Deutsche Topmanager bleiben vorsichtig. Die heimische Konjunktur betrachten sie skeptisch, Wachstumschancen erkennen sie vor allem im Ausland – und jenseits ihrer Branchengrenzen. Dabei setzen sie auf künstliche Intelligenz, tun sich bei messbaren KI-Erfolgen aber noch schwer. Die größte Herausforderung besteht darin, die Geschwindigkeit der Transformation zu steigern. Die größte Sorge: Cyberattacken, die alles lahmlegen könnten.
Frankfurt am Main, 19. Januar 2026
CEOs weltweit blicken verhalten in die Zukunft. Bedingt durch geopolitische Risiken, zunehmende Cyber-Bedrohungen sowie noch geringe Erträge aus KI-Investitionen und neuen Geschäftsmodellen ist ihre kurzfristige Zuversicht in Bezug auf Umsatzwachstum ihrer Organisation auf den niedrigsten Stand seit 2021 gesunken (30 Prozent, Vorjahr 38 Prozent). Die Zuversicht deutscher CEOs hat sich zwar leicht erholt, liegt mit 22 Prozent (Vorjahr 16 Prozent) aber immer noch unter dem globalen Durchschnitt.
Die Ergebnisse des 29. Global CEO Survey von PwC deuten darauf hin, dass es vielen Unternehmen im aktuell komplexen Geschäftsumfeld schwerfällt, ihre Investitionen in nachhaltige Gewinne zu überführen. Das gilt insbesondere für künstliche Intelligenz, deren Einsatz für einen Großteil der Unternehmen bisher kaum zählbare Ergebnisse bringt. Für die Studie hat PwC weltweit 4.454 CEOs in 95 Ländern befragt.
In einem Umfeld, in dem sich sowohl Technologie als auch geopolitische Annahmen grundlegend verändern, gilt die größte Sorge von CEOs der Geschwindigkeit, mit der sie ihre Organisation zukunftsfähig aufstellen. Für 57 Prozent der Befragten in Deutschland (global 42 Prozent) lautet die wichtigste Frage: „Transformieren wir unser Unternehmen schnell genug, um mit dem Umfang und Tempo des technologischen Wandels Schritt zu halten, auch in Bezug auf KI?“ Gefolgt von: „Ist die Innovationsfähigkeit meines Unternehmens ausreichend für unsere ungewisse Zukunft?“ (Deutschland 38 Prozent, global 29 Prozent).
Trotz vielfach geschaffener KI-Grundlagen und begonnener Pilotprojekte berichten mehr als die Hälfte der weltweit befragten CEOs (in Deutschland mehr als zwei Drittel), dass sie im Geschäftsergebnis noch keine messbaren Effekte durch künstliche Intelligenz realisieren. Ihnen gegenüber stehen nur einige wenige, die bereits sehr erfolgreich KI einsetzen. Erst jedes achte Unternehmen weltweit (12 Prozent) erzielt dadurch sowohl Kostenvorteile als auch Umsatzzuwächse. In Deutschland berichten 11 Prozent der CEOs von Umsatzsteigerungen durch KI, 16 Prozent von gesunkenen Kosten. Spitzenreiter bei Umsatzsteigerungen durch KI sind chinesische Unternehmen (51 Prozent). Am häufigsten von sinkenden Kosten berichten US-amerikanische CEOs (38 Prozent).
„Die Ergebnisse zur KI-Adoption zeigen eine Diskrepanz zwischen hohen Erwartungen und einer ernüchternden Realität. Wir sehen eine große Bereitschaft, in KI zu investieren – aber nur eine kleine Minderheit von Unternehmen erzielt damit auch messbare Ergebnisse. Besonders rar ist noch die Fähigkeit, sich mithilfe von KI vom Wettbewerb zu differenzieren, neue Erlösquellen zu erschließen und dadurch zu wachsen.“
Die Vorreiter haben KI bereits ganzheitlich integriert, etwa in Bezug auf die Verfügbarkeit von Daten oder verantwortungsvolle KI, und setzen die Technologie im gesamten Unternehmen ein – nicht nur im Backoffice oder internen Prozessen, sondern auch in ihren Produkten und Dienstleistungen sowie in der strategischen Entscheidungsfindung. Unternehmen, die in mindestens sechs der sieben abgefragten KI-Praktiken gute oder sehr gute Grundlagen geschaffen haben, berichten 2,3-mal öfter von Umsatzsteigerungen und 1,7-mal öfter von Kostensenkungen.
Die Besorgnis über Cyberrisiken hat wieder zugenommen. Sie zählt aktuell mit 34 Prozent vor makroökonomischer Volatilität (31 Prozent) und geopolitischen Konflikten (25 Prozent) zu den am häufigsten genannten Bedrohungen deutscher Unternehmen – wobei die Unternehmensverantwortlichen Cyberrisiken und Geopolitik gemeinsam denken. Knapp zwei Drittel der CEOs in Deutschland (62 Prozent) nennt die Verbesserung der Cybersicherheit als wichtigste Maßnahme, um auf geopolitische Risiken zu reagieren.
Zudem werden sich Unternehmen in Deutschland ihrer Abhängigkeit von US-Technologieanbietern als strategisches Risiko bewusst. 58 Prozent beziehen den Großteil ihrer digitalen Technologien wie Software, KI und Cloud-Lösungen aus den USA, während europäische Lösungen nur 27 Prozent ausmachen. Gut ein Drittel der deutschen CEOs (36 Prozent) plant innerhalb der kommenden drei Jahre eine Verlagerung hin zu Anbietern aus der EU. Knapp die Hälfte (48 Prozent) verfolgt keine derartigen Pläne.
Zwar erwarten 70 Prozent der befragten Unternehmensverantwortlichen in Deutschland, dass die Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten wächst. Für die deutsche Wirtschaft rechnen jedoch nur 31 Prozent mit einem Wachstum. Das entspricht einem Zuwachs von 15 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Dennoch sind deutsche CEOs noch immer zurückhaltender in Bezug auf die Wachstumserwartungen in ihrem Heimatmarkt als ihre weltweiten Kollegen.
„Das bedeutet nicht, dass es gar kein Wachstum mehr gibt. Aber wir sehen ein differenziertes Bild, bei dem die CEOs zwischen ihrer Prognose für die globale Konjunktur und der Realität in Deutschland unterscheiden. Wachstumschancen sehen sie eher im Ausland.“
Die Hälfte der CEOs weltweit planen internationale Investitionen in den kommenden zwölf Monaten. Mehr als ein Drittel dieser Investitionen (35 Prozent) möchten sie in den USA tätigen. Dahinter kann Deutschland seine Position als eine der Top-Destinationen für Auslandsinvestitionen behaupten. 13 Prozent der CEOs weltweit planen Investitionen in Deutschland. Gleichauf auf dem geteilten zweiten Rang befinden sich Großbritannien und Indien (jeweils 13 Prozent), wobei der Subkontinent neben den USA zu den Regionen mit der größten Dynamik gehört. Im Vorjahr zählten lediglich sieben Prozent der CEOs Indien zu ihren drei bevorzugten Zielen. Ebenfalls dynamisch verändert sich die Investitionsbereitschaft in den Ländern des Nahen Ostens. Zusammengenommen zählen elf Prozent der CEOs weltweit diese Region zu ihren bevorzugten Zielen, gegenüber acht Prozent im Vorjahr.
Damit zeichnen die Ergebnisse des 29. Global CEO Survey ein neues Bild der Globalisierung. Sie ist nicht im Rückzug, aber im Wandel. Profitieren werden Länder, die sich auf dienstleistungsorientiertes Wachstum spezialisiert haben, die in kritischen Lieferketten positioniert sind oder über beträchtliche Staatsvermögen verfügen, um ihren Einfluss durch umfangreiche Investitionen in neuen Sektoren auszubauen.
„Kurzfristige Schocks wie Cyberangriffe und geopolitische Risiken sind nur ein Teil der Herausforderung. Entscheidend ist auch, dass sich Märkte und Industrien unter dem Einfluss von Megatrends grundlegend verändern. CEOs müssen ihre Organisationen jetzt in den entstehenden Ökosystemen positionieren. Durch Innovationen, durch Akquisitionen, die komplementäre Fähigkeiten einbringen, und durch Kooperationen.“
Dieser Umbruch ist längst im Gange. 52 Prozent der CEOs in Deutschland (global: 42 Prozent) haben sich in den vergangenen fünf Jahren in neue Branchen oder Industrien vorgewagt – ein Anstieg um 20 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Die Motivation dahinter: Wachstum lässt sich nicht mehr allein aus dem Kerngeschäft generieren. Mehr als die Hälfte der CEOs orientieren sich um und suchen Chancen in neuen Branchen. Die größte Dynamik herrscht in den Bereichen Verteidigung, Luft- und Raumfahrt (28 Prozent, global: 14 Prozent), Energie und Versorgung (23 Prozent, global: 13 Prozent) und Unternehmensdienstleistungen (21 Prozent, global: 13 Prozent). Weltweit richten die meisten CEOs ihr Augenmerk auf den Bereich Technologie (Deutschland: 15 Prozent, global: 23 Prozent).
Dabei bleibt die Umsetzung herausfordernd. Neue Branchen und Geschäftsmodelle zu erschließen, erfordert zielgerichtete Innovationen. Zwar betrachten 49 Prozent der deutschen CEOs Innovation als zentralen Bestandteil ihrer Strategie. Der Anteil derer, die bereits konkrete Maßnahmen umsetzen, wie etwa Innovationszentren oder Inkubatoren (13 Prozent), schnelle Tests mit Endkunden (28 Prozent) oder Kooperationen mit Partnern (23 Prozent), ist jedoch deutlich geringer.
Das Ergebnis: Gemessen am Umsatzanteil spielen deutsche Unternehmen in neuen Bereichen jenseits ihrer Kernbranche meist noch eine Nebenrolle. Drei Viertel (75 Prozent) erzielt dort lediglich ein bis 20 Prozent ihres Umsatzes. Nur acht Prozent schaffen es über die 21-Prozent-Marke, während Unternehmen weltweit ihre Produkte und Services bereits radikaler, risikobereiter und erfolgreicher verändern.
Dazu passt, dass CEOs in Deutschland knapp die Hälfte ihrer Zeit (49 Prozent) Aufgaben widmen, die einen Planungshorizont von weniger als zwölf Monaten haben. Nur 36 Prozent ihrer Zeit ordnen sie Entscheidungen zu, die zwischen einem und fünf Jahren in der Zukunft liegen – und nur 15 Prozent über diese fünf Jahre hinaus. Hier zeigt sich das Dilemma, in dem sie stecken: In Krisen richten Manager ihre Aufmerksamkeit stark auf das Hier und Jetzt. Eine erfolgreiche Transformation erfordert jedoch neben dem Umgang mit dem Unmittelbaren auch einen fokussierten Bick in die Zukunft. Wie sie ihre Zeit investieren, um den Spagat zwischen dringenden Prioritäten und visionären Investitionen zu meistern gehört somit zu den wichtigsten Entscheidungen von CEOs.
„Deutsche Unternehmen reagieren auf Veränderungen wie sie es jahrzehntelang gelernt haben: Mit Optimierung. Aber Effizienz allein reicht nicht mehr aus. Wir brauchen mehr Mut und Überzeugung für Neues – und bisweilen sogar die Bereitschaft, einen Teil des alten Geschäftsmodells für die Zukunft aufzugeben. Wer zu lange daran festhält, riskiert am Ende genau das, was er schützen möchte: Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit.“
PwC unterstützt seine Kunden dabei, Vertrauen aufzubauen und sich neu zu erfinden. Im PwC-Netzwerk verwandeln mehr als 365.000 Mitarbeitende in 136 Ländern täglich komplexe Herausforderungen in Chancen und Wettbewerbsvorteile. Mit modernsten Technologien und fundiertem Fachwissen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuern, Recht und Beratung tragen wir dazu bei, Momentum zu schaffen, auszubauen und zu erhalten.
PwC Deutschland bezeichnet in diesem Dokument die PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die eine Mitgliedsgesellschaft der PricewaterhouseCoopers International Limited (PwCIL) ist. Jede der Mitgliedsgesellschaften der PwCIL ist eine rechtlich selbstständige Gesellschaft.
Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.