Die Digitalisierung verändert Unternehmen weltweit und branchenübergreifend

Sekundenschneller Datenaustausch, Zeitung on demand und mobile Mehrwertdienste – digitale Technologien haben sich längst im privaten und geschäftlichen Alltag etabliert. Der digitale Wandel ist allumfassend, allgegenwärtig und verändert Markt, Mensch, Umwelt und Gesellschaft. "Technologien wie Social Media und Cloud Computing zwingen Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken. Gleichzeitig ermöglichen sie Innovationen, die einerseits gute Wachstumschancen bieten, andererseits aber auch zur Bedrohung für traditionelle Geschäftsmodelle werden können", sagt PwC-Experte Michael Rasch.

Im Gespräch mit Michael Rasch, Partner und Digital Transformation Leader bei PwC, und Dr. Carsten Hentrich, Experte für Geschäftsprozesse und Director bei PwC


Michael Rasch

Was unterscheidet die aktuelle „Digitale Transformation” von einer klassischen Business-Transformation?

Michael Rasch: Der aktuelle Wandel wird vor allem durch digitale Technologien wie Social Media, Mobility oder Cloud Computing vorangetrieben. Mittlerweile ist es normal, dass Kundenanfragen über soziale Netzwerke beantwortet, neue Mitarbeiter online ausgewählt und Kunden via Crowdsourcing am Innovationsprozess beteiligt werden. In Verbindung mit der "Always On"-Kultur unserer Gesellschaft und einem verändertem Konsumentenverhalten führt das zu einer der größten Umwälzungen, die die Unternehmenswelt jemals bewältigen musste.


Dr. Carsten
Hentrich

Betreffen diese Veränderungen nicht vor allem Medienunternehmen und die Konsumgüterbranche?

Dr. Carsten Hentrich: Egal ob Banken, Medienkonzerne, Lebensmittelhersteller oder Automobilhersteller: Unternehmen sind weltweit und branchenübergreifend von der Digitalisierung betroffen. Dabei sind die Möglichkeiten und Risiken stark von den industriespezifischen Geschäftsmodellen abhängig. Ein Finanzinstitut sieht sich ganz anderen Bedürfnissen gegenüber als ein Maschinenbauer oder ein Einzelhändler. Nehmen wir ein Beispiel aus dem Online-Versandhandel: Zurückgesandte Artikel sind ein großes Problem für die e-Commerce-Branche. Wer die Retouren reduzieren kann, ist erfolgreicher. Dafür müssen Versandhändler ihr Geschäftsmodell anpassen, indem sie beispielsweise ein systematisches Retouren-Management einführen. Dadurch ergeben sich Wettbewerbsvorteile und eine erhöhte Kundenbindung.

Wie genau verändert die Digitalisierung den Markt, die Kunden und die Wertschöpfung?

Rasch: Der Markteintritt für Start-ups ist heute viel leichter. Denn dank neuer Technologien wie Cloud Computing benötigen sie viel weniger Startkapital. Das verschärft einerseits den globalen Wettbewerb und erhöht andererseits die Innovationsgeschwindigkeit. Etablierte Großkonzerne kaufen kleinere Unternehmen auf und erschließen damit neue Märkte. Gleichzeitig ändern sich die Kundenbedürfnisse. Der moderne Verbraucher ist immer mobil, vernetzt und hat jederzeit vollständige Transparenz. Er legt mehr Wert auf Service und Qualität. Das Eigentum an einem Produkt wird zur Nebensache. Und letztlich verändert sich die Wertschöpfung: Die Produkte eines Unternehmens werden immer mehr durch mobile Services und das Internet ergänzt. Darüber hinaus etablieren sich auch völlig neue Geschäftsmodelle, die vollkommen auf den digitalen Technologien basieren.

Wie weit ist die digitale Transformation aus Ihrer Sicht denn schon fortgeschritten?

Hentrich: Das kommt auf die Branche an. Grundsätzlich lassen sich vier digitale Wellen unterscheiden: In der ersten Welle nutzen Unternehmen Online-Kanäle und Online-Werbung, um ihren Absatz zu unterstützen. Bei der zweiten Welle rückt der Kunde stärker in den Mittelpunkt: Anhand von Kundendaten analysieren Unternehmen die Bedürfnisse und das Verhalten ihrer Kunden. Dadurch entstehen individualisierte Angebote. In Welle drei lässt sich dann schon von einer „Digital Identity“ sprechen: Kunden benennen ihre Bedürfnisse konkret und werden vor allem durch Social Media langfristig eingebunden. In der vierten Welle entwickeln sich regelrechte "digitale Ökosysteme": Nicht mehr die Produkte, sondern die Kunden stehen im Mittelpunkt der Unternehmen. Produkte und Dienstleistungen aus unterschiedlichen Branchen werden in einem digitalen Ökosystem durch ein Partner-Netzwerk gebündelt. Viele Unternehmen der Medienbranche befinden sich beispielsweise schon in der zweiten oder dritten Welle. Maschinenbauer kommen bisher meist nicht über Stufe eins hinaus.

Bedeutet das für Unternehmen, dass sie sich digital neu erfinden müssen?

Rasch: Um den Kundenbedürfnissen langfristig gerecht zu werden und den Anschluss an die Wettbewerber nicht zu verpassen, müssen Unternehmen auf die weitreichenden Entwicklungen einer digitalisierten Welt reagieren. Nur so können sie im digitalen Zeitalter überleben. Für die meisten Unternehmen steht dieser Wandel noch aus. Die Herausforderung: Nur selten lassen sich neue, innovative Geschäftsmodelle flexibel und einfach auf das traditionelle Geschäft übertragen. Entsprechend hoch ist der Druck, auch klassische Geschäftsmodelle zu hinterfragen, anzupassen und in neue Modelle einzuarbeiten.

Was ist die Gefahr, wenn Unternehmen diese Entwicklung verschlafen?

Hentrich: Bereits heute integrieren die führenden innovativen Unternehmen digitale Technologien in ihre bestehenden Geschäftsmodelle. Für den Großteil der Unternehmen heißt das: Sie müssen einen schnellen und effizienten Weg finden, sich neu zu justieren und Bestandsmodelle entsprechend digital zu transformieren. Die Zeit drängt. Denn IT- und High-Tech Unternehmen fassen immer stärker in traditionellen Märkten und Branchen wie Handel, Telekommunikation, Gesundheits- oder Finanzwesen Fuß. Branchengrenzen verschwimmen also immer mehr. Es entstehen bislang unbekannte Wettbewerber und Märkte.

Wie kann PwC unterstützen?

Rasch: Mit unserem Digital-Transformation-Ansatz bieten wir Unternehmen eine integrierte und branchenspezifische Beratung. Die PwC-Methode wurde entwickelt, um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Wachstumspotenziale in der digitalen Welt zu identifizieren und zu realisieren. Wir bewerten die "digitale Fitness" eines Unternehmens und helfen dabei, die Dynamik der digitalen Wirtschaft und die Erwartungen der Kunden zu verstehen und diese Potenziale auszuschöpfen. Wir begleiten Unternehmen sozusagen auf ihrer digitalen Reise.