standardisieren, um Transparenz und Vergleichbarkeit zu schaffen. Automatisieren Sie Reporting und Analysen, um Effizienzgewinne zu erzielen und Ressourcen zu entlasten. Verknüpfen Sie regulatorische Anforderungen mit Performance-Kennzahlen, damit Nachhaltigkeit nicht nur dokumentiert, sondern aktiv gesteuert wird. So nutzen Sie das Reporting über Compliance hinaus als unternehmerisches Steuerungselement für strategische Geschäftsentscheidungen.

Ein Blick in die Praxis: Ein Lebensmittelunternehmen erkannte nach der ersten CSRD-konformen Datensammlung erhebliche Einsparpotenziale im Energie- und Abfallmanagement. Durch gezielte Optimierungen sanken operative Kosten messbar – ein direkter Mehrwert über die reine Compliance hinaus.

Entwickeln Sie eine integrierte Energiestrategie, die Verbrauchsoptimierung, Eigenstromerzeugung, Lastmanagement und Flexibilitätsoptionen kombiniert. Nutzen Sie digitale Monitoring- und Prognosetools, um Energieflüsse transparent zu machen und Kosten zu senken. Diversifizieren Sie Ihre Energiequellen, um Versorgungssicherheit zu erhöhen und Preisrisiken zu reduzieren. Verknüpfen Sie Ihr Energiemanagement mit Dekarbonisierungszielen, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen und neue Marktchancen zu nutzen. So sichern Sie Ihre Wettbewerbsfähigkeit und reduzieren gleichzeitig Kosten und Risiken.

Ein Blick in die Praxis: Ein globaler Lebensmittelkonzern identifizierte Chancen, rund 60 % seiner Energiekosten einzusparen – durch Gebäudemodernisierung, Solarinstallationen und Batteriespeicher. Die Maßnahmen führten zu mehr Versorgungssicherheit und reduzierten Preisvolatilität.

Schaffen Sie Transparenz entlang Ihrer gesamten Lieferkette – von Risiken über Emissionen bis hin zu Compliance-Anforderungen. Setzen Sie digitale Plattformen ein, um eine End-to-End-Sicht zu ermöglichen, und definieren Sie klare Governance-Strukturen mit Verantwortlichkeiten und Eskalationsprozessen. Integrieren Sie Nachhaltigkeits- und Risikoindikatoren in Ihre Beschaffungsentscheidungen, um Resilienz und Reputation zu stärken. Fördern Sie Partnerschaften mit Lieferanten, um gemeinsame Standards und Innovationen voranzutreiben. So minimieren Sie Risiken und steigern gleichzeitig Effizienz und Vertrauen in Ihre Lieferkette.

Ein Blick in die Praxis: Ein Einzelhändler steigerte durch transparente Lieferkettendaten seine Marge, indem er Food-Waste reduzierte und über dynamische Preisoptimierung 2 - 5 % mehr Umsatz erzielte. Zudem sanken Risiken, da Compliance-Verstöße frühzeitig erkannt wurden.

Analysieren Sie nationale und internationale Förderkulissen systematisch und entwickeln Sie eine klare Fördermittelstrategie. Integrieren Sie diese Strategie in Ihre Investitions- und Transformationsplanung, um Projekte wirtschaftlich darstellbar zu machen. Nutzen Sie digitale Tools für Recherche und Antragstellung, um Geschwindigkeit und Erfolgsquote zu erhöhen. Bauen Sie interne Kompetenzzentren für Fördermanagement auf oder lassen Sie sich von externen Fördermittelexperten beraten, um Wissen zu bündeln und Skaleneffekte zu erzielen. So beschleunigen Sie Ihre Transformation und sichern sich finanzielle Vorteile für nachhaltige Investitionen.

Ein Blick in die Praxis: Ein globaler Zementhersteller konnte dank staatlicher Incentives rund 50 % der Kosten für emissionsreduzierende Modernisierungsprojekte kompensieren – ein entscheidender Schritt, um Dekarbonisierung wirtschaftlich darstellbar zu machen.

Fazit

Nachhaltigkeit ist längst ein zentraler Performance- und Wettbewerbsfaktor – weit über reine Compliance hinaus. Unternehmen, die Klimarisiken aktiv managen, regulatorische Vorgaben strategisch nutzen und ihre Wertschöpfungsketten nachhaltig ausrichten, erhöhen ihre Resilienz und erschließen neue Effizienz- und Wertschöpfungspotenziale. Nachhaltige Transformation ist damit kein Kostenblock, sondern ein Business Case – und wer jetzt handelt, sichert sich die Marktchancen von morgen.

Die Autoren

Rainer Kroker
Rainer Kroker

Partner, Sustainability Lead, PwC Germany

Rainer Kroker ist Partner und Sustainability Leader bei PwC Deutschland. Gemeinsam mit seinem interdisziplinären Team unterstützt er Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Entwicklung nachhaltiger Strategien über die Verankerung von ESG in täglichen Abläufen bis hin zu Reporting und Steuerung der unternehmerischen Auswirkungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung wirksamer Transformationsprogramme, einschließlich der Energietransformation, sowie auf der Integration von Nachhaltigkeit in Governance-, Daten- und Steuerungsstrukturen.
Martin Weirich
Martin Weirich

Partner, Financial Services Sustainability Consulting Lead, PwC Germany

Martin Weirich ist Partner und leitet den Bereich Financial Services Sustainability Consulting bei PwC Deutschland. Er unterstützt Banken und Asset Manager dabei, Nachhaltigkeit in Geschäftsmodelle, Risikoanalysen und Steuerungsprozesse zu integrieren. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Menschen- und Transformationsperspektive: dem Aufbau nachhaltiger Kompetenzen, der Befähigung von Mitarbeitenden, Change-Management sowie der Entwicklung von Governance- und Rollenmodellen, die Nachhaltigkeit fest im Unternehmen verankern.
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