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Steve Henning
Senior Manager, Head of Digital Growth
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Die Tokenisierung realer Vermögenswerte revolutioniert die Art und Weise, wie Werte geschaffen, gehandelt und investiert werden. Durch die digitale Abbildung von physischen oder traditionellen Assets auf der Blockchain werden diese Vermögenswerte global zugänglich, handelbar und teilbar – und eröffnen so neue Chancen für Unternehmen, Investoren und Märkte.
Bestehende Distributionskanäle werden effizienter und digitaler. Zudem können völlig neue Distributionskanäle, wie Sekundärmärkten, Krypto-Börsen oder Neo-Broker mit Hilfe tokenisierter Assets erschlossen werden. Damit richten Kunden sich an den bevorzugten Investitionsplattformen junger, technologieaffiner Retail-Investoren aus.
Aber auch professionelle Akteure, wie bspw. institutionelle Investoren, Treasurer oder Corporates, profitieren von tokenisierten RWAs. Tokenisierte Assets ermöglichen die nahezu sofortige Übertragung und Abwicklung von Transaktionen. Im Gegensatz zu klassischen Wertpapier- oder Fondsabwicklungen, die oft mehrere Stunden oder Tage dauern, können tokenisierte Geldmarktfonds (MMF) oder andere Assets in Echtzeit transferiert und abgerechnet werden. In der Folge könnten Unternehmen auch Stablecoins verzinst anlegen.
Doch die Umsetzung ist anspruchsvoll. Regulatorik, Governance und Datenqualität zählen ebenso wie die Integration ins Kernsystem‑Umfeld zu den Herausforderungen vieler Unternehmen. Business Case, Zielbetriebsmodell und die Auswahl der richtigen Partner müssen früh definiert sein. Entscheidend ist ein strukturiertes Vorgehen: Fachbereichsverständnis plus Technologie‑ und Compliance‑Expertise. So wird Tokenisierung vom Experiment zur Wertschöpfung – vom ersten Use Case bis in den produktiven Betrieb.
Warum jetzt? Infrastrukturen reifen, Institutionen professionalisieren sich, und die Nachfrage nach digitalen, liquiden, transparenten Angeboten steigt.
Zuallererst bietet sich an für eine begriffliche Klarheit zu sorgen. Und dafür gilt: Blockchain ≠ Krypto.
Digitale Assets sind alle Vermögenswerte, die in digitaler Form existieren und einen wirtschaftlichen Wert haben. Dazu gehören zum Beispiel tokenisierte Wertpapiere, digitale Anleihen, digitale Fondsanteile oder Stablecoins.
Krypto (oder Kryptowährungen) sind eine Unterkategorie der digitalen Assets. Sie sind rein digitale, meist nicht regulierte Zahlungsmittel oder Wertaufbewahrungsmittel (wie Bitcoin oder Ether), die keinen realen Gegenwert oder Emittenten haben.
Blockchain bildet das technologische Fundament digitaler Assets. Es entspricht einer dezentralen, transparenten & sicheren Datenhaltung.
Smart Contracts dienen der Automatisierung von Prozessen, zum Beispiel automatisierte Auszahlung von Ausschüttungen oder Renditen. Es sind frei programmierbare „Wenn-Dann-Funktionen“. Beispiel: Wenn Ihr potenzieller Investor die von Ihnen definierten KYC-Anforderungen hinterlegt, dann löst der Smart Contract die Transaktion aus.
Die Tokenisierung bildet dabei das digitale Eigentum an dem real existierenden Asset ab. In der Praxis wird häufig indirekt tokenisiert. Dabei wird die bspw. eine Immobilie in eine Zweckgesellschft (SPV) überführt. und Investoren erwerben digitale Anteilsscheine (Tokens) an dieser Gesellschaft. Diese Tokens repräsentieren somit das wirtschaftliche Eigentum an der Immobilie, nicht das direkte Grundbuchrecht.
Das Prinzip gilt analog für andere Asset-Klassen:
Bei Fonds oder Anleihen werden die zugrundeliegenden Rechte und Ansprüche digital verbrieft und als Token ausgegeben.
Die Tokenisierung schafft so eine digitale, handelbare Abbildung des wirtschaftlichen Eigentums, während die rechtliche Struktur (zum Beispiel SPV, Fondsvehikel) weiterhin die Verbindung zum realen Asset sicherstellt.
Tokenisierte Real Assets – ob Immobilien oder Infrastruktur wie erneuerbare Energien – ermöglichen den Zugang zu traditionell illiquiden Märkten. Durch digitale Teilbarkeit entstehen neue Investorenkreise, effizientere Finanzierungsmodelle und schnellere Kapitalflüsse. Für Projektentwickler, Banken und Asset Manager bietet dies geringere Transaktionskosten, höhere Liquidität und eine moderne, transparente Abwicklungsinfrastruktur.
Rohstoffe wie Gold, Silber oder Industriemetalle sind global nachgefragt – Tokenisierung beseitigt dabei viele logistische und regulatorische Hürden. Digitale Rohstofftoken ermöglichen 24/7‑Handel, Echtzeit‑Ownership und effiziente Verwahrung. Besonders attraktiv für Vermögensverwalter, Börsen und Banken, die neue, regulierte digitale Rohstoffprodukte anbieten oder Bestandsprozesse vereinfachen möchten.
Tokenisierte Fondsanteile erhöhen die Handelbarkeit und senken operative Komplexität. Ausschüttungen, NAV‑Berechnung und Orderprozesse lassen sich über Smart Contracts automatisieren. Asset Manager erreichen neue Zielgruppen (unter anderem jüngere Anleger, B2B2C‑Partner), während Distributoren von schnelleren Abwicklungen und geringeren Betriebskosten profitieren. Ideal für Fondsanbieter, die ihr Produktportfolio digital erweitern möchten.
Digitale Anleihen ermöglichen vollautomatisierte Emission und Settlement – ohne manuelle Workflows oder mehrtägige Abwicklungszyklen. Durch programmierbare Regeln lassen sich Kupons, Corporate Actions und Reporting effizient abbilden. Unternehmen verkürzen ihre Time-to-Market, Banken reduzieren Risiken, und Investoren profitieren von höherer Transparenz. Besonders relevant für Debt‑Capital‑Markets‑Teams.
FX‑Swaps gehören zu den volumenstärksten Finanzinstrumenten weltweit. Durch Tokenisierung können Abwicklung, Collateral Management und Bilaterale Risiken stark reduziert werden. Echtzeit‑Settlement, sinkende Gegenparteirisiken und geringere Operationals machen das Modell attraktiv für Treasury‑Abteilungen, Banken und Handelsplattformen. Ideal für Institute, die FX‑Prozesse modernisieren und Kosten reduzieren möchten.
Strukturierte Produkte profitieren besonders vom programmierbaren Charakter digitaler Wertpapiere. Tokenisierung ermöglicht transparente Produktlogiken, schnellere Emission und automatische Lifecycle‑Prozesse. Retail‑Broker, Emittenten und Börsen können Produkte effizienter verwalten und neue digitale Produktlinien aufsetzen – mit niedrigeren Kosten und höherer Geschwindigkeit.
Unternehmensdarlehen und Forderungen lassen sich durch Tokenisierung flexibler finanzieren. Digitale Tokens ermöglichen schnellere Platzierungen, einfaches Fractional Ownership und automatisierte Rückzahlungsprozesse. Besonders spannend für Finanzierer, Leasinggesellschaften und Unternehmen, die Liquidität effizienter managen oder alternative Finanzierungsquellen erschließen möchten.
Private Debt und Private Equity gehören zu den wachstumsstärksten Segmenten der alternativen Anlagen. Durch Tokenisierung werden beide Anlageformen deutlich zugänglicher, effizienter und transparenter. Private Debt profitiert insbesondere von automatisierten Zahlungsströmen, schnellerer Platzierung und verbesserter Handelbarkeit von Kreditforderungen. Private Equity wiederum gewinnt durch digitale Anteilsscheine, die frühzeitige Liquiditätspools, vereinfachte Secondary‑Trades und eine breitere Investorenbasis ermöglichen. Besonders relevant für Private‑Capital‑Manager, Family Offices, Unternehmensfinanzierer und digitale Vermögensplattformen, die ihr Angebot skalieren möchten.
Stablecoins bilden das Rückgrat vieler digitaler RWA‑Modelle, da sie sofortige, kostengünstige und transparente Transaktionen ermöglichen. Sie reduzieren Settlementrisiken, erleichtern Cash‑Management in digitalen Märkten und dienen als Brücke zwischen Fiat‑ und On‑Chain‑Ökosystem. Für Banken, Broker und FinTechs sind sie ein zentraler Baustein für effizientere, globale Zahlungs‑ und Abwicklungsprozesse.