Deutscher Startup Monitor: Auskopplung Frankfurt

Ergebnisse 2019: Bei Frankfurter Startups stehen die Ampeln auf grün

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Michael Burkhart

Michael Burkhart
Standortleiter Frankfurt bei PwC Deutschland
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Frankfurter Startups setzen mit grüner Agenda auf Wachstum

Startups im Großraum Frankfurt haben sich Wachstum auf die Fahnen geschrieben – und setzen dafür auf grüne, soziale Themen. Gut die Hälfte der Gründerinnen und Gründer aus der hessischen Metropole (56 Prozent) bezeichnen Wachstum als ihre aktuell wichtigste Aufgabe und priorisieren das Thema damit höher als Vertrieb und Kundengewinnung (51 Prozent), Produktentwicklung (42 Prozent) und Kapitalbeschaffung (40 Prozent). Bundesweit steht Wachstum nur bei gut einem Drittel der Startups als Top-Thema auf der Liste. 

„Bei den Frankfurter Startups stehen die Zeichen auf Wachstum. Spannend ist dabei, dass die Gründerinnen und Gründer der Region mit ihren Produkten und Dienstleistungen überdurchschnittlich häufig auf Nachhaltigkeit und gesellschaftlich relevante Themen setzen. Wachstum und eine grüne, soziale Agenda gehen in der Mainmetropole Hand in Hand.“

Michael Burkhart, Standortleiter Frankfurt bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick

Ambitionierte Wachstumspläne 

Um ihre ehrgeizigen Wachstumsziele zu verwirklichen, wollen die Frankfurter Startups in den kommenden zwölf Monaten vor allem in neue Mitarbeiter investieren und ihre Belegschaft kräftig aufstocken – von aktuell 15 Beschäftigten auf knapp 23. Teil dieser Wachstumsstrategie ist der Gang ins Ausland. Mehr als drei Viertel der Frankfurter Gründerinnen und Gründer (77 Prozent) haben konkrete Pläne für eine Internationalisierung. Das sind deutlich mehr als im bundesweiten Durchschnitt, wo nur zwei Drittel derzeit über die Ausweitung ihres Geschäfts in andere Länder nachdenken.

Grüne und soziale Agenda

Die Hälfte der Frankfurter Gründerinnen und Gründer gibt an, dass ihre Produkte und Dienstleistungen darauf abzielen, gesellschaftliche Problemstellungen zu lösen, sich also dem Bereich „Social Entrepreneurship“ zuordnen lassen. Im Bundesdurchschnitt liegt dieser Anteil nur bei 42 Prozent. Und 44 Prozent der Entrepreneure aus der hessischen Metropole (bundesweit: 37 Prozent) bieten Produkte und Dienstleistungen der „Green Economy“, leisten also einen Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz, primär in den Bereichen Rohstoff-, Material- und Energieeffizienz und bei der Vermeidung von Emissionen.

Wunsch und Wirklichkeit beim Thema Finanzierung 

Beim Thema Finanzierung klaffen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander: Die Finanzierungsformen, die sich Frankfurter Gründer wünschen, entsprechen nicht den Geldquellen, die sie aktuell nutzen: 78 Prozent der Frankfurter Jungunternehmer setzen auf eigene Ersparnisse, aber nur 37 Prozent bevorzugen diesen Weg der Finanzierung. Fast die Hälfte (47 Prozent) wünscht sich eine Finanzierung über Wagniskapital, aber nur 14 Prozent finanzieren sich tatsächlich über Venture Capital.

Hohe Zufriedenheit mit dem Standort 

Grundsätzlich sind Frankfurter Gründerinnen und Gründer zufrieden mit ihrem Standort: Sechs von zehn Startup-Entscheidern (bundesweit: 58 Prozent) bewerten das Ökosystem in Frankfurt als gut. Sie schätzen insbesondere die Nähe zu Universitäten, Beratern und Netzwerken. Gut die Hälfte (53 Prozent) ist auch mit der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal zufrieden (bundesweit nur 39 Prozent). 

Kritik an hohen Mietpreisen 

Kritisch sehen die hessischen Entrepreneure an ihrem Standort jedoch – neben dem Zugang zu Kapital – die Verfügbarkeit bezahlbarer Büroimmobilien. Diese bezeichnet die Hälfte der Befragten als schlecht. Nur 27 Prozent befinden die Situation auf dem Immobilienmarkt als gut. Auch bei der Suche nach qualifiziertem Personal könnten hohe Mieten den Frankfurter Startups zu schaffen machen.

Die Methodik

Zu diesen Ergebnissen kommt die Regionalauskopplung des 7. Deutschen Startup Monitors (DSM), an der 55 Unternehmen aus dem Frankfurter Raum teilgenommen haben. Den DSM haben der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen erstellt und im November 2019 veröffentlicht.

Experten im Interview

Drei Fragen an Michael Burkhart, Standortleiter PwC Frankfurt, und Daniel Spengemann, Leiter der PwC-Startup-Initiative NextLevel am Standort Frankfurt:

Frankfurt galt lange nicht unbedingt als Startup-Hochburg. Hat sich das mittlerweile geändert? 

Daniel Spengemann: Frankfurt hat sich zu einem attraktiven Standort für Startups gemausert. Die jungen Gründerinnen und Gründer fühlen sich hier wohl – sechs von zehn Startup-Unternehmen aus dem Frankfurter Raum bewerten das Ökosystem in der Mainmetropole als gut. Sie wollen wachsen, im Schnitt acht neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen und ihre Aktivitäten ins Ausland ausweiten. Dabei profitieren sie in vielerlei Hinsicht von der Wirtschaftskraft und Attraktivität des Rhein-Main-Gebiets: Sie tun sich leichter, High Potentials zu rekrutieren und gehen häufiger Kooperationen mit etablierten Unternehmen ein als Gründer im übrigen Deutschland. 

Gegen Frankfurt spricht allerdings die angespannte Situation auf dem Immobilienmarkt… 

Michael Burkhart: Die hessischen Startup-Unternehmen sehen dieses Thema in der Tat kritisch. Die Hälfte der Gründer gab in unserer Befragung an, dass die Verfügbarkeit bezahlbarer Büroimmobilen schlecht sei. Und hohe Mieten werden auch bei der Suche nach qualifiziertem Personal zum Problem, denn sie schrecken potenzielle Arbeitskräfte ab. Auf gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Jungunternehmer jedoch stark angewiesen, um ihre ehrgeizigen Wachstumspläne verwirklichen zu können. Eine Umfrage, die wir im vergangenen Sommer erstellt haben, bestätigt: Mietpreise sind neben jobbedingten Kriterien der wichtigste Aspekt, wenn bei einem Arbeitswechsel ein Umzug ansteht.

Für viele Startups liegt die Krux in der Finanzierung ihres Business. Profitiert die hiesige Startup-Szene von der Nähe zu den großen Finanzinstituten? 

Spengemann: Gründerinnen und Gründern in Frankfurt fällt es tatsächlich tendenziell etwas leichter als Entrepreneuren in anderen Regionen Deutschlands, sich Zugang zu Kapital zu verschaffen und Investoren von sich zu überzeugen. Mangelware in Frankfurt – genau wie anderswo im Land – sind allerdings mutige Investoren und Risikokapitalgeber nach amerikanischem Vorbild. Denn die Gründer wollen nicht mehr nur auf eigene Ersparnisse und klassische Finanzierungsformen wie Bankdarlehen angewiesen sein, sondern sich auch über Wagniskapital finanzieren. Hier braucht es einen echten Kulturwandel – am Main und im Rest der Republik.

Michael Burkhart

Michael Burkhart

Michael Burkhart ist Standortleiter von PwC Frankfurt und Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland. Der Wirtschaftsprüfer verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung bei PwC. Am Rhein-Main-Gebiet schätzt er besonders die Vielseitigkeit und dass es erfolgreiche Dienstleistungsunternehmen, innovative Startups, große Weltkonzerne und kleine Hidden Champions - und damit jede Menge Technologie-Know-How, Forscherdrang und Ideenreichtum gibt.

Daniel Spengemann

Daniel Spengemann

Daniel Spengemann ist Wirtschaftsprüfer und hat sich auf Private Equity und Familienunternehmen spezialisiert. Durch diesen Hintergrund behält er auch im Startup-Dschungel jederzeit den Überblick. Seine langjährige Erfahrung im Durchleuchten unterschiedlichster Unternehmen hilft ihm dabei, Herausforderungen für Jungunternehmer zu erkennen und ihnen dabei zu helfen, diese zu bewältigen – von den ersten Schritten der Unternehmensgründung über den Gang ins Ausland bis an die Börse.

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Leiter Gesundheitswirtschaft und Managing Partner Region Mitte, PwC Germany

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