Die Innovationskraft entscheidet, ob Unternehmen den Markt gestalten oder ihm hinterherlaufen. Der 29. Global CEO Survey von PwC zeigt: Unternehmen mit starken Innovationspraktiken erzielen 1,7-mal mehr Umsatz aus neuen Produkten und Services als jene, die Innovation weniger konsequent managen. Trotzdem bleibt dieses Potenzial in vielen Unternehmen ungenutzt. Was es braucht, um das zu ändern.
Innovationen entstehen nicht allein in Forschungsabteilungen, sondern vor allem am Markt. Schon Joseph A. Schumpeter, der den modernen Innovationsbegriff in den 1940er-Jahren prägte, stellte fest, dass eine Erfindung erst dann zur Innovation wird, wenn sie sich tatsächlich am Markt durchsetzt. Um aus einer guten Idee ein erfolgreiches Produkt zu machen, braucht es straffe Entscheidungsprozesse, Verfahren wie Rapid-Prototyping und die Verankerung der Time-to-Market als strategische KPI. Laut CEO Survey erzielen bereits 40 Prozent der Unternehmen mindestens 20 Prozent ihres Umsatzes mit Produkten und Services, die jünger sind als drei Jahre.
Quelle: 29. Global CEO Survey von PwC
Innovation braucht Flexibilität – denn Märkte und Kundenanforderungen wandeln sich. Neues entsteht oft dort, wo Unternehmen bereit sind, über gewohnte Grenzen hinauszudenken. Doch viele reagieren nur moderat flexibel auf Veränderungen: Laut CEO Survey erreichen nur 20 Prozent eine hohe Flexibilität bei Nachfrageschwankungen und 18 Prozent bei Angebotsstörungen. Ein wesentlicher Grund: fehlender oder erschwerter Zugang zu entscheidungsrelevanten Daten. Gutes Datenmanagement stellt sicher, dass Informationen über Kundenanforderungen, Marktentwicklungen und interne Ressourcen aktuell, konsistent und bereichsübergreifend verfügbar sind. So können Unternehmen Produktentwicklungen schneller anpassen, Ressourcen adaptiver planen und Chancen frühzeitig erkennen.
Bei Bürokratie denken viele an den Staat und Behörden, aber auch innerhalb von Unternehmen wuchern komplizierte Vorschriften und Prozesse. Sieben von zehn deutschen CEOs sehen interne Bürokratie als zentrale Performance‑Bremse. Gleichzeitig bleiben 54 Prozent der technologiebezogenen Funktionen in Unternehmen (Daten, IT, Anwendungen) hinter den Erwartungen zurück. Deshalb gilt: bürokratische Hürden eliminieren, IT-Modernisierung priorisieren und Silos aktiv reduzieren, damit Innovation nicht am eigenen Betrieb scheitert.
Es reicht nicht, bereit zu sein oder vorsichtige erste Schritte zu gehen. Innovation braucht Mut, das gilt auch für den Einsatz von KI: Deutsche Unternehmen fühlen sich nach eigener Aussage bereit, was das Technologieumfeld und die kulturellen Voraussetzungen für den KI-Einsatz betrifft. Doch diese Ausgangslage spiegelt sich kaum im Ergebnis wider. Erst elf Prozent schaffen es, durch KI ihren Umsatz spürbar zu steigern. Sie skalieren KI- und Innovationsprojekte gezielt dort, wo sie unmittelbar Wert schaffen – in Produktentwicklung, Vertrieb, Service oder operativen Prozessen.
Innovation entsteht häufig außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen. Eine Lösung, um Zugang zu neuen Technologien und Talenten zu erhalten, ohne durch die Trägheit des Kerngeschäfts ausgebremst zu werden, ist Corporate Venturing. Mehr als die Hälfte der deutschen CEOs (52 Prozent) haben in den vergangenen fünf Jahren begonnen, gezielt in neuen Branchen aktiv zu werden. Zudem setzen sie dabei zunehmend auf Partnerschaften: 23 Prozent der deutschen CEOs kollaborieren bereits mit externen Partnern wie Startups, Zulieferern oder Forschungseinrichtungen, um schneller zu besseren Lösungen zu kommen. Doch nur 15 Prozent haben im Unternehmen entsprechende Strukturen wie Inkubatoren oder Corporate-Venturing-Einheiten etabliert – weit hinter China mit 40 Prozent. Die Zahlen unterstreichen: Jetzt gilt es einmal mehr, Geschäftsmodelle von Grund auf neu zu denken, Branchensilos aufbrechen und gezielt in externe Innovationskraft investieren, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein.