Das deutsche Gesundheitswesen auf dem Prüfstand

03 Januar, 2019

Welche „Medizin“ die kränkelnde deutsche Gesundheitswirtschaft fit für die Zukunft machen kann 

Die deutsche Gesundheitswirtschaft steht vor immensen Herausforderungen. Die Branche, die Politik und die Bevölkerung wissen, dass das Gesundheitswesen nur durch einen tiefgreifenden Wandel und neue Rahmenbedingungen zukunftssicher werden kann. Dabei geht es beispielsweise um bessere Arten der längst unzureichenden Krankenhausfinanzierung, um moderne, ausreichende und bürgerfreundliche medizinische Leistungen in unterversorgten Regionen. 

Um eine höhere Arzneimittelsicherheit, um bessere Kommunikation zwischen behandelnden Ärzten sowie um die Implementierung von effizienten neuen Technologien. Denn der schleichende Qualitätsverlust in der deutschen Gesundheitswirtschaft muss gestoppt werden. Das gilt auch für die Pflege. 

Download Studie, PDF (1,63 MB)

Informationen für Gesundheit – des Systems und der Patienten

Doch wie kann dieses Vorhaben gelingen? Diese Frage beantwortet die PwC-Studie „Das deutsche Gesundheitswesen auf dem Prüfstand. Entwicklung eines Therapieplans“. Für diese ausschließlich an der Praxis orientierten Veröffentlichung hat PwC seine gesundheitswirtschaftlichen Bevölkerungsumfragen der Jahre 2013 bis 2018 nochmals betrachtet und die Aussagen von fast 15.000 in Deutschland lebenden Menschen mit aktuellen politischen Entscheidungen sowie branchen- und gesellschaftsrelevanten Entwicklungen verknüpft.

Dabei stellte sich heraus: Die vielfach geäußerte Kritik der Befragten zielt weniger auf ärztliche Tätigkeiten und Leistungen und individuelle Behandlungen, sondern hängt vielmehr mit den vier Megatrends zusammen: demografischer Wandel, Digitalisierung, Individualisierung und Urbanisierung. Allein der demografische Wandel hat spürbare Konsequenzen: zunehmenden Fachkräftemangel, weniger Zeit der Ärzte für Beratungsgespräche, längere Wartezeiten für Patienten bei Facharztterminen, steigende Komplexität von Pflegesituationen und mehr krankheitsbedingte Arbeitsausfälle zum Beispiel. 

Relevante Teile der Bevölkerung sehen Krankenhäuser und Fachärzte kritisch

Nach einer Bevölkerungsumfrage von PwC waren im Jahr 2017 zwar ganze 87 Prozent der Befragten mit ihrem Hausarzt „sehr zufrieden“ oder „einigermaßen zufrieden“. Mit Blick auf die Krankenhäuser sagten dies allerdings nur noch 59 Prozent. Und nach den Fachärzten befragt, blieb nur noch knapp mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer bei ihrer positiven Bewertung. 

Fehlende Zeit des Arztes sorgt zunehmend für Kritik

Der Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft, Michael Burkhart, stellt fest: „Politische Reformversuche in der Gesundheitswirtschaft erlebt Deutschland etwa alle zwei Jahre. Allerdings bleiben wichtige Aufgaben unberührt.“ Michael Burkhart leitet aus der Studie Handlungsempfehlungen für einen strukturellen Neustart bei Medizin und Pflege ab.

„Die Kliniken brauchen mehr Anreize, bei Medizin und Pflege zu den besten in ihrem Zuständigkeitsbereich zu gehören.“

Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft

So schlägt er eine überwiegend monistische Krankenhausfinanzierung durch die Krankenkassen vor, wie sie bereits in der Altenpflege, der Rehabilitation und der Diagnostik besteht. Denn die duale Finanzierung der Krankenhäuser durch Krankenkassen und Bundesländer führt regelmäßig zu Konflikten darüber, wer bestimmte Leistungen und Investitionen finanzieren muss. Am Ende zahlt häufig niemand und wichtige Veränderungen bleiben aus – mit negativen Auswirkungen, auch auf die Gesundheit der Bürger. 

Zudem würde er Kliniken belohnen, die stärker auf Prävention als auf Behandlung von Krankheiten setzen. Und wählten Patienten lieber ein anderes als das eigentlich für sie zuständige Krankenhaus, müsste das „Heimatkrankenhaus“ dem behandelnden Krankenhaus einen bestimmten Betrag bezahlen. „So bestünde ein Anreiz für jede Klinik, in ihrem Zuständigkeitsbereich die beste zu sein“, sagt Michael Burkhart. 

Die Gesundheitswirtschaft auf dem Land fördern

Für die medizinisch strukturell unterversorgten ländlichen Regionen schlägt er Zentren vor, in denen sich gründungswillige Ärzte zusammentun. Diese sollte der Staat mit Existenzgründungs-Förderprogrammen oder zinslosen Gründungsdarlehen unterstützen. Für eine Steigerung der Arzneimittelsicherheit sind E-Health-Systeme eine effiziente Lösung. Denn sie können eine Vielzahl an Wirkstoffkombinationen in der Medizin sehr schnell überblicken und entsprechende Informationen sofort liefern. Studien zeigen, dass IT-Lösungen Medikationsfehler um mehr als 80 Prozent verringern können. 

Die Studie gibt allen Beteiligten an der deutschen Gesundheitswirtschaft

  • einen leicht zugänglichen Überblick über den Status quo zum Thema,
  • nennt die wichtigsten Ursachen für ihre Schwächen,
  • empfiehlt erste Schritte zur Bewältigung der Herausforderungen und
  • gibt weitere Empfehlungen für die wichtigsten Handlungsfelder.

Die Relevanz der Gesundheit lässt sich übrigens auch an volkswirtschaftlichen Zahlen bemessen: Die Bruttowertschöpfung der deutschen Gesundheitswirtschaft lag 2017 bei fast 350 Milliarden Euro und ist damit um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Und die medizinische Versorgung ist ein Treiber dieser Entwicklung. Zudem geht es um 4,7 Millionen Beschäftigte in der medizinischen Versorgung, um eine Million Beschäftigte in der industriellen Gesundheitswirtschaft und um 1,7 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in weiteren Teilbereichen.

Laden Sie sich die wertvollen Informationen der Studie herunter oder lesen Sie diese direkt hier. Die PwC-Vorschläge zielen darauf ab, die Versorgung im Sektor Gesundheit als wichtigen Teil der Daseinsvorsorge zu erhalten und zu verbessern. Über eine Reflexion der PwC-Vorschläge auch im direkten Austausch freuen wir uns.   

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Michael Burkhart

Leiter Gesundheitswirtschaft und Managing Partner Region Mitte, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585-0

Sevilay Huesman-Koecke

Head of Business Development, PwC Germany

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