Corona sorgt für raue See

PwC-Reederstudie 2020: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die deutschen Hochsee-Reedereien

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Dr. André Wortmann
Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums bei PwC Deutschland
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Erste Welle gut gemeistert

Die Corona-Pandemie trifft auch die deutsche maritime Wirtschaft: Die erste Welle hat die Branche gut gemeistert, doch wächst die Sorge vor den Folgen der zweiten Welle. Preisdruck und ein schwächeres Wachstum der Frachtmengen dürften den Konsolidierungsdruck in der Branche erhöhen. Eine dauerhafte Verlagerung der Handelsströme und damit ein Bedeutungszuwachs für Kurz- und Mittelstreckentransporte sind für viele deutsche Reeder ein denkbares Szenario. Welche Konsequenzen die Branche zieht, analysiert die 12. PwC-Reederstudie.

„Die erste Pandemie-Welle haben die Reedereien noch gut bewältigt. Jetzt stellt sich die Frage, ob sich die jüngste Erholung bei Fracht- und Charterraten fortsetzt oder lediglich ein Nachholeffekt war. Weiter steigende COVID-19-Fallzahlen und damit einhergehende Einschränkungen in zahlreichen Ländern weltweit werden die deutschen Reedereien erneut vor Herausforderungen stellen.“

Dr. André Wortmann, Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick

COVID-19 bringt (lösbare) logistische Probleme

Die logistischen Herausforderungen der Pandemie haben die deutschen Reeder insgesamt gut bewältigt: Die Treibstoffversorgung der Schiffe war überwiegend sichergestellt (in 91 Prozent der Reedereien), allerdings berichten fast 80 Prozent über Schwierigkeiten beim Crewwechsel auf den Schiffen. Bemerkenswert: Trotz massiver Einschränkungen bei der Abfertigung konnten 51 Prozent der Reeder ihre Ladung pünktlich löschen.

Zweite Welle erhöht Konsolidierungsdruck

30 Prozent der deutschen Reeder gehen davon aus, in den kommenden zwölf Monaten Schiffe auflegen zu müssen, 12 Prozent wollen Bauaufträge verschieben. COVID-19 dürfte aber nicht nur Folgen für die Größe der deutschen Hochseeflotte haben, sondern auch für die Zahl der Reedereien: Gut 60 Prozent der Reeder gehen davon aus, dass es wegen der Krise zu neuen Unternehmenszusammenschlüssen kommen wird.

Verhaltenes Wachstum erwartet

Das weltweite Frachtaufkommen wird nach Einschätzung der Reeder in den kommenden fünf Jahren langsamer steigen. Aktuell rechnen 52 Prozent der Reeder mit Zuwächsen, gegenüber 67 Prozent vor einem Jahr. Das hat auch Folgen für die Preise: Knapp jeder siebte Reeder geht von sinkenden Frachtraten auf Sicht der kommenden zwölf Monate aus. Im Chartergeschäft befürchtet sogar mehr als jeder fünfte Befragte fallende Raten.

Dämpfer für die Globalisierung

Zumindest auf mittlere Sicht hat die Pandemie nach Einschätzung der Reeder Auswirkungen auf die weltweiten Handelsströme. Über 70 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass es Verschiebungen bei Fahrtgebieten geben wird und beispielsweise die Zielländer China und USA an Bedeutung einbüßen. Knapp die Hälfte der Entscheider (46 Prozent) sieht die Regionalisierung eher als vorübergehendes Phänomen, allerdings glauben annähernd ebenso viele (41 Prozent) an einen nachhaltigen Trend.

Klimaschutz und Finanzierung bleiben Top-Prioritäten

Trotz der aktuellen Probleme durch die Coronakrise behalten andere Themen die Priorität auf der strategischen Agenda der Reedereien. Die größten Herausforderungen auf Sicht der kommenden zehn Jahre sind nach Ansicht der Reeder Finanzierungsfragen (85 Prozent) sowie die Umrüstung der Flotten, um Klimaschutz und Umweltauflagen gerecht zu werden (82 Prozent). Die Vorbereitung auf weitere Pandemien sehen hingegen nur 14 Prozent als drängendes strategisches Thema an.

Die Methodik

Die PwC-Reederstudie, die in diesem Jahr zum zwölften Mal durchgeführt wurde, basiert auf einer jährlichen Befragung von Führungskräften deutscher Hochseereedereien. Neben einer Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung gibt die Studie einen Überblick über die Erwartungen der Unternehmen zu Kennzahlen wie Ladungsaufkommen, Fracht- und Charterraten sowie Schiffskäufen und -verkäufen. Zusätzlich werden jeweils aktuelle Branchenthemen vertieft. Für die aktuelle Studie wurden zwischen Juni und August 2020 95 Interviews geführt. Die befragten Reedereien beschäftigen im Durchschnitt etwa 790 Mitarbeiter, davon rund 620 auf See. Gut 25 Prozent der Unternehmen erwirtschaften weniger als 20 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, gut 20 Prozent kommen auf 100 Millionen Euro und mehr.

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Partner Business Recovery Services (Restrukturierung / Sanierung) Schwerpunkte: Healthcare, Transport & Logistik, Maritime Industrie Industry Coordinator Transport & Logistics Deals, PwC Europe. Leiter Maritimes Kompetenzzentrum, PwC Germany

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Burkhard Sommer

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