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Gori von Hirschhausen
Partner, Europe Finance Consulting Leader bei PwC Deutschland
Tel.: +49 89 5790-6698
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Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschärfen sich: Die Brüchigkeit, Ängstlichkeit, Nichtlinearität und Unverständlichkeit einer BANI-Welt stellen CFOs vor immer neue, teils kaum planbare Herausforderungen. Gleichzeitig ist Künstliche Intelligenz (KI) allgegenwärtig – sie verändert rasant, wie Finanzbereiche arbeiten, und eröffnet enorme Potenziale entlang sämtlicher Finanzprozesse.
Die Studie „The Digital CFO 2026“ zeigt klar: An der strategischen Relevanz der Digitalisierung zweifelt niemand mehr – doch in der Praxis steckt ein Großteil der Unternehmen noch in den Kinderschuhen. Was erfolgreiche Vorreiter unterscheidet, sind vor allem eine klare digitale Zielagenda, belastbare Datenqualität und der gezielte Einsatz neuer Technologien.
„In vielen Finanzfunktionen steht die Digitalisierung ganz oben auf der Agenda. Gleichzeitig werden die vorhandenen Technologien noch nicht konsequent genug in Umsetzung gebracht beispielsweise bei der Automatisierung von Standardprozessen oder beim Einsatz datengetriebener Analytik.“
Für die Studie „The Digital CFO 2026“ wurden CFOs börsennotierter sowie größerer nicht‑börsennotierter Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Im Mittelpunkt standen der aktuelle Stand der Digitalisierung in den Finanzfunktionen, der Einsatz digitaler Technologien – einschließlich Large Language Models (LLM) – sowie organisatorische, personelle und strategische Erfolgsfaktoren.
Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Die Digitalisierung der Finanzfunktion besitzt weiterhin eine sehr hohe Priorität. Viele Unternehmen investieren spürbar Zeit, Budget und Management‑Aufmerksamkeit in digitale Initiativen, mit dem Ziel, Prozesse effizienter zu gestalten, Kosten zu senken und die Qualität von Entscheidungen zu verbessern. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass sich zahlreiche Unternehmen erst am Anfang oder mitten auf ihrer digitalen Transformationsreise befinden – ohne die angestrebten Effekte bereits konsequent zu realisieren.
Die überwältigende Mehrheit der CFOs (146 von 207 bzw. 71 %) beantwortete die Frage "Digitalisierung hat in meiner Finanzabteilung hohe Priorität" mit den Werten 6 oder 7 auf der Likert-Skala unserer Studie. Nur wenige CFOs räumen der Digitalisierung keine hohe Priorität ein. Diese CFOs arbeiten zumeist in eher kleineren, nicht börsennotierten Unternehmen - je größer die Unternehmen sind, desto eher messen die Finanzvorstände der Digitalisierung hohe Priorität bei.
Zwar ist in vielen Organisationen eine hohe Aktivität rund um Digitalisierung zu beobachten, doch bleibt der tatsächliche Reifegrad häufig hinter den eigenen Erwartungen zurück. Digitale Initiativen werden oft ohne eine klar ausformulierte Gesamtstrategie eingebettet durchgeführt. Entsprechend fehlen in vielen Fällen belastbare Roadmaps, die eine konsequente Skalierung und nachhaltige Wirkung ermöglichen.
Auffällig ist dabei: Wesentliche Widerstände innerhalb der Organisationen oder strukturelle Budgetrestriktionen werden von CFOs kaum als limitierende Faktoren wahrgenommen. Die Investitionen in Digitalisierung erfolgen überwiegend planmäßig und mit breiter Unterstützung des Top‑Managements. Der zentrale Hebel liegt vielmehr darin, das vorhandene Potenzial digitaler Technologien besser auszuschöpfen – insbesondere mit Blick auf fortgeschrittene Anwendungen und den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Hier zeigt sich deutlich: Die Ambition ist hoch, doch die erfolgreiche, integrierte Nutzung der Technologien steht in vielen Unternehmen noch aus.
Large Language Models zählen zu der vermutlich wichtigsten Innovation im Bereich der digitalen Technologien in den vergangenen Jahren. Die Studie zeigt: Während KI‑Anwendungen im Gesamtunternehmen zunehmend genutzt werden, bleibt der Einsatz im Finanzbereich zurückhaltender. Über alle befragten Unternehmen hinweg liegt die durchschnittliche Nutzungsintensität bei 4,12 von 7 Punkten, in den Finanzfunktionen hingegen nur bei 3,8.
Gleichzeitig verfügen viele Unternehmen bereits über LLM‑Richtlinien und dedizierte KI‑Teams. Entscheidend ist nun, KI systematisch in Finanzprozesse zu integrieren – von Planung und Forecasting bis Reporting und Risikomanagement.
Es wird deutlich, dass der Weg von der strategischen Ambition zur wirksamen Umsetzung einer digitalen Finanzfunktion mit einer Reihe von Hürden verbunden bleibt. Als moderate Herausforderungen nennen CFOs vor allem begrenzte finanzielle Ressourcen, fehlendes oder unzureichendes Know-how bei Mitarbeitenden sowie eine teilweise geringe Veränderungsbereitschaft in den Organisationen. Hinzu kommen technische und organisatorische Hürden, etwa fragmentierte IT‑Landschaften oder unklare Entscheidungsstrukturen.
Auffällig ist dabei: Strategische Unterstützung durch Vorstand oder Aufsichtsrat wird kaum als Hemmnis wahrgenommen – die Bereitschaft zur Digitalisierung ist auf Top‑Management‑Ebene weitgehend vorhanden.
Erkennbar sind zudem systematische Unterschiede in den Antworten abhängig von Unternehmensgröße und Börsennotierung. Größere sowie börsennotierte Unternehmen bewerten die meisten Digitalisierungshürden insgesamt als weniger ausgeprägt. Auch branchenbezogene Unterschiede lassen sich feststellen: CFOs aus den Branchen Technologie, Medien und Telekommunikation sowie Transport und Logistik nehmen die Hindernisse der Digitalisierung im Vergleich zu anderen Sektoren deutlich weniger einschränkend wahr.
Derzeit wird Technologie im Finanzbereich nur in mäßigem Umfang genutzt, doch die Finanzvorstände rechnen in den nächsten drei Jahren mit einem deutlich intensiveren Einsatz von Technologien (in den Bereichen Controlling, Rechnungswesen und Treasury), insbesondere von LLMs und KI für Prognosen.
Die zentralen Ziele der Digitalisierung in der Finanzfunktion sind Kostensenkung und die Verbesserung der Entscheidungsfindung. Beide Zielsetzungen werden von CFOs als gleich wichtig eingeschätzt. Darüber hinaus verfolgen die CFOs mit der Digitalisierung eine höhere Verlässlichkeit, Konsistenz und Transparenz von Prozessen, eine frühzeitige Erkennung von Risiken und eine verbesserte Wettbewerbsposition.
Daten entscheiden über den Digitalisierungserfolg. Laut unserer CFO-Studie 2026 korreliert eine ausgereifte Data Governance direkt mit dem Erfolg digitaler Initiativen – doch auf Gesamtunternehmensebene liegt der Reifegrad vieler Organisationen erst bei einem moderaten Niveau. Hier schlummert enormes Potenzial.
„Der Hebel für den nächsten Produktivitätssprung liegt damit weniger im zusätzlichen Budget, sondern im gezielten Einsatz von Technologie – insbesondere von KI-basierten Lösungen – und dem damit verbundenen Kompetenzaufbau.“
Gori von Hirschhausen,Partner, Europe Finance Consulting Leader bei PwC DeutschlandThe Digital CFO 2026
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Die WHU – Otto Beisheim School of Management hat in Kooperation mit der VU Amsterdam sowie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC) den Digitalisierungsgrad der Finanzfunktionen in Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. Die Studie basiert auf einer Befragung von 207 CFOs börsennotierter und größerer nicht-börsennotierter Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Erhoben wurden Einschätzungen zu Digitalisierungsstrategien, Technologieeinsatz, Datenreife, Organisation und Personal. Die Befragung erfolgte online anhand standardisierter Fragebögen mit siebenstufigen Likert‑Skalen. Banken, Versicherungen und kleine Unternehmen waren nicht Teil der Stichprobe.
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