Optimismus trotz großer Unsicherheit und hoher Volatilität

PwC Deals Studie: Wie Entscheidungsträger das aktuelle Marktumfeld und die Zukunftsaussichten einschätzen und ihre Strategien anpassen

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Dr. Joachim Englert
Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Advisory bei PwC Deutschland
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Unternehmenssteuerung in volatilen Zeiten

Das aktuelle Unternehmensumfeld ist immer stärker von den so genannten VUCA-Faktoren (Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität) geprägt – darüber sind sich die Experten einig. Die Auslöser dafür sind vielfältig: Von neuer Regulierung und sich wandelnden Konsumpräferenzen über Umweltrisiken und politischen Spannungen bis hin zu technologischen Innovationen und der aktuellen Corona-Pandemie, die für heftige Marktturbulenzen sorgt und sich in Form von Nachfrage- und Angebotsschocks, Ad-hoc-Meldungen, Gewinnwarnungen oder Warnungen bei den Ergebnisprognosen bemerkbar macht. Doch wie gehen Unternehmenslenker mit diesen Unsicherheiten um? Wie gelingt es ihnen, ihr Unternehmen durch das unsichere Fahrwasser zu schiffen? Diesen Fragen geht die exklusive PwC Deals Studie in Kooperation mit Kantar und der Technischen Universität Darmstadt in drei Teilen nach.

Download Studie (PDF, 0,3 MB)

„Die Studienteilnehmer zeigen sich überraschend optimistisch: Sie sind der Meinung, dass sich die Corona-Krise nur relativ wenig auf das aktuelle Geschäft und die Aussichten für die kommenden fünf Jahre auswirkt. Das ist angesichts der jüngsten Marktturbulenzen erstaunlich, zeigt aber auch eine beeindruckende Zuversicht, die anstehenden Herausforderungen erfolgreich zu meistern.“

Dr. Joachim Englert, Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Advisory bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick

„Optimism on uncertain grounds“ ist der erste Teil der dreiteiligen PwC Deals Studie und untersucht, wie Entscheidungsträger das aktuelle Geschäftsumfeld und die Zukunftsaussichten wahrnehmen und wie sich dies auf ihren Strategieprozess auswirkt. Die Studie nimmt dabei auch konkret Bezug auf die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie sowie das Phänomen der steigenden Marktunsicherheit und -volatilität an sich. Ein Ergebnis: Unternehmenslenker in Deutschland, Österreich und der Schweiz beurteilen die derzeitige Marktsituation überraschend optimistisch. Das gilt sowohl im Hinblick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihr Geschäft und die allgemeine Marktlage als auch für die Zukunftsaussichten. Im November 2020 erscheint mit „Mastering uncertainty and volatility“ der zweite Teil der Studie. Der Fokus liegt hier auf den Auswirkungen des gegenwärtigen Marktumfeldes für das Portfolio-Management sowie Ansätzen zur agilen Unternehmensführung. „Unlocking value through carve-outs“ bildet schließlich mit Veröffentlichung im Dezember 2020 den dritten Teil der Studie und analysiert die Rolle von Transaktionen und Carve-outs als strategisches Instrument.

Die Studienergebnisse im Überblick – Teil 1: Optimism on uncertain grounds

Marktwahrnehmung: Optimismus überwiegt

Im Teil „Optimism on uncertain grounds“ kommt die Studie zu überraschenden Ergebnissen: Die Befragten bewerten die Folgen der Pandemie auf die aktuelle Geschäftssituation relativ gelassen. Auffallend ist zudem, dass die Entscheider nur mit einem moderaten Anstieg der allgemeinen Volatilität und Unsicherheit in den kommenden fünf Jahren rechnen. Auch die Marktattraktivität und die Wachstumschancen in ihrem Geschäftsumfeld in den kommenden fünf Jahren bewerten die Befragten mit Zuversicht.

Den Optimismus der Unternehmenslenker begründet Dr. Joachim Englert folgendermaßen: „Entweder die Unternehmen agieren in ihrer sicheren Marktnische oder sie unterschätzen die Folgen der Pandemie. Denn die Auswirkungen der Corona-Krise werden aktuell noch durch die beispiellosen Interventionen der Regierung, etwa das Kurzarbeitergeld und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, abgemildert und dadurch möglicherweise verzerrt wahrgenommen.“

„Die Zukunft wird zeigen, ob sich die recht optimistische Stimmung der Entscheidungsträger angesichts der enormen Auswirkungen der Pandemie als Naivität herausstellt oder als berechtigtes, mutiges Vertrauen in ihre Managementfähigkeiten, die bevorstehenden Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.“

Erik Hummitzsch, Transaction Services Leader bei PwC Deutschland

Nach den größten Bedrohungen für die Positionierung im Wettbewerb befragt, nennen die Studienteilnehmer vor allem einen Wirtschaftsabschwung (80 Prozent), Umweltrisiken (61 Prozent), sich verstärkenden Wettbewerb (60 Prozent) und regulatorische Risiken (55 Prozent). Finanzierungsrisiken sieht nur jeder Vierte als Bedrohung. „Überraschenderweise empfinden die Entscheider die unternehmensspezifischen Risiken als weniger bedrohend als die Risiken für die Gesamtwirtschaft“, kommentiert Neil Siri, Deal Analytics & Technology Leader bei PwC Deutschland.

Auswirkungen auf den Strategieprozess: Organische Maßnahmen im Fokus

Weiter intensivierende VUCA-Faktoren prägen das Marktumfeld und beeinträchtigen die Markt- und Wachstumsaussichten. Unsere Hypothese war, dass die Entscheidungsträger der Unternehmen ihre Strategieprozesse entsprechend anpassen und zum Beispiel die Unternehmensstrategien auf einen kürzeren Zeithorizont fokussieren, um somit bei Änderungen des Marktumfelds schneller reagieren zu können. Die Studie zeigt jedoch, dass die Entscheider ihre Strategien in den kommenden fünf Jahren in etwa mit einem konstanten Zeithorizont formulieren – angesichts der weiter steigenden VUCA-Faktoren ein überraschendes Ergebnis. Dabei korreliert jedoch die Einschätzung zur Marktattraktivität und den Zukunftsaussichten mit den Zeitabständen, in denen die Entscheider ihre Unternehmensstrategie überprüfen: Je pessimistischer die Befragten die Marktattraktivität und die Zukunftsaussichten einschätzen, desto eher verkürzen sie den Zeithorizont für die Überprüfung ihrer Unternehmensstrategie.  

Als wichtigste Treiber für Unternehmen, um die Strategie anzupassen, geben 91 Prozent der Befragten veränderte Kundenpräferenzen an. Drei Viertel führen die Veränderungen im Wettbewerbsumfeld an. Gefragt nach den strategischen Maßnahmen, auf die sich die Entscheider aktuell fokussieren, nennen die Befragten die Optimierung der Effizienz, die Fokussierung auf das Kerngeschäft und die Entwicklung neuer Technologien. Die Neuausrichtung des Portfolios gilt als weitaus weniger wichtig.

Als wichtigste strategische Maßnahmen der kommenden fünf Jahre nennen die Befragten organische Maßnahmen wie Wachstumsprogramme (75 Prozent), Restrukturierungen (71 Prozent) sowie Forschung und Entwicklung (62 Prozent). Anorganische Maßnahmen wie Transaktionen zur Anpassung des Unternehmensportfolios stehen deutlich seltener auf der Agenda: Nur 11 Prozent ziehen Carve-outs als Möglichkeit in Erwägung, 38 Prozent Joint Ventures. Immerhin jeder Zweite nennt die Übernahme eines Unternehmens als Möglichkeit.

„Die Entscheidungsträger ergreifen in erster Linie organische Maßnahmen, um ihr Geschäft zu stabilisieren und zu optimieren. Sie lassen den strategischen Kurs tendenziell unverändert und vernachlässigen den Zeit- und Größenvorteil anorganischer Instrumente wie zum Beispiel Akquisitionen oder Verkäufe.“

Samy Walleyo, Delivering Deal Value Leader bei PwC Deutschland

Viele Entscheider fokussieren sich aktuell auf ihr Kerngeschäft und wollen ihre Effizienz verbessern. Nur eine Minderheit zieht Transaktionen in Betracht, um in dynamischen Märkten neuen Trends schnell und effektiv zu begegnen. Das hält Tobias Huesmann, Director Delivering Deal Value bei PwC Deutschland, für einen Fehler, denn: „Es dauert in der Regel länger und bindet mehr Ressourcen, strategische Ziele über organische Maßnahmen zu erreichen. Das gilt insbesondere in einem volatilen Marktumfeld, in dem derjenige gewinnt, der sich durch agile und entschiedene strategische Maßnahmen vom Wettbewerb abhebt“, so der Experte. Aus seiner Sicht bilden insbesondere Carve-outs ein gutes Mittel, um Kapital dort freizusetzen, wo es schlechte Renditen erzielt, und stattdessen in das zukunftsträchtige Kerngeschäft zu investieren, zum Beispiel neue Technologien oder Geschäftszweige.

„Die gegenwärtige COVID-19 Pandemie hat definitiv viel Schaden verursacht. Mutig und entschieden handelnde Entscheidungsträger können die Situation jedoch auch als einmalige Gelegenheit und Katalysator für Transformation und Innovation nutzen.“

Tobias Huesmann, Director Delivering Deal Value bei PwC Deutschland

Lesen Sie jetzt Teil 2 unserer dreiteiligen Deals-Studie: „Mastering uncertainty and volatility“ 

Unsicherheit und Komplexität beherrschen: Der zweite Teil der Studie untersucht, wie sich die Wahrnehmung von Marktstrukturen und Marktaussichten auf das Unternehmensportfolio und das Handeln der Entscheidungsträger auswirkt. Im Fokus: Das Portfoliomanagement und die Steuerung der operativen Unternehmensstrukturen.

Zu Teil 2 der Studie

Coming soon: Unlocking value through carve-outs (Teil 3)

Der dritte Teil der Studie analysiert die Rolle von Carve-outs als strategisches Instrument, um den Herausforderungen eines volatilen Marktumfelds und unsicheren Zukunftsaussichten zu begegnen. Ein Ergebnis der Analyse: Die Einführung eigenständiger Strukturen beim Carve-out hat sowohl auf die Geschwindigkeit als auch auf die Kosten positive Auswirkungen. Die Studie bietet Unternehmen zudem konkrete und in der Praxis unmittelbar anwendbare Handlungsempfehlungen zum Thema Carve-out, die dazu beitragen, dessen Wirkung als strategisches Instrument für die Unternehmensentwicklung zu maximieren.

Rund jedes dritte Unternehmen

hat in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen Carve-out durchgeführt.

72 %

der Befragten erwarten, dass Carve-outs auch in Zukunft eine wichtige Rolle spiele werden.

Knapp 46 % der Befragten

überführt den zu verkaufenden Geschäftsbereich bereits in eigenständige Strukturen, bevor der Käufer feststeht.

62 %

der Befragten gaben an bei der Durchführung von Carve-outs den Hauptfokus auf die Maximierung des Verkaufserlöses zu legen.


Die Methodik

PwC hat die dreiteilige Studie in Kooperation mit dem führenden Marktforschungsinstitut Kantar und der Technischen Universität Darmstadt erstellt. Befragt wurden im Juli 2020 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem Jahresumsatz über 300 Millionen Euro. An der Umfrage beteiligt haben sich 157 Entscheider aus der Vorstandsebene, dem Bereich M&A und Strategie. 

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