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Michael Ey
Partner, Global Health Services Leader bei PwC Deutschland
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Steigende Kosten, Fachkräftemangel, ein hohes Maß an Bürokratie, lange Wartezeiten auf Termine und eine schleppende Digitalisierung: Das sind nur einige der großen Herausforderungen des deutschen Gesundheitswesens. Auch die Bürger:innen haben erkannt, wie sehr das System kränkelt: Nur noch 50 Prozent zählen ihr Gesundheitswesen zu den Top-3-Systemen weltweit. Zum Vergleich: Vor einem Jahrzehnt lag dieser Wert noch bei 64 Prozent. Vor allem machen sich die Deutschen Sorgen darum, ob Gesundheit künftig noch bezahlbar sein wird, wie 91 Prozent bestätigen. Weitere große Herausforderungen aus Sicht der Bürger:innen: der Fachkräftemangel und die Sicherung der Versorgungsqualität. Das sind zentrale Ergebnisse des „Healthcare-Barometers 2026“, für das PwC 1.000 Personen nach ihrer Meinung zum deutschen Gesundheitswesen gefragt hat.
„Hohe Kosten, aber nur eine durchschnittliche Leistungsfähigkeit: Das deutsche Gesundheitswesen braucht eine grundlegende Reform, die diesen Namen auch verdient hat. Die Probleme unseres Gesundheitssystems sind bei den Bürger:innen angekommen, wie unser aktuelles Healthcare-Barometer zeigt. Wichtige Weichenstellungen wären: eine stärker integrierte Versorgung, mehr Prävention und mehr Tempo in der Digitalisierung.“
Zu den größten Herausforderungen des deutschen Gesundheitswesens zählen die Bürger:innen die Finanzierbarkeit des Systems, das fehlende Fachpersonal und die Sicherstellung der Versorgung. Große Defizite sehen sie auch im ländlichen Raum. Wie könnte das deutsche Gesundheitswesen verbessert werden? Die wirksamsten Hebel wären aus Sicht der Deutschen die Überwindung des starren Sektorendenkens durch eine integrierte Versorgung mit einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Akteuren. Dieser Aussage stimmen 87 Prozent der Befragten zu. Weitere Lösungsansätze wären eine verbesserte Digitalisierung und Datennutzung (78 Prozent) und eine wirksamere Prävention, etwa durch Gesundheitsnetzwerke (78 Prozent).
Wie steht es um die Versorgungsqualität in Krankenhäusern? Die Bewertung der Kliniken ist in den vergangenen Jahren recht stabil geblieben – jede:r Zweite beurteilt die Versorgung als gut oder sehr gut. Nur in den Pandemie-Jahren 2020/2021 erreichten Krankenhäuser deutlich höhere Zustimmungswerte. Auffällig ist allerdings, dass Frauen deutlich kritischer werten als Männer: 43 versus 59 Prozent. Die Bewertung aus Sicht von weiblichen Befragten hat damit einen historischen Tiefstand erreicht.
Wenn es um die Wahl der richtigen Klinik geht, zählt auch im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz und Social Media der hausärztliche Rat am meisten, wie 50 Prozent bestätigen. An zweiter Stelle steht die Empfehlung aus dem Freundes- und Bekanntenkreis (35 Prozent).
Wenig Personal, lange Wartezeiten auf Termine, hoher Druck: Diese Faktoren machen sich auch in der Bewertung der ärztlichen Versorgung bemerkbar. Aktuell sagen nur noch 30 Prozent, dass sie mit den Behandlungen zufrieden sind – vor vier Jahren waren es noch 37 Prozent. Auffällig ist, dass berufstätige Menschen sich besonders kritisch äußern. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass Ärzt:innen sich zu wenig Zeit nehmen, wie 39 Prozent bemängeln. Ebenso empfinden viele Patient:innen, dass sie von den medizinischen Fachkräften nicht ernst genommen werden (26 Prozent).
Fragen der Finanzierung betreffen vor allem die gesetzlichen Krankenkassen, die mit hohen Defiziten kämpfen. Erhöhungen der Zusatzbeiträge und Debatten um Streichungen von Leistungen wirken sich offenbar nicht auf die Zufriedenheit mit der Krankenversicherung aus. Die Krankenkassen erreichen seit vielen Jahren konstant hohe Zufriedenheitswerte – gegenüber dem Vorjahr ist die Zufriedenheit sogar leicht um zwei Prozentpunkte auf 87 Prozent gestiegen. Die Versicherten bestätigen mit 86 Prozent, dass alle relevanten Leistungen finanziert werden. Dabei unterscheiden sich die Werte kaum zwischen gesetzlich und privat Versicherten (87 versus 89 Prozent).
Das Image der Pharmabranche hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht verbessern können. Inzwischen stimmen 81 Prozent der Aussage zu, dass die Unternehmen ein bedeutender Innovationsmotor für Deutschland sind (2025: 78 Prozent). Damit die Branche weiterhin innovativ sein kann, erwarten 91 Prozent, dass die Politik attraktivere Rahmenbedingungen für die Entwicklung neuer Medikamente schafft. Dass Deutschland sich dabei unabhängiger von globalen Lieferketten macht, wünscht sich – auch mit Blick auf Engpässe der vergangenen Jahre – die große Mehrheit. Für 64 Prozent ist es wichtig, dass Medikamente in Europa hergestellt werden.
Die Deutschen sehen großes Verbesserungspotenzial in einer stärkeren Digitalisierung und Datennutzung. Entsprechend ist die Mehrheit bereit, persönliche Daten zu teilen – 45 Prozent freiwillig, 22 Prozent gegen Entgelt und 15 Prozent gegen Mehrwert wie beispielsweise Zugang zu neuen Therapien. Nur 18 Prozent lehnen das grundsätzlich ab. Das stärkste Vertrauen bei der Weitergabe von Daten aus Wearables haben die Befragten in Ärzt:innen und medizinische Forschungseinrichtungen.
Von einer integrierten Versorgung versprechen sich die Studienteilnehmer:innen, dass die haus- und fachärztliche Versorgung besser aufeinander abgestimmt ist, wie 35 Prozent bestätigen. Weitere Vorteile sehen sie in einem ganzheitlichen Blick auf Patient:innen (33 Prozent), kürzeren Wartezeiten (33 Prozent), der Früherkennung von Krankheitsrisiken (33 Prozent) und der Reduzierung von Doppeluntersuchungen (33 Prozent).
Große Erwartungen haben die Bürger:innen auch in präventive Maßnahmen, wie 91 Prozent angeben; 53 Prozent ist das sehr wichtig, 38 Prozent immerhin wichtig. Dabei setzen sie vor allem auf regelmäßige Gesundheitschecks und Vorsorgeuntersuchungen, Unterstützung bei gesunder Ernährung und Aufklärungskampagnen. Entsprechend können sich 87 Prozent vorstellen, dass gesundheitsbewusstes Verhalten auch belohnt wird.
„Wenn wir die Qualität unserer Gesundheitsversorgung steigern und zugleich die Kosten im Griff halten wollen, führt kein Weg an einer konsequenten digitalen Transformation vorbei – mit einer systematischen Erfassung und Nutzung von Gesundheitsdaten, der Einbindung digitaler Angebote in den Versorgungsalltag sowie einer Vernetzung aller Player.“
Roland Werner,Leiter Gesundheitswirtschaft & Pharma bei PwC DeutschlandHealthcare-Barometer 2026
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Für die Studie wurden 1.000 Bürger:innen im Januar/Februar 2026 befragt. Die Studie ist bevölkerungsrepräsentativ. Ergebnisse wurden auf ganze Zahlen gerundet.