Leben und arbeiten in Stuttgart und Region

PwC-Studie 2022: Hohe Wohnkosten beunruhigen Arbeitnehmer:innen

Ihr Experte für Fragen

Marcus Nickel

Marcus Nickel
Standortleiter Stuttgart bei PwC Deutschland
Tel.: +49 175 9365-908
E-Mail

Hohe Mieten und Immobilienpreise mindern Attraktivität für Arbeitnehmende

Die Menschen aus Stuttgart und der Region leben gerne hier, aber die angespannte Situation auf dem Wohn- und Immobilienmarkt wird zunehmend zum Negativfaktor für die Attraktivität der Region. Das zeigt eine Umfrage von PwC unter 400 Arbeitnehmer:innen der Region Stuttgart. 42 Prozent der Befragten haben wegen hoher Mieten schon einen Jobwechsel erwogen, 10 Prozent haben den Job tatsächlich gewechselt.

Die überwiegende Mehrheit (80 Prozent) sieht im teuren und deutlich angespannten Wohnungs- und Immobilienmarkt der Region dann auch einen Faktor für den von vielen Unternehmen beklagten Fachkräftemangel. Generell schätzen die Befragten aber die Lebensqualität in Stuttgart und dem Umland: 90 Prozent fühlen sich hier wohl oder sogar sehr wohl.

„Die Diskrepanz zwischen dem, was sich die Menschen leisten können und was als Mieten oder für Immobilien gefordert wird, ist schon sehr groß geworden. Selbst für Menschen, die gut verdienen. Angesichts der Inflation und den steigenden Energiepreisen verschärfen sich die Sorgen, die Bereitschaft zum Standortwechsel steigt. Hier müssen die Arbeitgeber der Region aufmerksam werden, denn die hohen Mieten sind mittlerweile ein negativer Faktor bei der Gewinnung von Fachkräften.“

Marcus Nickel,Standortleiter PwC in Stuttgart

Die Studie im Überblick

Angespannter Wohnungsmarkt verschärft den Fachkräftemangel

Fast die Hälfte der Befragten in der Region Stuttgart denkt wegen der steigenden Wohnkosten über einen Jobwechsel nach (42 Prozent) oder hat ihn bereits vollzogen (10 Prozent). Das sollte für Politik, vor allem aber für Wirtschaft und Arbeitgeber ein Warnsignal sein.

Viel zu wenige freie Wohnungen und zu hohe Mieten schmälern die Attraktivität von Stadt und Umland für 68 Prozent der Befragten erheblich. Zudem gehen gut drei Viertel davon aus, dass sich die Situation in der nächsten Zeit auch nicht verbessert, sondern eher verschärft. Über alle Einkommensgruppen hinweg machen sich die Befragten Sorgen darüber, was das für Menschen in Berufen heißt, in denen keine Spitzenlöhne gezahlt werden, wie in Pflegeberufen oder bei der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wenn sich nur noch Gutverdienende das Wohnen in der Stadt leisten können, und Pflegekräfte, Busfahrer:innen oder städtische Angestellte und Arbeiter wegziehen müssen, wirkt sich das auch auf die Lebensqualität aller aus, die in der Region Stuttgart leben und arbeiten.

Infografik: Wird aufgrund zu hoher Mieten der Job gewechselt?

Bewohner:innen sehen Handlungsbedarf bei Politik und Wirtschaft

Die Befragten aus der Region Stuttgart haben recht konkrete Vorstellungen, warum der Wohnungsmarkt in Stuttgart und in der Region so angespannt ist: Ein jahrzehntelang vernachlässigter sozialer Wohnungsbau (47 Prozent), eine zu späte Reaktion der Politik (46 Prozent) und zu wenig innerstädtisches Bauland (40 Prozent) sind die drei meistgenannten Gründe.

Der öffentlichen Hand kommt für die Befragten eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Wohnkostenkrise zu. 90 Prozent wollen mehr Wohnungsbauprogramme für bezahlbaren Wohnraum. 85 Prozent sehen in der steuerlichen Berücksichtigung von Wohnkosten eine sinnvolle Lösung. Genauso viele möchten gewerbliche genutzte Immobilien in Wohnraum umwandeln.

„Sinnvoll sind aus meiner Sicht auch Maßnahmen wie die der Stadt Stuttgart, die seit einiger Zeit ihre eigene Satzung gegen Wohnraumzweckentfremdung strenger und aktiver umsetzt. Aus unserer Befragung lässt sich auch schließen, dass die Überlegungen des Stuttgarter Oberbürgermeisters Dr. Frank Nopper, Wohnungen zurück in städtischen Besitz zu bringen, durchaus Rückhalt in der Bevölkerung finden.“

Marcus Nickel,Standortleiter PwC in Stuttgart

Auch Unternehmen sind gefordert

Arbeitnehmer:innen erwarten Problembewusstsein von Unternehmen

Die befragten Arbeitnehmer:innen aus Stuttgart und der Region sehen aber auch die Wirtschaft bzw. Unternehmen gefordert, ihren Beitrag zur Entspannung der Wohnkostenkrise zu leisten. So sehen jeweils über 80 Prozent der Befragten in Mietkostenzuschüssen oder in der teilweisen Übernahme der Fahrtkosten zum Arbeitsplatz eine zielführende Maßnahme. Hier spielt der hohe Anteil von Pendler:innen eine Rolle: Insgesamt pendeln etwa zwei Drittel der Berufstätigen aus dem Großraum Stuttgart zu ihrer Arbeitsstelle. 13 Prozent pendeln nach Stuttgart. Im Umland liegt der Anteil der Berufspendler:innen mit drei Vierteln deutlich höher. Wer hingegen in Stuttgart wohnt, arbeitet oft auch dort (66 Prozent).

Auch in der PwC Befragung stoßt die Idee, den eigenen Mitarbeitenden und ihren Familien Betriebswohnungen anzubieten, auf Zuspruch: 80 Prozent der Befragten sehen sie als eine Lösung für die schwierige Wohnsituation an.

Flexiblere Homeoffice-Lösungen gewünscht

Wer als Unternehmen seinen Arbeitnehmer:innen keine oder nur geringe Möglichkeiten zum Remote-Arbeiten, vor allem im Homeoffice, anbietet, läuft Gefahr, als Arbeitgeber an Attraktivität zu verlieren. 80 Prozent der Befragten halten Remote-Work und Homeoffice für ein gutes Instrument, um Fachkräfte trotz hoher Mietkosten im Unternehmen zu halten.

Infografik: Was können Unternehmen tun, um Fachkräfte trotz hoher Mieten zu halten?

Homeoffice: Angebotslücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Auch wenn Homeoffice von 80 Prozent der Befragten als ein Angebot bewertet wird, das Unternehmen als Arbeitgeber attraktiver macht, geben 38 Prozent an, bei ihnen sei Homeoffice gar keine Option.

Aber auch bei den Arbeitnehmer:innen, bei denen Homeoffice möglich ist, klaffen Wunsch und Wirklichkeit auseinander: 73 Prozent der Befragten, die in irgendeiner Form im Homeoffice arbeiten können, wünschen sich eine Lösung ohne Anwesenheitspflicht und Abstimmung. Tatsächlich dürfen aber nur 46 Prozent diese hochflexible Form von Remote-Work nutzen. Das ist der gleiche Prozentsatz wie vor der Corona-Pandemie. 24 Prozent haben ein festes Homeoffice-Tagekontingent (ø 5,1 Tage im Monat). Vor der Pandemie arbeiteten nur 12 Prozent in diesem Homeoffice-Modell.

Infografik: Welche Homeoffice-Regelung wünschen sich die Berufstätigen?

Weitere Ergebnisse im Überblick

Stadtflucht als Alternative?

Mehr Natur, mehr Ruhe, günstigere Mieten: Darin sehen gut zwei Drittel der Befragten der Region Stuttgart die Vorteile des Lebens auf dem Land beziehungsweise im ländlich geprägten Umland der Städte der Region. Vor allem für junge Familien ist ein Umzug aus der Stadt deswegen eine Option. Wer schon auf dem Land lebt, nennt vor allem die Ruhe, Natur, größere Wohnflächen und die Attraktivität für Kinder als großen Vorteil. Städter:innen hoffen daneben vor allem auf günstigere Mieten. 71 Prozent können sich vorstellen, für eine günstigere oder größere Wohnung aufs Land zu ziehen.

Umzug aufs Land nur bedingt attraktiv

Über die Hälfte der in Stuttgart lebenden Befragten geht aber auch davon aus, dass sich auf dem Land Zugang zu öffentlichem Nahverkehr, der Zugang zur medizinischen Versorgung sowie die Einkaufsmöglichkeiten deutlich verschlechtern. Außerdem müssen mehr Zeit und Geld für das Pendeln zum Arbeitsplatz und die tägliche Versorgung aufgewendet werden. Jeweils rund ein Drittel sehen die Möglichkeiten von Kinderbetreuung und Schulwahl auf dem Land kritisch oder vermissen kulturelle Angebote und Vielfalt.

Der ländliche Raum ist für eine Mehrheit der Befragten als Ausweichregion für den überlasteten städtischen Wohnmarkt also nur bedingt attraktiv, zumal 78 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass es überall nicht so einfach ist, eine passende und bezahlbare Wohnung zu finden.

Die Methodik

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung unter 400 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren im Großraum Stuttgart im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Follow us

Contact us

Marcus  Nickel

Marcus Nickel

Standortleiter Stuttgart, PwC Germany

Tel.: +49 175 9365908

Hide