„New Health“ trifft bei den Patienten auf Akzeptanz

09 Mai, 2017

Robotik und künstliche Intelligenz revolutionieren die Medizin – doch wollen die Menschen das überhaupt?

Eine PwC-Umfrage zeigt nun: Die meisten Deutschen sehen in der Technisierung der medizinischen Versorgung eher Segen als Fluch. Warum das so ist, erklärt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma bei PwC in Deutschland.

Sie haben 2.050 Menschen in Deutschland gefragt, ob sie sich vorstellen können, statt zu einem menschlichen Arzt zu einem „Roboter-Doktor“ zu gehen. Das klingt eher nach „Science Fiction“ als nach einer normalen Medizinumfrage.

Michael Burkhart: Das ist richtig. Unsere Fragen waren ein Stückweit in die Zukunft gerichtet und auch bewusst provokativ. Denn bei allem technologischen Fortschritt – der Roboter wird den menschlichen Arzt auf absehbare Zeit nicht ersetzen, sondern ihm eher im Sinne einer „Assisted Intelligence“ zur Seite stehen.

Warum haben Sie die Fragen dann so gestellt?

Burkhart: Weil die Medizin am Beginn einer neuen Epoche steht. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar erschien, könnte aufgrund des Fortschritts auf Gebieten wie der Robotik oder der künstlichen Intelligenz in naher Zukunft bereits Realität sein. Darum war es wichtig zu erfahren, ob die Menschen in dieser Entwicklung eher eine Chance sehen – oder ob sie ihnen Unbehagen bereitet.

Was hat die Umfrage ergeben?

Burkhart: Das wesentliche Ergebnis lautet, dass die meisten Deutschen in der zunehmenden Technisierung der Medizin eher einen Segen als einen Fluch sehen. So können sich 41 Prozent tatsächlich vorstellen, eines Tages im Krankheitsfall anstelle des menschlichen Arztes einen „Robo-Doktor“ zu konsultieren – vorausgesetzt natürlich, dieser besitzt bis dahin ähnliche Fähigkeiten wie sein menschlicher Kollege. 43 Prozent der Befragten meinten zudem, sie würden sich bei einem kleineren Eingriff sogar von einem Roboter operieren lassen. Dagegen lehnen nur 25 Prozent die Vorstellung eines „Robo-Docs“ grundsätzlich ab.     

Haben Sie die Ergebnisse überrascht?

Burkhart: Zumindest finde ich es sehr bemerkenswert, wie offen viele Menschen dieser Entwicklung gegenüberstehen. Wobei wir natürlich auch auf – ich würde sagen: gesunde – Skepsis gestoßen sind. Einer der Kritikpunkte war, dass Medizin ohne „menschlichen Touch“ nicht auskomme. Zudem äußerten Befragte die Sorge, ob der „Robo-Arzt“ auch dann noch funktioniert,  wenn im Laufe einer Operation oder einer Therapie irgendetwas Unvorhergesehenes passiert.

„Unterm Strich glauben zwei Drittel der Befragten allerdings, dass Robotik und künstliche Intelligenz die medizinische Versorgung insgesamt verbessern werden.“

Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma bei PwC in Deutschland.

Wenn die „Robo-Medizin“ eines Tages tatsächlich Realität wird – werden die Vorbehalte dann eher zunehmen oder abnehmen?

Burkhart: Ich würde vermuten, sie nehmen weiter ab. Bei unserer Umfrage haben wir gemerkt, dass die Zustimmungswerte immer dann stiegen, wenn wir in unsere Fragen konkrete Anwendungsfälle einbezogen haben. Eine Frage lautete beispielsweise: „Einmal angenommen, Sie litten an Diabetes – wären Sie bereit, sich bei der Behandlung von einer assistierenden Technologie via PC/Tablet/Smartphone von einem Roboter anleiten zu lassen?“ Hierauf antworteten plötzlich nicht mehr nur 41 Prozent, sondern 51 Prozent der Teilnehmer mit „Ja“ – und nur noch 19 Prozent lehnten die Vorstellung entschieden ab. Darum glaube ich: Je greifbarer die Thematik und die persönliche Betroffenheit als Patient einbezogen wird, desto größer wird auch das Vertrauen in die neuen technologischen Möglichkeiten.

Sie haben die Ergebnisse nach Alter, Geschlecht usw. geordnet. Zeigten sich dabei auffällige Abweichungen?

Burkhart: Ja. Tendenziell sind die Jüngeren offener für „New Health“ – wie die Entwicklung in Fachkreisen genannt wird – als die Älteren. So äußerten sich bei der Diabetes-Frage nur 33 Prozent der 18- bis 24-Jährigen skeptisch oder sogar ablehnend. Bei den Über-65-Jährigen waren es dagegen 45 Prozent. Auch zwischen den Geschlechtern zeigten sich zum Teil deutliche Unterschiede. So meinten 46 Prozent der Männer, sie könnten sich vorstellen, zum „Robo-Doc“ statt zum menschlichen Arzt zu gehen – aber nur 37 Prozent der Frauen. Ebenfalls auffällig: In den ostdeutschen Bundesländern waren die Zustimmungswerte durchweg etwas höher als im Westen, besonders übrigens in Mecklenburg-Vorpommern. Das dürfte damit zusammenhängen, dass dort der Zugang zu medizinischen Leistungen aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte und weiterer Wege erschwert ist.

Was ist letzten Endes die Lehre aus der Umfrage?

Burkhart: Ob es uns gefällt oder nicht: Die Zukunft der Medizin liegt im vermehrten Einsatz von technologischen Hilfsmitteln. Unsere Umfrage zeigt, dass die Menschen diesen anstehenden Paradigmenwechsel unterstützen, wenn sie sich davon entsprechende Behandlungserfolge erwarten dürfen.

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Michael Burkhart
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