Startups in Bayern: Regionalauskopplung des DSM

Deutscher Startup Monitor 2021: Bayerische Startups profitieren von starker Forschungs- und Hochschullandschaft

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Dietmar Eglauer

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Standortleiter PwC München
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Das Startup-Ökosystem Bayerns ist im Bundesvergleich stark aufgestellt

In Bayern finden Unternehmensgründer:innen hervorragende Bedingungen. Dabei bildet München mit seiner hohen Anziehungskraft für Kapital und Talente das Herzstück der bayerischen Startup-Landschaft und hat sich neben Berlin als wichtigster Gründer-Hotspot Deutschlands etabliert.

Ein Erfolgsrezept für das Startup-Ökosystem im Süden Deutschlands: Der enge Austausch mit der erstklassigen Hochschul- und Forschungslandschaft. Schwierigkeiten bereiten den bayerischen Entrepreneuren jedoch die hohen Büromieten, insbesondere in der Landeshauptstadt.

„Bayern verfügt über ein breites Startup-Ökosystem und mit München über einen klaren Hotspot, der es mit Berlin aufnehmen kann. Doch auch in anderen Regionen Bayerns, etwa rund um Nürnberg und im Allgäu, haben sich in den vergangenen Jahren vielversprechende Startup-Ökosysteme entwickelt.“

Dietmar Eglauer, Standortleiter von PwC in München

Die Studie im Überblick

Zwei Drittel sind mit den Standortbedingungen zufrieden

Die bayerischen Gründer:innen wissen die Stärken ihrer Region zu schätzen: 64 Prozent bewerten das Ökosystem an ihrem Standort positiv. Dabei treten jedoch deutliche Unterschiede zwischen München und den übrigen Regionen Bayerns zutage: In der Landeshauptstadt sind 77 Prozent mit den Bedingungen an ihrem Standort zufrieden, außerhalb Münchens liegt dieser Wert nur bei 46 Prozent. Insbesondere beim Zugang zu Kapital und Talenten zeigt sich außerhalb Münchens deutlicher Nachholbedarf.

Dennoch schneidet das bayerische Startup-Ökosystem bei fast allen Standortfaktoren besser ab als der Bundesschnitt: Nur bei einem der zehn abgefragten Faktoren kommt Bayern deutlich schwächer weg: Bei der Verfügbarkeit bezahlbarer Büroimmobilien. Damit sind nur 20 Prozent der bayerischen Startups zufrieden (bundesweit 40 Prozent).

Infografik: Positive Bewertung des Ökosystems

Überdurchschnittlich viele Beschäftigte und geplante Neueinstellungen

Auch personell sind die Startups in Bayern vergleichsweise stark aufgestellt: Sie beschäftigen überdurchschnittlich viele Mitarbeiter:innen (28 im Vergleich zu 18 bundesweit). In den kommenden Monaten sollen im landesweiten Schnitt 13 neue Kolleg:innen hinzukommen (bundesweit 9). Mit der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal vor Ort sind 58 Prozent der bayerischen Jungunternehmer:innen zufrieden.

Die Anziehungskraft der Region für Talente von außerhalb ist zwar groß, aber insbesondere die extrem hohen Kosten für Wohn- und Büroimmobilien im Großraum München erschweren die Rekrutierung und Personalplanung: 29 Prozent der Befragten zählen die Suche und Einstellung neuer Mitarbeitender mittlerweile zu einer der größten Herausforderungen. 2020 lag dieser Wert noch bei 16 Prozent.

München besticht mit starker Finanzierungslandschaft

Auch beim Thema Geld zeigt sich in Bayern der Graben zwischen München und den übrigen Landesteilen: Die Hauptstadt verfügt als Startup-Hotspot über eine besonders starke Finanzierungslandschaft. In der Fläche gibt es beim Thema Kapital dagegen Nachholbedarf: Während in München zwei Drittel der Startups externes Kapital aufnehmen, ist es im Rest des Bundeslandes nur rund jedes zweite.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Zugang zu Wagniskapital: In München finanzieren sich 34 Prozent der Startups über Venture Capital, außerhalb der bayerischen Hauptstadt nur sieben Prozent. Jedes zweite Münchner Startup wird von Business Angels finanziell unterstützt, im landesweiten Schnitt sind es nur 39 Prozent. Eine große Lücke besteht im ganzen Bundesland bei der Finanzierung durch strategische Investoren: Während 48 Prozent diese Art der Finanzierung gerne nutzen würden, haben lediglich 17 Prozent die Möglichkeit dazu.

Infografik: Genutzte vs. bevorzugte Finanzierungsquellen

Schulterschluss mit Hochschulen als Erfolgsfaktor

Einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg der bayerischen Startup-Landschaft ist die enge Zusammenarbeit mit den Hochschulen: Mehr als jede vierte Gründung in Bayern (28 Prozent) findet im Umfeld von Universitäten statt. Die Stärke der bayerischen Hochschulen liegt dabei in der Verbindung von Wirtschaft und Technologie. So bilden TU und LMU beispielsweise am gemeinsamen „Center for Digital Technology and Management“ an der Schnittstelle von Technologie und Management aus.

Die Hochschulen fungieren in Bayern übrigens nicht nur als Talentschmieden, sondern auch als Treffpunkte, an denen sich die Gründenden am häufigsten kennenlernen: 42 Prozent kennen ihre Mitgründer:innen vom Besuch derselben Hochschule oder Universität.

Nicht nur mit der Wissenschaft, auch mit der etablierten Wirtschaft findet in Bayern ein enger Austausch statt: 65 Prozent der hiesigen Startups kooperieren mit etablierten Unternehmen und eröffnen sich damit neue Möglichkeiten. Damit liegen sie aber „nur“ im Bundesschnitt.

Infografik: Mehr als jede vierte Gründung findet im Umfeld von Universitäten statt

Startups treiben die Digitalisierung voran

Spitze ist Bayern nicht zuletzt als Technologiestandort. Digitale Schlüsseltechnologien sind hier überdurchschnittlich oft Teil der Produktentwicklung. Für 46 Prozent spielt etwa Künstliche Intelligenz eine (große) Rolle für das Geschäftsmodell. München sticht dabei als Deep-Tech-Cluster hervor: In der Landeshauptstadt hat KI für 53 Prozent der Startups einen entscheidenden Einfluss auf ihr Business Modell.

Auch der Blick auf die Geschäftsmodelle untermauert den digitalen Fokus: Insgesamt verfolgen 72 Prozent ein digitales Geschäftsmodell – im Vergleich zu 66 Prozent bundesweit. Dabei spielt Software as a Service (SaaS) als gut skalierbares Geschäftsmodell eine entscheidende Rolle. Damit sind Startups ein wichtiger Faktor bei der Digitalisierung der etablierten Wirtschaft und Taktgeber für Innovation und Fortschritt im ganzen Bundesland.

Weitere Ergebnisse der Studie im Überblick

Geschäftsklima

Die Stimmung ist wieder auf Vorkrisenniveau

Das Geschäftsklima in bayerischen Startups hat sich nach einem deutlichen Einbruch im Krisenjahr 2020 wieder erholt und liegt wieder fast auf dem Vorkrisenniveau. Die Corona-Pandemie hat aber nach wie vor Auswirkungen auf die Startups im Bundesland: Fast jedes zweite gibt an, noch immer negativ von der Pandemie betroffen zu sein. Im Vorjahr lag dieser Wert allerdings noch bei 75 Prozent.

Internationalisierung

Knapp drei Viertel planen den Gang ins Ausland

72 Prozent der bayerischen Startups wollen internationalisieren. Dieser Wert liegt leicht über dem Bundesschnitt von 69 Prozent. Für die große Mehrheit (88 Prozent) stehen dabei die EU-Länder im Fokus. Immerhin 31 Prozent nehmen auch Ziele in Nordamerika ins Visier.

Diversität

Die Vielfalt im Ökosystem weiter stärken

Die Internationalität der Startup-Teams in Bayern liegt über dem Bundesdurchschnitt: Ein Drittel der Mitarbeitenden stammt aus dem Ausland (bundesweit nur 28 Prozent), in München sind es sogar 36 Prozent. Der Frauenanteil unter den Gründer:innen liegt mit 17 Prozent jedoch leicht unter dem deutschlandweiten Schnitt von 18 Prozent.

Gründungsaktivitäten

Rege Gründungsaktivitäten trotz Krise

Viele Gründer:innen in Bayern konnten die Herausforderungen der Coronakrise erfolgreich meistern und an ihren Gründungsplänen festhalten: 43 Prozent der befragten Startups wurden in den Krisenjahren 2020 und 2021 gegründet. 27 Prozent der Startups befinden sich bereits in der Wachstumsphase oder einer noch späteren Phase.

Branchenschwerpunkte

Die gesamte Wirtschaft profitiert von Neugründungen

Die bayerischen Startups decken ein breites Branchenspektrum ab und sind als Innovatoren vielfältig aktiv. Der klare Schwerpunkt liegt auf der Informations- und Kommunikationstechnologie: 30 Prozent der bayerischen Startups gehören zur IKT-Branche (bundesweit 31 Prozent). Gegenüber dem Bundesschnitt stärker vertreten sind die Automobilbranche und der Bildungssektor.

„Insbesondere beim Zugang zu Kapital und Talenten zeigt sich außerhalb Münchens deutlicher Nachholbedarf. Gerade in der Fläche muss Bayern sein Ökosystem deshalb weiter stärken und noch besser mit dem Standort München vernetzen.“

Sandra Zölch,PwC-Startup-Initiative Next Level für die Region Süd bei PwC Deutschland

Die Methodik

Zu diesen Ergebnissen kommt der 9. Deutsche Startup Monitor (DSM), den der Startup-Verband und PwC in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellt haben. An der Studie haben sich über 2.000 deutsche Startups beteiligt, davon 236 aus Bayern. 55 Prozent der befragten bayerischen Startups haben ihren Sitz in München.

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