Agrarwirtschaft 4.0: Die Ernte der Digitalisierung

01 Dezember, 2015

Die vierte industrielle Revolution verändert die Agrar- und Ernährungsindustrie von Grund auf. Smart Farming ist das aktuelle Stichwort - die Digitalisierung der Landwirtschaft: Durch den Einsatz intelligenter Technik kann die Agrarwirtschaft den hohen Erwartungen der Verbraucher besser gerecht werden und die eigenen Erträge erheblich steigern.

Erntemaschinen, die sich miteinander vernetzen, Selbstfahrsysteme für Traktoren, Sensoren, die Auskunft über die Beschaffenheit des Bodens und der Pflanzen geben – Hightech revolutioniert immer mehr die Arbeit auf dem Feld und den Höfen, insbesondere in großen Betrieben. „Smart Farming wird die Zukunft der Landwirtschaft bestimmen und die traditionelle Arbeitsweise in der Agrarindustrie ablösen“, sagt Gerd Bovensiepen, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC, voraus. „Künftig werden landwirtschaftliche Maschinen als fahrende Rechenzentren arbeiten und die Sensortechnik wird alle wichtigen Daten in Echtzeit liefern. Die Herausforderung für die Landwirte wird darin liegen, die Technologie intelligent zu vernetzen und die Daten zu managen.“

Mit Smart Farming höhere Erträge erzielen

Für neue Technologien, die den digitalen Wandel ermöglichen, müssen die Unternehmen hohe Investitionen leisten. Nach einer PwC-Studie aus dem Jahr 2014 sind deutsche Unternehmen bereit dazu: Sie wollen branchenübergreifend in den kommenden fünf Jahren 40 Milliarden Euro jährlich investieren, um die vierte industrielle Revolution zu bewältigen. Gelingt der Wandel, lässt sich die Produktivität erheblich steigern – das gilt insbesondere für die Agrarindustrie. Schon für die Jahre 1993 bis 2013 hat der Deutsche Bauernverband nachgewiesen, dass die Produktivität in der Landwirtschaft durch hohe Investitionsbereitschaft um 93 Prozent gesteigert werden konnte. Die Entwicklung dürfte sich durch die Landwirtschaft 4.0 noch beschleunigen. „Die traditionelle Landwirtschaft hat sich zu einem kapitalintensiven Geschäft entwickelt, das noch erhebliches Optimierungspotenzial bietet“, so Ralf Hombach, Experte für Business Analytics bei PwC. „Die Produktivitätssteigerung durch Smart Farming ist nötig, weil bei gleichbleibender Fläche und schwierigeren klimatischen Bedingungen weltweit immer mehr Menschen – im Jahr 2050 voraussichtlich neun Milliarden – ernährt werden müssen.“

„Präzise Informationen über landwirtschaftliche Nutzflächen und Klimadaten führen zu einem schonenderen Einsatz von Ressourcen und einer gesteigerten Produktqualität.“
Gerd Bovensiepen, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC

Den Kundenerwartungen entgegenkommen

Auch das Kaufverhalten der Verbraucher hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Konsumenten haben heute online Zugang zu einer Vielzahl von Informationen über ein Produkt und dessen Herstellung. Sie haben hohe Erwartungen an Lebensmittel im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Gesundheit und sind bereit, dafür auch mehr zu bezahlen. Das gilt insbesondere für sogenannte Quality Eaters, Verbraucher, die besonderen Wert auf die Qualität ihrer Ernährung legen. Da Lebensmittel sich heute zunehmend weniger durch ihre spezifischen Eigenschaften unterscheiden, können begleitende digitale Services wie zum Beispiel lückenlose Informationen zu Aufzucht, Frische, Qualität und Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Unterscheidungskriterium gegenüber den Mitbewerbern werden. Das ist beispielsweise durch einen digitalen Produkt-Pass oder durch Apps möglich, die die Branche zum Teil schon nutzt.

Die vertikale und horizontale Integration der Wertschöpfungskette

Im Wettbewerb um Kunden können in Zeiten der Industrie 4.0 auf Dauer nur Unternehmen bestehen, die ihre Supply Chain sowohl intern (vertikale Integration) als auch im Zusammenspiel mit externen Partnern der Wertschöpfungskette wie Landwirten, Groß- und Einzelhandel (horizontale Integration) umfangreich umbauen. Insbesondere die horizontale Integration der Wertschöpfungskette ermöglicht es erst, den Verbrauchern lückenlose Informationen über ein Produkt – von der Aufzucht über den Transport bis zum Supermarktregal oder Online-Shop – bereitzustellen. Aus der Verfügbarkeit von Big Data-Anwendungen und -Analysen ergeben sich aber noch weitere Geschäftschancen: So lassen sich durch die Integration der Wertschöpfungskette eine Kostenoptimierung in Einkauf und Logistik, eine genauere Planung und eine bessere Anpassung an die Marktnachfrage erzielen. Nur wenige Unternehmen wollen sich diese Chance entgehen lassen, wie die PwC-Studie zeigt: Branchenübergreifend planen 80 Prozent aller befragten Unternehmen, die Integration ihrer Wertschöpfungskette in den kommenden fünf Jahren abzuschließen.

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Dr. Christian Wulff

Partner, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter, PwC Germany

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Ralf Hombach

Director, PwC Germany

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