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Daniel Wildhirt
Partner und Banking Leader Advisory bei PwC Deutschland
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Zwischen 2011 und 2025 wuchs die Bevölkerung Deutschlands um rund 3,1 Millionen Menschen, maßgeblich getragen durch zwei große Einwanderungswellen in den Jahren 2015 und 2023. Dieses Wachstum wirkte stabilisierend und überdeckte strukturelle Schwächen in einzelnen Geschäftsmodellen.
Aktuelle Bevölkerungsprognosen zeigen jedoch ein vollkommen anderes Bild. Während wenige Szenarien noch moderates Wachstum unterstellen, gehen Basisszenarien bis 2045 von Rückgängen von rund 3,7 Prozent aus. Pessimistischere Prognosen gehen sogar von noch deutlich stärkeren Rückgängen aus.
„Der demografische Rückenwind der vergangenen Dekade war für viele Institute ein erheblicher Stabilisator. Mit dem Übergang in eine Phase struktureller Stagnation oder Schrumpfung bei gleichzeitiger Alterung werden bestehende Geschäftsmodelle mit erheblichen Risiken konfrontiert.“
Unsere Untersuchung zeigt, dass der fortschreitende demografische Wandel das Geschäftsmodell deutscher Kreditinstitute gefährdet und sich Marktanteile zulasten regional gebundener Institute verschieben. Die Marktanteilsverschiebung im Bankensektor ergibt sich aus den demografischen Entwicklungen heraus und kann sich durch den intensiven Wettbewerb, veränderte Kundenpräferenzen sowie neue Technologien sogar noch verstärken. Es zeigt sich, dass national tätige Privatbanken strukturell profitieren wohingegen regional fokussierte Banken zunehmend unter Druck geraten.
Der deutsche Bankenmarkt ist durch eine hohe Zahl regional gebundener Institute geprägt. Über 1.000 Sparkassen und Volksbanken operieren auf Basis klar definierter Geschäftsgebiete. Gerade für diese Institute sind lokale demografische Entwicklungen entscheidend.
Die PwC-Analyse zeigt: Mehr als 60 Prozent der Gemeinden werden künftig nicht mehr wachsen. Gleichzeitig existieren erhebliche Unterschiede von regionalen Zuwächsen bis zu Rückgängen von über 30 Prozent. Diese Divergenz führt zu einer stark unterschiedlichen Exponierung einzelner Banken gegenüber demografischen Risiken.
„Das Regionalprinzip wird vom Stabilitätsanker zunehmend zum Risikofaktor. Entscheidend ist nicht die nationale Entwicklung, sondern die Dynamik im individuellen Geschäftsgebiet.“
In den vergangenen zehn Jahren profitierten alle drei Bankengruppen vom Bevölkerungswachstum, wenn auch in unterschiedlichen Ausmaßen. Privatbanken verzeichneten ein durchschnittliches Marktwachstum von 7,7 Prozent, Volksbanken von 4,2 Prozent und Sparkassen von drei Prozent.
Für die Zukunft dreht sich dieses Bild. Im Durchschnitt wird ein negatives Marktwachstum von rund minus 0,7 Prozent erwartet. Besonders betroffen sind Sparkassen mit minus 2,6 Prozent. Dagegen weisen Privatbanken weiterhin ein positives Wachstumspotenzial von rund 4,5 Prozent auf. 60 Prozent der Sparkassen und über 40 Prozent der Volksbanken stehen vor stagnierenden oder rückläufigen Märkten. Einzelne Institute könnten Rückgänge von über 20 Prozent erleben.
„Demografische Effekte wirken künftig asymmetrisch: Während national tätige Institute strukturell profitieren, geraten zahlreiche regional fokussierte Banken zunehmend unter Druck.“
Die modellbasierte Projektion bis 2045 zeigt deutliche Unterschiede in der Entwicklung des Kundenpotenzials: Sparkassen könnten durchschnittlich rund zwölf Prozent ihrer Kundenbasis verlieren, Volksbanken etwa sechs Prozent. Einzelne Sparkassen und Volksbanken könnten über 30 Prozent ihrer Kunden verlieren. Privatbanken hingegen weisen ein potenzielles Wachstum von bis zu über zehn Prozent auf.
Bemerkenswert ist, dass sich die Verschiebung der Marktanteile allein aus der demografischen Entwicklung ergibt. Dabei sind weder veränderte Kundenpräferenzen noch technologische Umbrüche berücksichtigt. Strategische Initiativen können diesen demografischen Risiken entgegenwirken. Ohne aktive Steuerung werden sie sich jedoch durch veränderte Kundenpräferenzen und neue Technologien sogar noch verstärken.
„Unsere Analysen verdeutlichen, dass demografische Risiken nicht abstrakt, sondern bankindividuell quantifizierbar sind. Insbesondere Institute mit stark regionaler Verankerung stehen vor erheblichen strukturellen Herausforderungen.“
Die vollständige Studie
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Die Studie basiert auf einem mehrstufigen, bankenindividuellen Regionalmodell. Zunächst wurden die Geschäftsgebiete der Institute auf Basis ihrer Filialstandorte auf Gemeindeebene (10.751 Gemeinden, Stand Januar 2025) definiert.
Historische Bevölkerungsentwicklungen wurden den jeweiligen Einzugsbereichen zugeordnet. Für die Prognose bis zum Jahr 2045 wurden Bevölkerungsprojektionen auf Gemeinde- und Kreisebene herangezogen. Fehlende Gemeindedaten wurden durch alternative Verfahren (Kreisprognosen oder strukturell ähnliche Gemeinden) substituiert.
Die Aggregation erfolgte gewichtet nach der Anzahl der Filialen je Gemeinde bzw. Kreis, um die regionale Bedeutung einzelner Standorte angemessen zu berücksichtigen.
In einem zweiten Schritt wurden demografische Verschiebungen der Marktanteile einzelner Banken berücksichtigt, um die zukünftige Kundenentwicklung abzuleiten.