Healthcare-Barometer 2021

PwC-Studie 2021: Die Zufriedenheit mit dem deutschen Gesundheitssystem ist während der COVID-19-Pandemie sprunghaft angestiegen.

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Michael Burkhart

Michael Burkhart
Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland
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Neue Wertschätzung des Gesundheitssystems

Die COVID-19-Pandemie stellt das deutsche Gesundheitssystem – ebenso wie das vieler anderer Länder – vor eine enorme Belastungsprobe. Doch die Bürger haben offenbar großes Vertrauen in ihr Gesundheitswesen und seine Kapazitäten: 72 Prozent sind davon überzeugt, dass es zu den drei besten Systemen der Welt zählt. Im Vergleich zur Vorjahresbefragung ist dieser Wert sprunghaft um 20 Prozent gestiegen – das spricht für eine neu gewonnene Wertschätzung der Leistung von Ärzten, Kliniken, Krankenkassen und Pharmakonzernen im Jahr der Pandemie. Wie stehen die Versicherten ansonsten zum deutschen Gesundheitssystem?

Deutsches Gesundheitssystem im Vergleich

Wie bewerten sie die aktuelle Strategie im Kampf gegen das Virus? Was vermissen Patienten in der medizinischen Versorgung? Antworten gibt das „Healthcare-Barometer 2021“, für das PwC bereits zum siebten Mal in Folge 1.000 Bürgerinnen und Bürger befragt hat.

Die Studie im Überblick

Die Krise wird Deutschland noch lange im Griff haben

Auf dem Thema Impfen ruhen große Hoffnungen. Dennoch haben die Befragten Zweifel daran, dass sich der Alltag in Deutschland auch nach erfolgreicher Impfung schnell wieder normalisieren wird: 62 Prozent sind davon überzeugt, dass die Bürger noch lange mit Einschränkungen werden leben müssen. Wie lange wird es aus Sicht der Studienteilnehmer dauern, bis das Leben in Deutschland zum Normalzustand zurückkehrt? Lediglich vier Prozent glauben, dass das schon Mitte 2021 der Fall sein wird. 26 Prozent rechnen mit einer Rückkehr zum Jahresende 2021 und 17 Prozent meinen, dass die Pandemie das Land noch bis Ende 2022 im Griff hat.

Hohe Zufriedenheit mit der medizinischen Leistung des Krankenhauses

Die Bekämpfung der Corona-Pandemie, zu der die Kliniken einen großen Beitrag leisten, hat auch zu mehr Wertschätzung für die deutsche Krankenhauslandschaft geführt. Fast drei Viertel der Patienten schätzen die Versorgung im Krankenhaus als gut oder sehr gut ein. Zum Vergleich: In der Vorjahresbefragung stimmte nur die Hälfte der Deutschen dieser Aussage zu. Bei der Wahl des richtigen Krankenhauses sind nach wie vor Hausärzte die wichtigsten Ansprechpartner für Patienten.

Große Zufriedenheit mit Krankenkassen

Die Pandemie hat zu einem Imagegewinn für die Pharmabranche geführt

Beim Thema Impfstoffentwicklung hat Deutschland auf internationaler Ebene eine führende Rolle eingenommen. Viele deutsche Unternehmen forschen dazu. Das hat zu einem deutlichen Imagegewinn für die Branche geführt: Die Zahl derer, die Pharmakonzerne als Innovatoren wahrnehmen, hat sich gegenüber der Vorjahresstudie nahezu verdoppelt und ist von 19 auf 35 Prozent gestiegen. Damit erkennen die Versicherten an, dass die Branche einen wesentlichen Beitrag zur Krankheitsbekämpfung leistet. Parallel dazu ist die Kritik, dass Pharmaunternehmen nur auf Gewinn ausgerichtet sind, leiser geworden: Nur noch 52 Prozent stimmen dieser Aussage zu, während es im Vorjahr noch 68 Prozent waren. Auch für die Zukunft hat die Erforschung neuer, innovativer Produkte mehr Gewicht als die Entwicklung von günstigen Nachahmer-Medikamenten.

Innovatoren oder Gewinnmaximierer?

Bürger wünschen sich mehr Investitionen in Gesundheitsvorsorge

Mit ihrer Krankenversicherung – den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV) – sind die Bürger ebenso wie im Vorjahr ausgesprochen zufrieden, wie 88 Prozent bestätigen. Das gilt, obwohl die gesetzlichen Kassen 2021 teilweise ihren Zusatzbeitrag erhöhen. Ebenso hoch ist die Zustimmung zu der Aussage, dass die Krankenkassen alle wichtigen medizinischen Leistungen übernehmen. Dabei ist die Zufriedenheit mit der Leistungsgewährung bei der privaten Krankenversicherung noch etwas höher als bei den gesetzlichen Krankenversicherungen (PKV: 93, GKV: 87 Prozent).

Einen Kritikpunkt gibt es dennoch: Aus Sicht der Bürger sollte das deutsche Gesundheitswesen einen stärkeren Schwerpunkt auf die Prävention legen. So wünschen sich 55 Prozent der Versicherten, dass Gelder aus einem zusätzlichen Budget in die Vorsorge fließen, während 45 Prozent für Heilung ausgegeben werden sollen. Das steht in Widerspruch zum derzeitigen Gesundheitssystem, das einen stark kurativen Charakter hat.

Wie wichtig sind Heilung und Prävention?

Interview: Sechs von zehn Bürgern glauben, dass Deutschland noch lange mit der Pandemie leben muss

Ein Interview mit Michael Burkhart und Sevilay Huesman-Koecke zu den Fragen: Wie bewerten die Bürger das deutsche Gesundheitssystem? Wie bewältigt es aus ihrer Sicht die COVID-19-Pandemie? Wie zufrieden sind die Patienten mit der medizinischen Versorgung, mit Krankenversicherung und Krankenhaus?

Zum Interview

„Der hohe Anstieg um 20 Prozentpunkte in der Zufriedenheit der Bürger mit dem Gesundheitssystem zeigt, wie sehr die Deutschen anerkennen, dass ihr Land vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist…“

Michael Burkhart,Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland

Fazit

Gesundheitsschutz zählt mehr als wirtschaftlicher Wohlstand

Was geht im Kampf gegen die Pandemie vor – Gesundheit oder Wirtschaft? Auf diese Frage haben die Deutschen eine eindeutige Antwort: Der Gesundheitsschutz muss an oberster Stelle vor den Interessen der Wirtschaft stehen, sagen zwei Drittel der Bürger. Gerade unter älteren Versicherten ist die Zustimmung zu dieser Aussage hoch, während jüngere Menschen stärker die wirtschaftlichen Einbußen durch Lockdown-Regelungen im Blick haben.

Weil der Gesundheitsschutz für die meisten an oberster Stelle steht, folgt die Mehrheit der Befragten auch der aktuellen Impfstrategie der Bundesregierung, nach der Arbeitnehmer aus systemrelevanten Berufen wie Ärzte und Pfleger sowie ältere Menschen mit dem Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs vorrangig geimpft werden sollen. Dafür sprechen sich jeweils rund 60 Prozent der Versicherten aus.

Die Methodik

Für die Studie wurden 1.000 Deutsche (Mindestalter: 18 Jahre) im Erhebungszeitraum Dezember 2020 befragt. Die Studie ist bevölkerungsrepräsentativ. Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet.

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