Cyberattacken zählen zu den größten Risiken im Gesundheitswesen

20 April, 2017

Im Gespräch mit Michael Burkhart, Partner und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma bei PwC

Jahr für Jahr befragt PwC weltweit Führungskräfte aller Branchen nach ihrer Einschätzung für die Zukunft und ihren Sorgen. Was treibt CEOs aus der Gesundheitswirtschaft 2017 um? PwC-Experte Michael Burkhart erläutert die besonderen Chancen und Risiken dieses Sektors.


Verantwortliche aus dem Gesundheitswesen sehen in möglichen Datenpannen das größte Risiko für den Erfolg ihres Unternehmens. Warum ist das so?

Michael Burkhart: Das Gesundheitswesen ist wie kaum ein anderes vom vertrauenswürdigen Umgang mit Daten abhängig. Schließlich geht es da um Informationen über Patienten, die sehr persönlich sind und leicht missbraucht werden können. Andererseits eröffnet die Bereitstellung von Gesundheitsdaten den Patienten wie auch Ärzten, Krankenhäusern oder forschenden Pharmaunternehmen unglaubliche Möglichkeiten: Chronisch Kranke könnten zu Hause überwacht und betreut werden, Ärzte könnten Diagnosen leichter stellen und Therapien individueller auf Patienten abstimmen, wenn sie den Einzelfall mit Daten und Krankheitsverläufen anderer Patienten abgleichen können. Welche Ergebnisse hat ein Medikament bei vielen anderen gebracht? Das wäre anhand großer Datenpools leichter zu klären. Doch jedem Unternehmen, das so ein Geschäftsmodell entwickelt, ist bewusst: Sobald Datensicherheit nicht mehr gewährleistet ist, ist das Vertrauen der Stakeholder dahin.

Tun denn Unternehmen genügend für ihre Datensicherheit?

Burkhart: Der Gesundheitsbereich liegt im Vergleich mit anderen Branchen tendenziell zurück. Doch die Unternehmen beginnen allmählich gegenzusteuern. Krankenversicherungen und Organisationen im Gesundheitswesen haben ihre Budgets für die IT-Sicherheit in den vergangenen zwei Jahren um 79 Prozent erhöht. Die Branche geht das Thema Datenschutz offensiver an als andere. Doch es gibt noch viel zu tun: 75 Prozent der von uns befragten Führungskräfte sagen zwar, dass sie sich wegen Cyberattacken sorgen, doch nur 48 Prozent wappnen sich dagegen.

Cyberattacken zählen nicht nur national, sondern international gleichermaßen zu den größten Risiken im Gesundheitswesen.


Wie ist die Stimmung in der Branche?

Burkhart: Überwiegend gut, Tendenz steigend: Mehr als die Hälfte der Verantwortlichen aus dem Bereich Healthcare, die wir in unserem CEO Survey befragt haben, sind sehr optimistisch, was die Umsatzentwicklung ihres Unternehmens in den kommenden drei Jahren anbelangt. Noch im vergangenen Jahr waren es nur 37 Prozent. 46 Prozent rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einem Umsatzwachstum, das liegt deutlich über dem weltweiten Schnitt von 38 Prozent. Unternehmen des Gesundheitswesens sind mehr als andere Branchen auf der Suche nach strategischen Partnerschaften. Da geht es beispielsweise um Kooperationen mit branchenfremden Anbietern, die neue Technologien bereitstellen können, denen aber der klinische Hintergrund fehlt oder die die regulatorischen Anforderungen im Gesundheitswesen nicht kennen.

Welche Märkte entwickeln sich besonders dynamisch?

Burkhart: Vor allem im Bereich der Arzneimittel und der Biowissenschaft sind die Erwartungen hoch. 63 Prozent der Führungskräfte dieses Segments rechnen mit positiven Umsatzentwicklungen in den nächsten zwölf Monaten, 61 Prozent sind es bei einem Zeithorizont von drei Jahren. Doch Deutschland zählt im Gesundheitswesen nicht zu den Schlüsselmärkten: Kooperationen zielen vor allem auf Unternehmen in den USA (43 Prozent), China (23 Prozent) und Großbritannien (20 Prozent). Deutschland liegt mit neun Prozent deutlich zurück. Zum Vergleich: Bei allen Branchen in Deutschland liegt diese Quote bei 17 Prozent.

Wagen Sie einen Blick in die Zukunft?

Burkhart: In den kommenden fünf Jahren werden neue Technologien dem Gesundheitswesen ein völlig neues Gesicht geben. Der Umgang mit Daten wird für Unternehmen dabei den entscheidenden Unterschied machen. Aktuell geht es noch um medizinische Geräte oder Big Data. 

In Zukunft wird die künstliche Intelligenz mehr und mehr eine Rolle spielen, Mensch und Maschine werden zunehmend Hand in Hand arbeiten.


Im Idealfall kann sich der Arzt dann seinen Patienten intensiver widmen, weil Diagnose und Therapiepläne weniger Zeit in Anspruch nehmen. Das Gleiche gilt für Pflegekräfte. Auch sie können sich intensiver der Patientenbetreuung widmen. Vor allem im Hinblick auf den aufkommenden Fachkräftemangel, der besonders das Gesundheitswesen treffen wird, bieten neue Technologien Ärzten, Pflegekräften und im Endeffekt auch dem Patienten Vorteile. Die Chancen, die mit diesen Veränderungen einhergehen, sind enorm. Ich kann mir kaum einen spannenderen Entwicklungsabschnitt vorstellen als den, den wir gerade durchleben.

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Michael Burkhart
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