Unternehmen schwächeln beim Working Capital Management

PwC-Analyse 2020 zum Thema Working Capital Management mit 622 Unternehmen aus der DACH-Region und den Benelux-Ländern.

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Rob Kortman
Leiter Working Capital Management & Solutions bei PwC Deutschland
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Unternehmen binden immer mehr Kapital – und das immer länger

Der Umgang mit Working Capital und Cash Flow von Unternehmen aus der DACH-Region und den Benelux-Ländern hat sich erneut verschlechtert: Im Jahr 2018 ist das Netto-Umlaufvermögen (Net Working Capital, NWC) um 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, während die Umsätze im Schnitt nur um 4,0 Prozent zulegten. Insbesondere bei der Forderungs- und Bestandsreichweite schneiden die Unternehmen schwächer ab, während sich beim Umgang mit Verbindlichkeiten ein positiver Trend abzeichnet.

„Wenn die Wirtschaft schwächelt, steigt der Kostendruck. Vor diesem Hintergrund rückt das Thema Cash Management als wichtiger Hebel im Wertschöpfungsprozess an die Spitze der Agenda der Finanzchefs. Das gilt umso mehr vor dem Hintergrund der digitalen Transformation, für die Investitionen in neue Technologien anstehen. Und dafür braucht es Liquidität, die sich auch aus dem Netto-Umlaufvermögen gewinnen lässt.“

Rob Kortman, Leiter Working Capital Management & Solutions bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick

Kapitalbindungsdauer steigt auf 53,5 Tage

Die analysierten Unternehmen hatten 2018 rund 459 Milliarden Euro an Kapital gebunden – das waren 37 Milliarden Euro mehr als 2017. Parallel dazu ist die Kapitalbindungsdauer um zwei weitere Tage gestiegen – auf 53,5 Tage. Im Vergleich zu 2014 hat sich diese zentrale Kennzahl sogar um 5,5 Tage verschlechtert: Damals betrug die Kapitalbindungsdauer 48,0 Tage. Der Negativtrend zeigt sich auch, wenn man die deutschen Unternehmen isoliert betrachtet: Die Kapitalbindungsdauer inländischer Firmen ist in den vergangenen fünf Jahren um 9 Tage gestiegen und liegt nun bei 54 Tagen.

Negativtrend bei Bestands- und Forderungsreichweite

Raum für Verbesserungen besteht insbesondere im Bereich Bestands -und Forderungsreichweite. Bei diesen beiden Kennzahlen hat sich die Performance der Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren deutlich verschlechtert: Die Bestandsreichweite (Days Inventory On-Hand, DIO) , also der Zeitraum zwischen Wareneingang und Entnahme, stieg von 57,6 Tagen im Jahr 2014 auf 66,3 Tage im Jahr 2018 (Deutschland: 65 Tage). Die Forderungsreichweite (Days Sales Outstanding, DSO), definiert als die Spanne zwischen Bestelldatum und Zahlungseingang, lag 2018 bei 50,3 Tagen – das sind vier Tage mehr als im Jahr 2014.

Optimierung der Verbindlichkeiten weitgehend ausgeschöpft

Ein positiver Trend lässt sich bei den Verbindlichkeiten (Days Payables Outstanding, DPO) erkennen. Die Periode zwischen Rechnungsdatum und Bezahlung ist in den vergangenen Jahren um 6,6 Tage gestiegen – auf 61,5 Tage (Deutschland: 58 Tage). Der Grund für die Verbesserungen: Viele Unternehmen haben ihre Verbindlichkeiten in den vergangenen Jahren zulasten ihrer Zulieferer optimiert. Der hohe Druck auf die Lieferanten lässt sich allerdings nicht weiter verschärfen – auch aus regulatorischen Gründen. In diesem Bereich sind also kaum mehr Steigerungen möglich.

Das Potenzial innovativer Technologien

Bei der Optimierung der Zahlungsströme wird es immer wichtiger, das Potenzial innovativer Technologien wie Data Analytics, Künstlicher Intelligenz und Robotic Process Automation (RPA) zu nutzen. Auf der Basis dieser Technologien lassen sich beispielsweise Vorhersagemodelle um zentrale Kennzahlen – wie die aktuelle Nachfrage – ergänzen. So können Unternehmen die Präzision von Vorhersagen verbessern und die Planung ihrer Bestände optimieren.

Negativ-Trend in der Automobilbranche

Deutliche Unterschiede im Umgang mit dem Umlaufvermögen zeigen sich je nach Branche und Unternehmensgröße. Im Anlagenbau konnten die Unternehmen ihre Kapitalbindungsdauer seit 2014 um 14 Tage drücken. In der Automobilbranche hat sich die Leistung der Unternehmen im Bereich WCM dagegen verschlechtert: Die Kapitalbindungsdauer stieg dort in den vergangenen fünf Jahren um 10 Tage.

Abstand zwischen großen und kleinen Unternehmen schrumpft

Auch die Größe eines Unternehmens wirkt sich auf die Leistung im Bereich Working Capital Management aus. Die Schere geht jedoch nicht mehr ganz so weit auseinander wie noch vor fünf Jahren: 2018 betrug die Differenz zwischen großen und kleinen Unternehmen bei der Kapitalbindungsdauer 30 Tage, 2014 waren es noch 35 Tage. Unterschiede zeigen sich in allen Prozessketten. Größere Unternehmen profitieren vor allem von ihrer Marktmacht, sie können günstigere Konditionen mit Zulieferern aushandeln – und sie organisieren ihre Lieferketten häufig effizienter.

„Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihren Cashflow zu optimieren – und dabei auch die Stärken innovativer Technologien zu nutzen.“

Rob Kortman,Leiter Working Capital Management & Solutions bei PwC Deutschland

Die Methodik

Die PwC-Analyse gibt einen Überblick über die 622 wichtigsten deutschen, österreichischen, schweizerischen, niederländischen, belgischen und luxemburgischen Unternehmen auf der Grundlage der CapitalIQ-Sektorisierung. Alle Berechnungen basieren auf öffentlich zugänglichen Daten.

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