5G im Öffentlichen Sektor: Wie Verwaltung und Kommune von der Technologie profitieren

15 Januar, 2021

5G bietet Bürgern und Verwaltungen viele Vorteile

Parkplatzsuche in einer Innenstadt – für viele Anwohner und Pendler ein zeitraubendes Unterfangen, das nicht nur Stress sondern auch Umweltbelastung verursacht. Aber: Erste Innovative Anwendungen, die Städte „smarter“ machen, sind in Deutschland immer häufiger im Einsatz: Parkleitsysteme weisen Autofahrern per Smartphone oder anderen mobilen Geräten den schnellsten Weg zum nächsten Stellplatz, „intelligente“ Mülltonnen übermitteln sensorgestützt ihren Füllstand. Die Daten geben Auskunft darüber, welche Tonnen geleert werden müssen. Auf diese Weise lässt sich etwa die Routenplanung von Entsorgungsbetrieben optimieren. Technologische Basis dieser und anderer Anwendungen ist heute häufig IoT-Konnektivität mit geringen Bandbreiten im Mobilfunk. 

Schon in naher Zukunft könnten im Öffentlichen Sektor hochmoderne Technologien und entsprechende Anwendungsfälle Realität werden: Augmented bzw. Virtual Reality (computergenerierte Realitätserweiterungen), autonomer Verkehr und Lieferungen per Drohne können das Leben von Bürgerinnen und Bürger spürbar vereinfachen und verbessern. Sie können auch für kommunale Verwaltungen neue Einsatzfelder schaffen – vorausgesetzt, die technologische Grundlage für eine leistungsstarke Mobilfunk-Infrastruktur ist vorhanden: Ein flächendeckendes 5G-Netz. Dabei verspricht der neue Übertragungsstandard ein mobiles Internet mit sehr hoher Bandbreite. Und damit die Möglichkeit, Sensorik in bisher ungeahntem Umfang miteinander zu verbinden und mit Echtzeitübertragung zum Beispiel Datenbrillen ruckelfrei für Mixed-Reality-Darstellungen zu nutzen.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

Im folgenden Artikel erhalten Sie Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Was braucht es für den flächendecken 5G-Ausbau im öffentlichen Raum?
  • Welche Anwendungen ermöglicht 5G speziell für die öffentliche Hand?
  • Wie kann der Öffentliche Sektor den 5G-Ausbau unterstützen?
  • Inwiefern bietet 5G Vorteile insbesondere in städtischen und ländlichen Regionen?
  • Wie kann PwC den Öffentlichen Sektor dabei unterstützen?

Ihr Experte für Fragen

Andreas Windolph
Director bei PwC Deutschland
Tel.: +49 30 2636-4777
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Den 5G-Ausbau im Sinne aller Beteiligten unterstützen

Der Öffentliche Sektor kann eine wichtige Rolle bei der Einführung von 5G spielen: als „Enabler“, der den Ausbau ermöglicht. Er kann dies tun, indem er motivierende Rahmenbedingungen für die wichtigsten Stakeholder schafft. Dazu gehören die 5G-Netzbetreiber sowie Anwohner und Unternehmen, die 5G-Anwendungen entwickeln und in den Markt einführen wollen.

Die Öffentliche Hand kann Mobilfunkbetreiber etwa dabei unterstützen, geeignete Plätze für die notwendigen 5G-Sendestandorte zu finden und transparent darzustellen, wo Glasfaserinfrastrukturen bereits bestehen, um so die Anbindung zu erleichtern. Zügige Genehmigungsverfahren für neue Standorte können den Ausbau beschleunigen. 

Ebenso wichtig sind transparente Prozesse und Bürgerbeteiligungen - nur wenn die Bevölkerung ausreichend über die Funktionsweise und die Vorteile der 5G-Technologie informiert ist, wird sie diese auch akzeptieren. Für Unternehmen, die neue Anwendungen testen und einführen wollen, können pragmatische Genehmigungsverfahren die Einführung neuer Lösungen deutlich beschleunigen.

Der Öffentliche Sektor kann durch Offenheit für die 5G-Technologie und darauf basierende digitale Anwendungen eine wichtige Funktion übernehmen: die eines Möglichmachers zum Beispiel für innovative Start-ups, indem er Genehmigungshindernisse für Tests und die Zulassungen minimiert.

5G-Potenziale für die Öffentliche Hand

Die Kommune kann aber auch innerhalb ihrer Verwaltung selbst von 5G-Anwendungen profitieren und sollte deshalb mögliche Anwendungsfälle kontinuierlich prüfen. So können auf 5G basierende Technologien z. B.  Bau- und Grünflächenämter sowie das Verkehrsmanagement unterstützen. Drohnen können den Grünflächenbestand oder auch den Straßenzustand in einer Stadt oder Region erfassen und Hinweise auf Abweichungen geben, sodass Mitarbeiter in der Verwaltung die Daten remote, also ortsunabhängig, auswerten können. So entfallen zum Beispiel Anfahrtszeiten, sodass notwendige Instandsetzungen effizienter geplant werden können – was auch kommunale Haushalte entlasten kann.

Internet-of-Things- (IoT-) Anwendungen können durch die Verbindung von Sensorik auch beim Bevölkerungsschutz, der Versorgung, der Mobilität und der Entwässerung helfen, z. B. durch Sensorik für intelligente Beleuchtung, für Parkraumüberwachung, Luftqualität, Crowd-Management mit vernetzten Signalanlagen oder Wasserstandsmessungen bei Extremwetterereignissen.

Mit stärkerer Verbreitung der 5G-Technologie werden sich viele neue Anwendungen umsetzen lassen. Der geringe Energiebedarf ermöglicht eine wartungsfreie Lebensdauer von über 10 Jahren mit einer einzigen Batterie, was eine Zustandsüberwachung an schwer zugänglichen Stellen ermöglicht und die Zahl der möglichen Sensoren weiter erhöht. Die entstehenden Daten können Grundlage für die eigene Arbeit sowie für neue Geschäftsmodelle von Unternehmen sein.

Die Verwaltung sollte für sich daher auch eine Rolle als zuverlässiger Daten-Facilitator und Partner für Dritte definieren und umsetzen. Die Kommunalverwaltungen sollten sich darauf entsprechend vorbereiten und Prozesse etablieren, die das Potenzial von 5G für den Öffentlichen Sektor nutzbar machen.

Was der Öffentliche Sektor konkret tun kann

Die Öffentliche Hand hat das Potenzial des 5G-Mobilfunks vielfach bereits erkannt. Nun heißt es, noch stärker selbst aktiv zu werden und mit allen Beteiligten ins Gespräch zu kommen. Dazu zählen insbesondere Funkturm- und Netzbetreiber, Infrastruktureigentümer und Beteiligte an Genehmigungsverfahren.

„5G-Netze entstehen nicht zum Selbstzweck. Im Vordergrund steht die Anwendung. Die Verwaltung sollte Bedarfe schneller ermitteln und bei der konkreten Umsetzung zwischen Netzbetreiber, IT und Anwender vermitteln.“

Andreas Windolph, Director bei PwC Deutschland

Zuallererst gilt es,

  • Flächen und potenzielle Standorte für die 5G-Infrastruktur zu identifizieren, etwa anhand städtischer Flächen und Standorten von Straßenmobiliar (z. B. Laternen und Haltestellen);
  • die verfügbare Infrastruktur zur Anbindung – Leerrohre, Glasfasernetze etc. – konsolidiert abzubilden;
  • geplante Tiefbaumaßnahmen gesammelt zu erfassen, damit bei entsprechenden Bauten eventuell 5G-Infrastruktur kosteneffizient mitverlegt werden kann;
  • Bestell-, Genehmigungs- und Anbindungsprozesse transparent darzustellen, um mögliche Verzögerungen aufzudecken und konsequent zu minimieren.

Insgesamt ist es erforderlich, zusätzlich zu den bestehenden großen Tower-Standorten zügig eine flächendeckende 5G-Infrastruktur mit Small-Cells aufzubauen. Damit die Technologie künftig auch mit vollem Funktionsumfang hinsichtlich Bandbreite, Latenz und der Anzahl zu verbindender Geräte verfügbar ist, müssen die Funkzellen deutlich kleiner sein als bei heutigen LTE-Mobilfunknetzen. Nur so können die Anforderungen etwa des autonomen Fahrens auch tatsächlich umgesetzt werden. Je nach Gebiet und Region ist deshalb mit deutlich mehr Antennenstandorten zu rechnen als bisher, insbesondere in dichten urbanen Umgebungen und entlang vielbefahrender Verkehrswege.

Damit dies gelingen kann, sind ein großes Maß an Standardisierung sowie maximale Transparenz gegenüber allen Akteuren erforderlich. Dazu zählen insbesondere Mobilfunk-Provider, Stadtgesellschaft, Flächenanbieter, Versorger für Glasfaser- und Stromanbindung sowie politische Entscheidungsträger.

Wie PwC den Öffentlichen Sektor beim 5G-Ausbau unterstützt

Eine flächendeckende 5G-Abdeckung muss als relevanter Standortfaktor von Kommunen und kommunalen Unternehmen forciert werden. Angesichts der Komplexität von 5G-Projekten ist insbesondere die Verknüpfung von Anbietern auf der einen und Nachfragenden auf der anderen Seite wichtig. Hier besteht noch Verbesserungsbedarf auf Seiten aller Städte und Kommunen – gerade mit Blick auf den steigenden Bedarf von Standorten für Small Cells.

Ein Hauptgrund dafür ist die zeitintensive Standortsuche. Planer suchen bislang händisch zunächst mögliche Standorte, außerdem müssen zuständige Personen einzeln identifiziert und angesprochen werden. Daraus folgen Einzelangebote zur Anbindung an bestehende Netze und Standorte. Ergebnis: Viele Abstimmungs- und Genehmigungsschleifen sind notwendig. Hinzukommt, dass sich vermehrt Bürgerinitiativen gegen neue Standorte engagieren. So kommt der 5G-Ausbau insgesamt nur schleppend voran.

Hier sieht sich PwC als Vermittler. Mit der Digitalen Standort-Plattform für Mobilfunk helfen unsere Experten, den 5G-Rollout zu beschleunigen, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten.

Die Plattform verknüpft Anbieter und Nachfrager und bietet einen sicheren Zugang, um schnell und unkompliziert Flächen für Mobilfunkstandorte zu pachten bzw. zu verpachten. Außerdem lassen sich zentral Genehmigungen beantragen und Anschlüsse beauftragen. Konkret bietet die Digitale Standort-Plattform für Mobilfunkanlagen:

  • eine Übersicht über und Informationen zu potenziellen Standorten
  • einen schnellen standardisierten Prozess zu Anfrage, Ermittlung, Anbindungskosten, Beauftragung, Genehmigung sowie zur Pacht neuer bzw. bestehender Flächen ,
  • die direkte Auswahl und Beauftragung von LWL- bzw. Stromanbietern,
  • perspektivisch zusätzliche Funktionen, etwa ein Ticketing-System sowie
  • perspektivisch die Erweiterung für weitere Beteiligte, z. B. Planer, weitere Anbieter von Flächen etc.

Die Vorteile der Plattform auf einen Blick

  • Effizientere Akquise- und Genehmigungsprozesse
  • Automatisierte Unterstützung und hohe Standardisierung ermöglicht schnelle und effiziente Zusammenarbeit
  • Erlösmodelle für Carrier und Eigentümer von Flächen oder Infrastruktur
  • Aufwand- und Kostenreduktion für sämtliche Beteiligte
  • Offener Austausch und Mehrfachnutzung von Standorten
  • Möglichkeit für transparente Standortsuche und frühzeitige Einbeziehung aller Stakeholder, gezielte Kommunikation zur Akzeptanzsteigerung

Regionale Akteure im Dialog dank PwC

Aus unserer Projektpraxis wissen wir, dass es vielen Städten und Kommunen sowie in Unternehmen anfänglich schwerfällt, passende 5G-Anwendungen zu identifizieren und anschließend umzusetzen. Um diese Herausforderung zu meistern, bedarf es der Einbindung aller relevanten Stakeholder in den Prozess.

Beispiel Regulatory Sandbox

Unternehmen, die innovative Produkte entwickeln und diese testen möchten, können nicht immer auf Anhieb alle Regularien vollumfassend umsetzen. Ein pragmatisches Vorgehen, das an spezifischen Stellen Erprobungen zulässt, kann daher als Raum für Entwicklung und Innovation geschaffen werden. Beispielsweise hat die Einführung der E-Scooter in vielen Städten gezeigt, wie ein lösungsorientierter Weg aussehen kann. Ähnliches könnte für Entwicklungen bei AR/VR, Roboter/Drohnen und anderen Technologien bzw. Anwendungen ebenfalls relevant werden.

Hierzu bietet PwC mit dem „5G Dialog“ ein spezifisches Format rund um 5G an. Dabei bringen wir alle lokalen und regionalen Interessengruppen zusammen und entwickeln passende Ideen und Strategien.

Dazu gehören insbesondere die

  • Identifizierung von Bedarfen,
  • Entwicklung von Anwendungsfällen, 
  • Erörterung passender Netzkonzepte,
  • Entwicklung einer individuellen Umsetzungsstrategie und die
  • Prüfung von Förder- und Finanzmodellen.

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