Arbeiten hat heute ein neues Gesicht. Wo früher der feste Arbeitsplatz dominierte, entstehen flexible, vernetzte und zunehmend digitale Arbeitswelten. Homeoffice und Büro sind längst keine Gegensätze mehr, sondern zwei Seiten derselben Medaille.
Zwischen diesen Polen entstehen hybride Arbeitswelten, die Chancen eröffnen, aber auch neue Fragen aufwerfen: Wie gestalten Unternehmen diese neuen Räume so, dass sie produktiv, motivierend und nachhaltig sind? Welche Veränderungen wurden bereits umgesetzt?
Welche Rolle spielt das Büro – gibt es eine Rückkehr der Beschäftigten? Und wie können Arbeitgeber sicherstellen, dass Mitarbeitende nicht nur leistungsfähig, sondern auch langfristig zufrieden bleiben?
Unsere aktuelle Studie „Home & Office – Better Together“ geht genau diesen Fragen auf den Grund. Sie verbindet Stimmen von 100 Arbeitgebern und 500 Arbeitnehmenden deutscher Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und macht sichtbar, wie Unternehmen hybride Arbeitswelten heute gestalten und welche Trends diese prägen werden.
Doch was bedeuten die Ergebnisse für HR? Welche Implikationen ergeben sich für die Workforce-Strategie von Unternehmen?
Wir sehen vier zentrale Handlungsfelder, die hybrides Arbeiten wirksam und zukunftsfähig machen:
Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass bereits 83 % der Beschäftigten regelmäßig im Homeoffice arbeiten, 58 % mindestens zwei Tage pro Woche.
Doch wie sieht die Zukunft aus? 77 % der Unternehmen planen, bestehende Homeoffice-Regelungen fortzuführen oder sogar auszuweiten. Nur 23 % der Unternehmen haben vor, bestehende Homeoffice-Regelungen einzuschränken.
Die Studie zeigt auch: Unternehmen, die eine Erweiterung in Betracht ziehen, wollen insbesondere die Flexibilität und Entscheidungsfreiheit ihrer Mitarbeitenden stärken – begründet durch Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und Produktivität sowie den drängenden Fachkräftemangel. Eine in den Medien oft diskutierte pauschale Return-to-Office-Bewegung lässt sich nicht ableiten.
Unternehmen stehen vor der Aufgabe, bestehende oder neue Homeoffice-Regelungen klar zu definieren und transparent zu kommunizieren. Gleichzeitig sollte Flexibilität bewusst strategisch verankert werden: Hybride Arbeitsmodelle brauchen klare Leitplanken, verbindliche Teamabsprachen und echte Wahlfreiheit. Erst diese Kombination aus klarer Regelung und gelebter Flexibilität steigert die Produktivität und stärkt nachhaltig die Mitarbeiterbindung.
Homeoffice ist (noch) ein Generationenthema. Während unserer Studie zufolge übergreifend 88 % der Beschäftigten die durch Homeoffice gewonnene Flexibilität auch zukünftig beibehalten möchten, zeigt sich in den verschiedenen Altersgruppen ein unterschiedliches Bild. Vermehrt sind es die jüngeren Befragten unter 40, die mindestens die Hälfte ihrer wöchentlichen Arbeitszeit von zu Hause aus arbeiten möchten. Die Tendenz ist mit dem Alter abnehmend. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Personen, die sich kein Homeoffice wünschen, mit dem Alter zu.
Insbesondere der Eintritt jüngerer Generationen in den Arbeitsmarkt erhöht also den Stellenwert von Homeoffice im Wettbewerb um Fachkräfte.
Interessant ist auch ein Blick in die Produktivitätseinschätzung im Homeoffice. 87 % der Arbeitgeber und 89 % der Beschäftigten sehen laut Studie im Homeoffice eine gleichbleibende oder höhere Produktivität; jedoch geben nur 30 % der über 60-Jährigen an, im Homeoffice produktiver zu sein.
Wachsende Erfahrung, berufliche Routine, technologische Integration und veränderte Arbeitskulturen können Gründe für die hohe wahrgenommene Produktivität sein. Gleichzeitig werden unterschiedliche Bedürfnisse verschiedener Generationen in hybriden Arbeitsmodellen sichtbar.
Unternehmen sollten generationsspezifische Bedürfnisse gezielt berücksichtigen: Jüngere Mitarbeitende erwarten mehr Autonomie und digitale Tools, während ältere Beschäftigte oft zusätzliche Unterstützung im hybriden Arbeiten benötigen. Entsprechend helfen Trainings, persönliche Einführungssessions oder ergonomische Setups, die Produktivitätslücke für über 60-Jährige zu schließen – ohne die für jüngere Generationen wichtige Flexibilität einzuschränken.
Unternehmen haben bereits vielfältige Maßnahmen ergriffen, um hybride Arbeitsweisen für ihre Mitarbeitenden und Führungskräfte zu unterstützen. Dazu gehören vor allem verbesserte technische Lösungen, Analyse der Bedürfnisse der Arbeitnehmenden, Führungskräfteschulungen, neue Prozesse beziehungsweise Richtlinien für die Zusammenarbeit sowie Einbindung der Mitarbeitenden (Top-5-Maßnahmen).
Eine Gegenüberstellung mit der Perspektive der Mitarbeitenden zeigt ein uneinheitliches Bild. Auf die Frage, welche Maßnahmen Mitarbeitende für effektiveres und effizienteres Arbeiten in hybriden Umgebungen wünschen, nennen diese vor allem die technische Unterstützung/Ausstattung im Homeoffice, klare Kommunikation und Transparenz bezüglich hybrider Regeln, Schulungen für effizientes Arbeiten von zu Hause sowie regelmäßige Feedbackmöglichkeiten zu Erfahrungen mit hybrider Arbeit.
Insbesondere mit Blick auf die technische Ausstattung sowie das Schulungsangebot lässt sich auf Basis der Ergebnisse feststellen, dass die Angebote der Arbeitgebenden den Wünschen der Arbeitnehmenden (noch) nicht in ausreichendem Maße gerecht werden. Zudem scheint es zwar in vielen Unternehmen bereits Regeln für hybride Arbeit zu geben, sie sind den Mitarbeitenden aussagegemäß aber nicht ausreichend bekannt.
Unternehmen sollten Co-Creation gezielt stärken und Mitarbeitende aktiv in die Gestaltung hybrider Arbeitsmodelle, Büroangebote und Teamrituale einbeziehen, um Wirksamkeit und Akzeptanz zu erhöhen. Gleichzeitig gilt es, den Dialog zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden auszubauen und Maßnahmen praxisnah auszurichten, um die Produktivität im hybriden Arbeiten weiter zu steigern.
Homeoffice ist ein fester Bestandteil des Arbeitsalltags und zentraler Treiber hybrider Arbeitsmodelle geworden. Für 44 % ist Homeoffice ein entscheidendes Kriterium bei der Arbeitgeberwahl. Besonders ausgeprägt ist dies bei den jüngeren Generationen unter 50 Jahren.
Zu den größten Vorteilen der (gelegentlichen) Arbeit im Homeoffice zählen der Wegfall der Pendelzeit, mehr Flexibilität in der Tagesgestaltung, eine bessere Work-Life-Integration und Kosteneinsparungen (Top-5-Vorteile). Besonders stark werden einzelne Vorteile dabei von Mehrpersonenhaushalten mit Kindern wahrgenommen.
Angesichts dessen ist nicht verwunderlich, dass zukünftige Einschränkungen der Homeoffice-Möglichkeiten 21 % der Befragten zu einem Jobwechsel bewegen würden.
Das Homeoffice hat damit nicht nur eine hohe Relevanz mit Blick auf die Arbeitgeberattraktivität, sondern kann als Treiber für mehr Inklusion und Chancengleichheit am Arbeitsplatz verstanden werden. Es fördert eine ausgewogenere Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern und ermöglicht insbesondere Erwerbstätigen mit familiären Verpflichtungen eine stärkere berufliche Teilhabe.
Unternehmen sollten hybride Arbeit gezielt als Hebel für Inklusion und Chancengleichheit nutzen und ihre Arbeitsmodelle so gestalten, dass sie unterschiedlichen Lebenssituationen verlässlich gerecht werden – etwa durch flexible Arbeitszeiten, Care-sensible Regelungen und transparente Karrierepfade. So erhöhen sie ihre Attraktivität im Wettbewerb um Fachkräfte und stärken die langfristige Mitarbeitendenbindung.
Studie: Home & Office – Better Together
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