E-Bus-Radar

Wie elektrisch ist der öffentliche Nahverkehr in Deutschland?

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Maximilian Rohs
Senior Manager Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland
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Öffentlicher Nahverkehr geht bei Elektrifizierung in Führung

Vor dem Hintergrund der Debatte um Luftreinhaltung und Klimaschutz nimmt der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) zunehmend eine Vorreiterrolle ein, weil er immer stärker auf alternative Antriebe setzt. So stellen die Städte und Verkehrsunternehmen in Deutschland ihre ÖPNV-Busflotten zunehmend auf elektrische Antriebstechnologien um. Derzeit sind von den ca. 50.000 Fahrzeugen der ÖPNV-Busflotte in Deutschland rund 1,4 Prozent Elektrobusse und Plug-in-Hybride (absolut: 676).

Mehr als die Hälfte davon ist allein im Jahr 2020 hinzugekommen. Und für weitere knapp 4.800 E-Busse gibt es bereits konkrete, öffentlich bekannte Planungen. Das sind einige der Kernergebnisse des aktuellen E-Bus-Radars der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Die vierte Auflage betrachtet allein Busse mit elektrifizierten Antrieben und externer Energiezufuhr, die nach EU-Vorgaben – der „Clean Vehicle Directive – als „emissionsfrei“ bzw. „sauber“ gelten.

Welche Städte und Bundesländer sind Vorreiter? Welche Technologien werden bevorzugt? Wie sieht die Ladestrategie der Betreiber aus? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie im aktuellen E-Bus-Radar von PwC Deutschland.

„Noch ist die Anzahl der E-Busse in Deutschland überschaubar. Doch aufgrund von politischem Druck und der Notwendigkeit, die Klimaschutzziele zu erfüllen, holen elektrische Antriebstechnologien als umweltfreundlichere Alternative immer mehr auf.“

Maximilian Rohs, Senior Manager Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick

Nordrhein-Westfalen und Berlin beim E-Bus-Einsatz vorne

Bei den Bundesländern, die Busse mit elektrifizierten Antrieben einsetzen, belegen aktuell Nordrhein-Westfalen mit 177 Exemplaren, Berlin (137) und Baden-Württemberg (76) die ersten drei Plätze. Darauf folgen Niedersachsen (62), Hessen (61) sowie Hamburg (58) und Bayern (47). In den übrigen Bundesländern fahren zusammen 58 Busse mit elektrifiziertem Antrieb. Insgesamt waren im Jahr 2020 rund 680 solcher Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs, darunter 502 Batteriebusse, 81 Oberleitungsbusse und 64 Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb. Die meisten der Oberleitungsbusse (54) gibt es, wie schon 2019, in Solingen. Auf Rang zwei und drei folgen mit deutlichem Abstand Esslingen (16 O-Busse) und Eberswalde (11 O-Busse). Die meisten E-Busse mit Batterie- bzw. Brennstoffzellenantrieb betreiben die Städte Berlin (137), Hamburg (55) und Köln (45). Die übrigen deutschen Städte unterhalten zusammen 329 Fahrzeuge mit diesen Antriebstechnologien.

„Vorreiter im Betrieb mit elektrifizierten Bussen sind sieben Bundesländer mit jeweils über 40 Bussen. Knapp die Hälfte dieser Busse ist in Nordrhein-Westfalen und Berlin im Einsatz.“

Hansjörg Arnold, Partner Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland

Dynamisches Wachstum bei elektrifizierten Antrieben

Die Anzahl jährlich neu hinzugekommener Busse mit elektrifiziertem Antrieb ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: 2017 waren es 16 Neuzugänge; 2018 verdreifachte sich ihre Anzahl auf 51, und 2019 waren es mehr als doppelt so viele (104). Mit 357 Neuanschaffungen erreichte das Jahr 2020 den bisherigen Höchststand. Verständlich ist daher, dass auch für die Hersteller der E-Bus-Sektor immer attraktiver wird.

Zurzeit teilen sich fünf Unternehmen über 80 Prozent des deutschen Markts. Sie stellten insgesamt 550 der im Jahr 2020 eingesetzten E-Busse her. Gefertigt werden neue Exemplare vor allem in den Werken von Solaris, Mercedes Benz (EvoBus) und VDL, den derzeitigen Top-3-Herstellern auf dem deutschen Markt. Im Verlauf der 2020er-Jahre rechnet PwC mit einem deutlichen Schub an Bestellungen: Bis Mitte des Jahrzehnts sind bereits jetzt Planungen für weitere 3.089 E-Busse bekannt.

Diese Beschaffungsplanungen erfüllen allerdings die in der „Clean Vehicles Directive“ der Europäischen Union festgelegten Mindestquoten in der zweiten Referenzperiode noch nicht. Die EU gibt vor, dass ab August 2021 bis Ende des Jahres 2025 mindestens 45 Prozent der insgesamt neubeschafften Busse im ÖPNV „sauber“ sein sollen, ab dem Jahr 2026 bis 2030 sogar 65 Prozent. Dabei müssen mindestens die Hälfte dieser Quoten sogar mit Fahrzeugen abgedeckt werden, die den strengeren Maßstab „emissionsfrei“ erfüllen. Bei jährlich rund 3.500 - 4.000 neuen Bussen im ÖPNV geht PwC von circa 800 - 900 rein elektrisch angetriebenen Bussen pro Jahr bis zum Jahr 2025 aus, allein um letztere Quote zu erfüllen.

„Für die nächsten fünf Jahre ist bereits jetzt die Anschaffung von rund 3.100 E-Bussen geplant, davon mehr als 200 mit Brennstoffzellenantrieb. Bekannt sind Planungen über längerfristige Anschaffungen von rund 4.800 elektrisch angetriebenen Bussen.“

Maximilian Rohs, Senior Manager Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland

Bestellungen von Batteriebussen erreichen Höchststand

Auch der Anteil rein batteriebetriebener Busse erreichte 2020 seinen bisherigen Höchststand: Insgesamt 304 dieser Busse waren es 2020, deutlich mehr als 2019 (96) und 2018 (36). Und PwC prognostiziert eine weitere Zunahme: Demnach sollen 2021 weitere 957 Batteriebusse zum Einsatz kommen, 2022 sind Planungen für 448 und 2023 für 559 Exemplare bekannt. Für die Jahre von 2026 bis 2030 sind derzeit insgesamt 1.567 Anschaffungen vorgesehen. Die meisten davon planen Berlin (1.545) und Hamburg (703). Kiel, Nürnberg und Frankfurt am Main wollen nach aktuellen Angaben ebenfalls im dreistelligen Bereich bestellen. Je weiter man in die Zukunft schaut, desto stärker werden diese bisher bekannten Zahlen jedoch noch ansteigen: Einerseits, weil Unternehmen Ihre Beschaffungsplanungen noch konkretisieren werden und andererseits, weil die strengen Vorgaben der Clean Vehicles Directive erfüllt werden müssen.

„Seit 2017 hat sich die Anzahl der neubeschafften Batteriebussen jährlich mehr als verdoppelt. Durch das starke Wachstum ist diese E-Bus-Variante am weitesten verbreitet. Dank der inzwischen großen Angebotsvielfalt wird sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren weiter fortsetzen.“

Hansjörg Arnold, Partner Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland

Vermehrter Einsatz von Brennstoffzellenbussen

Immer häufiger fahren auch E-Busse mit Brennstoffzellen in deutschen Städten. Der Antrieb, bei dem in einem chemischen Verfahren elektrische Energie aus Wasserstoff erzeugt wird, wird häufig als besonders umweltfreundliche Variante mit guten Zukunftsaussichten betrachtet, zumal aktuell größere Reichweiten erzielt werden können als mit Batteriebussen. Die diesbezüglichen Beschaffungsplanungen liegen jedoch deutlich unter denen für Batteriebusse.

Ganz vorne rangiert hier die Stadt Köln (einschließlich Umland) mit einem Bestand von 37 Brennstoffzellenbussen. Wuppertal verfügt über zehn, Höchst über acht dieser Busse. Doch langfristig soll die Flotte erheblich wachsen: Bis zum Jahr 2030 sollen gemäß E-Bus-Radar weitere 345 Busse dieses Typs beschafft werden, um Fahrgäste emissionsfrei zu befördern. Insofern geht PwC für die Zukunft von einem Antriebsmix im deutschen ÖPNV aus, der die jeweiligen lokalen Rahmenbedingungen bestmöglich berücksichtigt.

„E-Busse mit Brennstoffzellen-Antrieb sind in Deutschland aktuell weniger verbreitet. Doch gibt es in einigen Städten bereits größere Flotten und ambitionierte Zukunftsplanungen.“

Hansjörg Arnold, Partner Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland

Bisher keine klare Tendenz bezüglich der Ladeinfrastruktur erkennbar

Offen ist derzeit noch, welche Ladetechnik und -strategie sich bei Batteriebussen mittel- bis langfristig durchsetzen wird. Momentan dominiert beim Aufladen der Busse mit einem Anteil von 62 Prozent noch das Plug-in-Verfahren, beim Docking-Verfahren sind es 38 Prozent. Dabei setzen die ÖPNV-Unternehmen beim Bus-Einsatz derzeit etwas häufiger auf das Vollladen im Depot (Overnight Charging, 56 Prozent) als auf eine Gelegenheitsladung entlang der Strecke (Opportunity Charging, 44 Prozent).

„Die bekannten Beschaffungsplanungen der deutschen ÖPNV-Unternehmen reichen aktuell noch nicht aus, um die verbindlichen Mindestquoten zu erfüllen, die sich aus der ‚Clean Vehicles Directive‘ der EU ergeben. Wir rechnen daher kurz- bis mittelfristig mit einer weiteren deutlichen Ausweitung der Planungen zur Elektrifizierung der Busflotten im ÖPNV.“

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